Mit der Sportjugend NRW in Indien

von: Maike Schröder, 06.11.2018, Kategorie: Schwimmjugend, Schwimmverband NRW, Schwimmen

Die Schwimmjugend NRW & der Schwimmbezirk Ostwestfalen-Lippe unterstützten die Reise

Maike Schröder vom SC Aquarius Löhne gehörte zu den ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Young Leader Austausches der Sportjugend NRW. Für den finanziellen Eigenanteil wurde sie – zur Förderung des jungen Ehrenamtes – von der Schwimmjugend NRW und dem Schwimmbezirk Ostwestfalen-Lippe unterstützt. Was sie dort alles erlebt hat, berichtet Maike selber:

 

Ich hatte vom 13. bis 22. Oktober das große Glück, ein Teil der Young Leader Delegation der Sportjugend NRW zu sein, die für einige Tage nach Chandigarh gefahren ist, um dort mit anderen jungen Erwachsenen aus Indien und China im kulturellen Austausch zu stehen, Erfahrungen zu sammeln und über Themen zu diskutieren, die Jugendliche weltweit beschäftigen.

Jetzt werden sich die meisten an dieser Stelle vielleicht fragen: „Chandigarh? Was soll das sein?“. Naja, ich habe vorher auch noch nie etwas von dieser Stadt gehört. Aber ich kann erzählen, was ich in den zehn Tagen über sie herausgefunden habe: Chandigarh ist eine Stadt im Norden Indiens und ist gleichzeitig die Hauptstadt von Punjab und Haryana, zwei Bundesstaaten Indiens. Gesprochen wird dort Hindi, Panjabi und Englisch. Und eben dort haben sich die drei Delegationen aus Deutschland, China und Indien getroffen.

 

Der erste Eindruck

 

Ca. 4:00 Uhr morgens haben wir den Flughafen von Delhi verlassen und sehen zum ersten Mal die Straßen Indiens. Das erste was einem auffällt: Es ist warm und das atmen fällt durch den vielen Staub in der Luft schwer. Außerdem sind unglaublich viele Menschen auf den Straßen unterwegs. Aber wir sind alle müde und gar nicht in der Lage, die ganzen Eindrücke aufzunehmen

Und so startet das Abenteuer auch schon mit dem ersten Kulturschock: Indischer Straßenverkehr. Dieser besteht zum Großteil aus Gehupe und einem Gewirr an Autos. Straßenregeln soll es wohl geben, aber die meisten fahren, wie es eben gerade passt. Das ist - so wurde es uns später erklärt - bei dieser enormen Masse an Menschen und Autos wohl kaum anders möglich, da sie ansonsten 24/7 einfach nur im Stau stehen würden. Dann doch lieber Chaos auf den Straßen.

Nach einer kurzen Nacht im Hotel ging es dann mit einer Propellermaschine weiter nach Chandigarh, wo wir Bekanntschaft mit der indischen und der chinesischen Delegation machten.

 

Was wir alles erlebt haben

 

Ich habe bis jetzt noch nicht alles verarbeitet und brauche wahrscheinlich noch ein paar Tage, um die ganzen Eindrücke zu verinnerlichen. Wenn ich jede Einzelheit aufzählen würde, dann müsste ich bestimmt ein kleines Buch schreiben.

Neben den Besuchen verschiedener Bildungsstätten, Museen und Sehenswürdigkeiten haben wir fast täglich die indische Kultur hautnah miterlebt: Von der Religion, bis zu kulturellen Unterschieden war alles dabei und Gesprächsstoff zwischen den Delegationen gab es nie zu wenig. Im Folgenden werden also nur einige meiner Highlights vorgestellt.

 

Das Sikh-Museum

 

Indien ist ein Land, in dem viele verschiedene Religionen praktiziert werden. Eine der für uns bekanntesten ist wahrscheinlich der Hinduismus. Wir aber waren mit Anhängern des Sikhismus unterwegs - einer Religion, welche im 15. Jahrhundert in Punjab durch Guru Nanak Dev gegründet wurde und im Gegensatz zum Hinduismus monotheistisch ist. Vor dem einen Gott der Sikhs ist jeder Mensch gleich. Dies ist der Kern ihres Glaubens. Kein Kastensystem, sondern Einheit im ganzen Land. Die besonders gläubigen Sikhs tragen übrigens Turban und schneiden nie ihre Haare.

Das Sikh-Museum ist wahrscheinlich das beste Museum, dass ich je betreten habe. Es war atemberaubend, diese Religion und ihre Geschichte mithilfe vieler Wandmalereien und Figuren kennenzulernen. Da allerdings keine Fotos gemacht werden durften, müssen alle, die jetzt neugierig geworden sind, wohl ihren nächsten Urlaub nach Indien planen. Es ist es auf jeden Fall eine Reise wert.

 

Der Golden Temple in Amritsar

 

Der Golden Temple ist die Geburtsstätte des Sikhismus und einer der bekanntesten Sikh-Tempel in ganz Indien. Betreten wird er natürlich nur barfuß und täglich wird er von einer großen Masse an Menschen besucht, die dort beten, vom heiligen Wasser trinken und gemeinsam essen.

Das war das beeindruckendste Erlebnis während meiner Zeit in Indien: In jedem Sikh-Tempel können die Menschen rund um die Uhr umsonst essen und trinken. Hier ist es egal, ob sie reich, arm, gläubig oder ungläubig sind. Jeder, und zwar absolut jeder, hat dort das Recht, empfangen zu werden. Und so durften auch wir im Tempel das traditionelle indische Essen genießen.

Warum ich davon so beeindruckt war? Nun ja, es ist ein unglaublicher Dienst, Essen für so viele Leute bereitzustellen - nicht nur tagsüber, sondern auch nachts. Es ist für mich eine sehr ausdrucksstarke Geste, Fremden ungeachtet ihrer Herkunft einen Platz am „eigenen Tisch“ anzubieten und dort in Frieden gemeinsam ein Mahl einzunehmen. Eine Art der Gastfreundschaft, welche in so einem Ausmaß nur noch selten vorhanden ist.

 

Die Grenze zu Pakistan

 

Wir besuchten die Grenze zu Pakistan. Aber anstatt eine normale Grenze zu besichtigen, saßen wir in einem Stadion, welches bis oben hin gefüllt war. Wir dachten, wir wären bei einem Fußballspiel gelandet. Wir fanden heraus, dass jeden Abend, wenn die Flaggen von Pakistan und Indien niedergeholt werden, sowohl die Inder auf der einen als auch die Pakistani auf der anderen Seite ihre Macht und Stärke demonstrieren und dabei vom Publikum angefeuert werden.

Diese Zeremonie ist schon Jahrzehnte alt und soll Respekt füreinander ausdrücken. Es war aber wohl der größte Kulturschock, den ich während dieser Zeit erlebt habe und die Zeremonie sorgte später für einige Diskussionen. Es hat mich aber vor allem auf die indisch-pakistanische Geschichte neugierig gemacht.

 

Universitäten und Schulen in Indien

 

Natürlich haben wir auch einige Schulen und Universitäten in Indien besucht - darunter sowohl öffentliche als auch private Einrichtungen. Am meisten hat mich die Universität von Punjab beeindruckt, weil sie fast eine eigene Stadt ist. Sie umfasst Studentenwohnheime, Studiengebäude, Sportstätten usw. und theoretisch müssten die Studenten das Unigelände nie verlassen.

Hier hatten wir ebenfalls die Möglichkeit, uns mit indischen Studenten zu unterhalten und uns über das Studentenleben weltweit auszutauschen. Außerdem wurden wir durch eine Ausstellung über Mahatma Ghandi geführt und haben mehr über sein Leben und die Philosophie, die er verbreitete, erfahren. Diese kann an der Universität in Punjab studiert werden.

 

Cricket – Indiens Nationalsport

 

Natürlich darf bei so einem Austausch mit der Sportjugend der Sport nicht fehlen. Und was würde sich da nicht besser eignen als Cricket?! Das ist diese Sportart mit dem Stab, der ein bisschen aussieht wie ein Baseball. Wir hatten die Chance, einen ehemaligen Nationalspieler kennenzulernen und uns selbst mal am Cricketspielen zu versuchen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und es war sehr interessant, eine Sportart kennenzulernen, die ich in Deutschland noch nie gesehen habe. Ich würde mir wünschen, dass sie hier vielleicht etwas populärer wird, denn Spaß macht es auf jeden Fall.

 

Was nehme ich mit und wie hat es mir gefallen?

 

Ich habe sehr viel durch diesen kulturellen Austausch gelernt und werde so einiges an Erfahrung aus dieser kurzen Begegnung mitnehmen. Ich hatte die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Meinungen sowohl aus indischer, chinesischer, als auch aus deutscher Sicht wahrzunehmen. Außerdem bekommen nicht alle Besucher so einen tiefen Einblick in die indische Kultur und vor allem auch in eine der indischen Religionen.

Es hat mich neugierig gemacht, mehr zu erfahren und mich gelehrt, dass ich keine Angst vor etwas haben muss, was ich noch nicht so gut kenne. Natürlich waren wir nicht immer einer Meinung und es gibt kulturelle Hürden, aber wir können immer voneinander lernen und uns darin üben, andere zu verstehen.

Ich nehme aus diesem Austausch auf jeden Fall mit, dass Indien ein Land voller Unterschiede ist und sich genau wie jedes andere Land in einem stetigen Wandel befindet. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich das Glück hatte, mitfahren zu dürfen, denn ich werde diese Begegnung wohl nie vergessen.

Context Column