Content

Eine Synchronschwimmerin in China

Synchronschwimmerin Nicole Schanz vom SV Brackwede wurde vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen als eine der wenigen Teilnehmer/innen für die Young Leader Begegnungsmaßnahme in Chengdu in China ausgewählt. Finanziell unterstützt wurde sie vom Schwimmverband NRW und vom Schwimmbezirk Ostwestfalen-Lippe. Was sie dort alles erlebt hat, berichtet sie am besten selbst:

Als Teil der deutschen Delegation vom Landessportbund NRW bin ich (mit Anna, Chantal, Heni, Jorick, Sarah und Steffen) vom 22.- 29.09.2019 nach Chengdu in China geflogen und habe dort an der Young Leader Begegnungsmaßnahme (YLM) teilgenommen. Ich habe sehr viel erlebt und viel mehr mitgenommen, als ich in diesem Bericht erzählen kann! Es hängen so viele Emotionen und Erinnerungen mit dieser Reise zusammen. Ich erzähle sehr gerne davon und hoffe, dass ich euch in diesem (eher kurzem) Bericht eine kleine Vorstellung von meinen Erlebnissen geben kann.

Land und Leute

Ich bin mit der Erwartung nach China geflogen, dort Land und Leute kennenlernen zu können. Was genau wir an den Tagen erlebt haben, berichte ich nachher. Zuvor möchte ich aber auf die Personen und die Kultur des Landes eingehen, denn ohne diese wäre die Reise nicht zu dem geworden, was sie ist:

Beim Vorbereitungstreffen Ende August wurde uns einiges über die Traditionen und Bräuche, ebenso wie über „Do´s and Don´ts“ in China erzählt: Niemals die Stäbchen vertikal in den Reis stecken, oder etwas an Essen liegen lassen; Geschenke immer mit beiden Händen annehmen und reichen und keinesfalls sofort öffnen; keine brisanten Themen wie Politik ansprechen, da die Gefahr droht, dass ein Chinese sein Gesicht verliert; niemals zuerst hinsetzen und schon gar nicht in der Nähe der Tür. Es war unheimlich viel worüber ich mir Gedanken gemacht habe, aber wie sich sehr schnell herausgestellt hat, hätte ich mir die Sorgen gar nicht machen brauchen.

Die chinesische Delegation bestand aus sieben Studenten (Alice, Alvin, April, Brittany, Joyce, Rita und Zate) von der Chengdu University (CDU). Sie alle waren uns ähnlicher, als ich vor dem Hinflug erwartet hätte! Ans Gesicht verlieren haben wir während unserer Fahrt gar nicht mehr gedacht. Stattdessen sprachen wir über alle möglichen Themen, die Jugendliche in ihrer Freizeit beschäftigen: Social Media, Hobbies, Ausbildung, Promis, Musik, Kleidung usw.

Als wir am letzten Tag Geschenke austauschten, war es ein bisschen wie auf einem Geburtstag und natürlich packten wir die Geschenke sofort aus! Statt einem schüchternem Danke, nahmen wir uns in den Arm und freuten uns über die gemeinsame Zeit!

Mir ist bewusst, dass es auch Personen gibt, die eher traditionell leben, aber in unserer Gruppe hatten einige schon Auslandserfahrung und konnten deshalb vermutlich auch mit den westlichen Gepflogenheiten etwas anfangen. Wobei man dazu sagen muss, dass es fast die ganze Woche gedauert hat bis unser Sarkasmus nicht mehr missverstanden wurde.

China an sich hat mich vom ersten Tag an beeindruckt. Alles wurde strikt kontrolliert. Am Flughafen machte man Bilder von uns und nahm unsere Fingerabdrücke bevor wir den Sicherheitsbereich verlassen konnten.

Außerhalb der Flughalle wurden wir direkt vom Smog begrüßt, der aber im Laufe der Woche auch mal die Sonne hat durchscheinen lassen. Wir fuhren mit unserem kleinen Bus auf chinesischen Straßen. Diese waren nicht nur andauernd überfüllt, sodass wir im Stau standen, sondern teilweise auch nicht ausgebaut, sodass wir unsanft auf unseren Sitzen herum hopsten.

Wir wurden jeden Mittag und Abend in schicke Restaurants zum Essen eingeladen. Wir nahmen an großen Tischen Platz, welche in der Mitte eine drehbare Platte hatten. Auf diese wurden immer sehr viele Schüsseln, Töpfe und Teller mit vielerlei Leckereien gestellt: Bambus, Fleisch, Fisch, Suppe, Obst usw. Es war ein Überangebot an Essen! Selbst die Chinesen meinten, dass es eigentlich unüblich sei so viel zu essen, aber wir genossen es, verschiedene Dinge probieren zu können, die man bei uns in Deutschland sonst nicht bekommt, oder (so wie ich) sich niemals getraut hätte, sie zu probieren.

Und dann war da noch die Zeitumstellung von 6 Stunden. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, als es war, denn von Jetlag gab es bei mir keine Spur. Was genau wir an den einzelnen Tagen erlebt haben, versuche ich im Folgenden kurz zusammenfassen:

21.09 – 22.09.2019

Am 21.09 ging es los: Die Reise von 16 Stunden über Peking nach Chengdu, haben wir dank der Unterhaltungstechnik, dem freundlichen Personal und kleinen Sporteinheiten am Flughafen gut gemeistert. Nachdem wir am 22.09. um 14 Uhr in Chengdu gelandet waren, hat uns unsere Dolmetscherin und Leitung der YLM, Paddy, in Empfang genommen und in ein sehr schönes Hotel gebracht, in welchem wir uns kurz von der Reise erholen konnten.

Am selben Abend stand unser erster Programmpunkt auf dem Plan: das „Welcome Banquet“. Bei diesem lernten wir die chinesische und die für zwei Tage angereiste südafrikanische Delegation kennen. Die Teilnehmer aus Indien konnten dieses Jahr leider nicht an der Maßnahme teilnehmen. Wir schauten gespannt zu, als einige chinesische Teilnehmer sich mit Tanz, Gesang und Dichtung präsentierten.

Anschließend probierten wir vielerlei chinesische Gerichte und tauschten (noch etwas schüchtern) unsere Begrüßungsgeschenke aus: T-Shirts und Anstecker aus Deutschland, Plüschpandas aus China, usw.

23.09.2019

Bereits beim Vorbereitungstreffen wurde uns gesagt, dass wir insgesamt vier Diskussionsrunden haben werden zu den Themen: Haustiere, Schulsysteme, E-Commerce und Berufe.

Am Montag ging es nach dem Frühstück zur ersten Diskussion (über Haustiere und Schulsysteme). Hierbei haben wir gelernt, dass Igel in China als Haustiere gehalten werden und dass das Schulsystem dort wesentlich strenger ist. Zur Auflockerung spielten wir zwischenzeitlich Namen- und Kennenlernspiele. Am Nachmittag stand das erste Sightseeing an: Wir besuchten zwei Tempel (u. A. Wuhou Shrine) und schauten uns auf einem Food Market um - ich wunderte mich, was man in anderen Ländern unter einer Delikatesse versteht. Am Abend hatten wir ein Dinner mit einer für Sichuan typischen Show: Einem Mann der beim Tanzen Masken wechselt. Am Abend nutzte die deutsche Delegation die Gelegenheit, sich mit den Südafrikanerinnen zusammenzusetzen und über das Leben im jeweiligen Land zu berichten.

24.09.2019

Am Dienstag erwartete uns ein Tag an der Chengdu University. Zunächst hörten wir uns zwei Vorträge zur Geschichte und Kultur auf Chinesisch an, welche dann von zwei Teilnehmerinnen für uns übersetzt wurden. Nach dem Mittagessen besuchten wir die Uni-Bibliothek und machten uns mit dem Bus auf den Weg in die Exhibition Hall von Chengdu. Hier wurde uns zum einen gezeigt, wie die Stadt zu dem geworden ist, was sie heute ist und was man in naher Zukunft für Pläne hat, wie z.B. einen neuen Flughafen zu bauen. Durch Lichteffekte und kleine Filmeinheiten verging die Zeit in der Exhibition Hall sehr schnell und wir machten uns auf den Weg zum Taikoo Li, einer Einkaufsstraße mit sehr vielen noblen, westlichen Geschäften. Zwischenzeitlich brachten wir uns gegenseitig Sätze in der jeweils anderen Sprache bei: z.B. „Ich mag dich!“.

25.09.2019

Am Morgen reisten die Südafrikanerinnen ab und wir machten uns auf den Weg nach Leshan, einer von Chengdu 150km entfernten Stadt. Nach einer kurzen Mittagspause im neuen Hotel machten wir uns auf den Weg zur 71 Meter hohen Touristenattraktion „Giant Buddha“. Wir machten einige Fotos bzw. es wurden auch Fotos von uns gemacht: In China scheint es ganz normal zu sein jeden Europäer zu fotografieren, ob er mag oder nicht. Anschließend ging es zur Universität von Leshan. Dort haben wir uns eine Kunstausstellung der Kunst-Dozenten angeschaut. Anschließend wurden wir vom Rektor und 20 Studierenden begrüßt. Vor ihnen wurde die dritte Diskussion zum Thema E-Commerce gehalten. Am Abend besuchten wir erneut den Giant Buddha, um diesen bei einer Lichtershow von einem Boot aus zu bewundern. Auf dem Schiff nutzten wir erneut die Gelegenheit, um Fotos zu machen und den Chinesen leichte Ironie und Sarkasmus näher zu bringen. Wir wurden zu einer fröhlichen, aufgeschlossenen und lustigen Gruppe.

26.09.2019

Für Donnerstag stand eine Wanderung auf den Emei Mountain auf dem Plan. Wir waren sehr gespannt was uns erwartet: Wir Deutschen wollten gerne etwas Sport machen und freuten uns aufs Wandern. Wir staunten als die Chinesinnen sich in schönen Kleidern präsentierten.

Das „Wandern“ sah dann so aus: Erste Etappe mit dem Bus, zweite Etappe mit der Gondel. Der Guide kündigte uns einen 10-minütigen Aufstieg zu einem Tempel an…daraus wurde ein 2-minütiges Treppensteigen. Am Tempel angekommen machten wir ein paar Gruppenfotos und genossen die Aussicht auf die Berge. Von da an ging es den Berg über Treppen hinunter. Auf dem Weg tauschte man sich erneut über Themen wie Schule und Sprachen lernen aus, aß Eis, bevor wir dann wieder im chinesischen Verkehrschaos nach Chengdu fuhren.

27.09.2019

Am Freitag fuhren wir nach Pengzhou. Hier schauten wir uns eine zweite Exhibition Hall an und nutzten die Gelegenheit, um Geschenke und Postkarten zu kaufen. Am Mittag fuhren wir nach „Bailu Town“, eine Nachbildung eines französischen Dorfs. Hier startete unsere Laternenaktion: Jeder durfte seine Laterne ganz individuell gestalten. Hierbei zeigte mir Joyce wie ich „China“ auf Chinesisch schreibe.

Abends ging es zu einer ehemaligen Bauernfamilie aufs Land. Es war die einzige unangenehme Situation, die wir erlebt haben: Wir gingen in die Häuser von Familien und duften uns darin umschauen. Wir verstehen bis heute nicht, was das Ziel dieses Programmpunktes war…

Nach dem Dinner ging es zurück nach Chengdu, wo wir mit der deutschen Delegation für den Abschlussabend noch „Ein Kompliment" von den Sportfreunden Stiller einübten. Wir merkten, wie schnell die Zeit vergeht und wie unglaublich viel wir bereits erlebt haben.

28.09.2019

Den Samstag in China werde ich vermutlich vor lauter Spaß nie vergessen! Normalerweise waren wir als Großgruppe unterwegs und hatten immer viel Spaß zusammen. Für diesen Tag aber teilten wir uns in kleinere Gruppen auf und hatten verschiedene Aufgaben. So gingen einige Leute an die Chengdu University und erkundeten den Campus. Ein paar weitere sollten sich mit der Kultur auseinandersetzen und besuchten einige Museen.

Heni und ich haben uns dazu entschlossen, in die „Chinese Language Learning Group“ zu gehen und so verbrachten wir mit den Chinesinnen Gloria, Alice und Rita einen Tag an der Chengdu University, an dem wir lernten, die Uni und uns selbst auf Chinesisch vorzustellen. Wir lernten einige Vokabeln und drehten einen kleinen Film.

Meine Lieblingsszene war die, in der ich gesagt habe, dass ich sehr gerne „Hua Ja Jo Jong“ mache oder auf Deutsch: Synchronschwimmen (wörtl. Blümchen- Schwimmen)! Aber auch die anderen Szenen, in denen wir Fahrrad oder Metro fuhren, das Uni Gebäude vorstellten oder uns über Obst im Supermarkt unterhielten, waren sehr schön. Rita und Alice haben sich mit eingebracht indem sie Sätze auf Deutsch aufsagten. Der Film war in der Gruppe ein voller Erfolg!

Am Abend stand die letzte Diskussion zum Thema Berufe an. Ich habe dieses Thema vorbereitet und der Gruppe erstmal neun Berufe vorgestellt, welche nachher in einem Barometer nach ihrer Beliebtheit sortiert werden sollten. Alle beteiligten sich an der Aufgabe, was mich sehr gefreut hat. Nach 20 Minuten war meine Diskussion vorbei und die Chinesinnen berichteten von ihren Berufen. Beim Abendessen tauschten sich Anna, Sarah, Jorick und ich darüber aus, wie wir von YLM erfahren haben. Dabei erwähnte ich natürlich auch die Unterstützung des Schwimmverbandes NRW und des Schwimmverbandes Ostwestfalen-Lippe. An dieser Stelle nochmal vielen lieben Dank!

Den letzten Abend verbrachte die deutsche Delegation im Hotel, unterhielt sich über die Erfahrungen und Erlebnisse der vergangenen Woche und erhielt einen Besuch vom Hotel-Roboter, der sogar um Mitternacht noch Essen vorbeibrachte.

29.09.2019

An unserem letzten gemeinsamen Tag ging es dann zum „Giant Panda Breeding and Research Base“. Darauf habe ich mich schon länger gefreut. Die Pandas waren einfach nur unglaublich süß. Die meisten Pandas haben gegessen oder geschlafen. Besonders niedlich waren die 3 Monate alten Babys.

Danach ging es erneut zum Taikoo Li. Dort zeigte Joyce Sarah und mir wo man preiswertere Geschäfte findet. Die Zeit verging unheimlich schnell, sodass wir uns bereits nachmittags erneut im Hotel für die Abschlussrunde trafen.

Hierbei teilten wir noch unsere persönlichen Geschenke aus und bekamen selbst zu unseren Plüschpandas und Essstäbchen mit Panda-Ablagen noch Panda-Haarreifen, Lampen, Fotos, Karten und Süßigkeiten geschenkt. Anschließend schauten wir uns Fotos aus der vergangenen Woche an und lauschten den Tönen von Alice und Joyce, als sie „Sparks Fly“ und „Someone Like You“ sangen. Auch die deutsche Delegation hatte dann ihren Auftritt: Wir sangen „Ein Kompliment“, spielten das vorbereitete „1, 2 oder 3“- Quiz mit den Chinesen und Heni trug noch ein Gedicht vor. Unsere Leitung, Chantal, sprach noch zum Abschluss einige sehr emotionale Worte, bei denen die Tränen nur schwer zurückgehalten werden konnten.

Als die Abschlussrunde zu Ende war, holten wir unsere Koffer, machten in der Lobby noch letzte Fotos und Videos und tauschten unsere Adressen aus. Schweren Herzens haben wir uns voneinander verabschiedet. Bereits auf dem Rückflug planten wir Deutschen unser Nachtreffen, denn wir haben eine wunderschöne Zeit zusammen erlebt, die wir nicht vergessen werden!

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick geben! Es war eine unglaubliche Zeit für mich! Ich freue mich, dass ich diese herzliche und hilfsbereite Gruppe kennenlernen durfte. Wir haben so viel zusammen erlebt, gelernt und entdeckt. Vielen Lieben Dank auch an unsere Leitung Chantal - du hast alles super organisiert und warst immer für uns da!

Mein Appell an euch: Bewerbt Euch und nutzt die Chance etwas Tolles und Neues zu erleben! Ich habe es schon häufig geschrieben, aber ich kann es nicht oft genug sagen:

VIELEN DANK FÜR DIESE GROSSARTIGE ZEIT IN CHINA!!!

Context Column

Besuch des Tempels Wuhou Shrine
Chinesisches Essen
Die deutsche Delegation
Gruppenfoto am Giant Buddha
Nicole Schanz von der SV Brackwede

Rückblick: Young Leader 2018

Letztes Jahr war Maike Schröder vom SC Aquarius Löhne bei der Young Leader Begegnung der Sportjugend NRW in Indien dabei. --> Hier geht es zu ihrem Bericht.

Rückblick: Die deutsche Delegation im Golden Tempel
Rückblick: Maike beim Cricket spielen