Content

Sportlerportrait 03/2013 – Damian Wierling

Von einem Wasserscheuen, der sich anschickt ein Meisterschwimmer zu werden.

Damian Wierling (SG Essen)

Die SV NRW-Jahrgangsmeisterschaften werden seit einigen Jahren, was den männlichen Jahrgang 1996 und die Freistilstrecken angeht, maßgeblich von einem Schwimmer bestimmt. Er heißt Damian Wierling und schwimmt für die SG Essen. Aufgrund seiner Körpergröße und seiner schlanken Figur wird er auch die "Nadel" genannt. Diesen Spitznamen erhielt er vor einiger Zeit von seinem Trainer Mitja Zastrow. Auf der Langbahn gewann Damian Wierling in den Jahren 2009 und 2010 je sechs NRW-Jahrgangstitel, 2011 waren es vier und 2012 stehen fünf Titel auf der Lang- und ebenfalls fünf auf der Kurzbahn für ihn zu Buche. Inzwischen hat der am 13. Februar 1996 in Essen geborene Freistilspezialist auch in der offenen Klasse Fuß gefasst, doch davon später mehr.

Eine Karriere im Schwimmbecken war Damian als kleiner Junge dabei nicht vorgezeichnet, denn er war außerordentlich wasserscheu. "Ich hatte als Kind panische Angst vor Wasser, das war so schlimm, dass selbst meine Mutter mich nicht duschen konnte. Zum Schwimmen musste ich mit viel Geduld erzogen werden und im Alter von fünf Jahren wurde es mir auch endlich beigebracht", erzählt Damian. Im Jahr 2002 war es dann soweit, dass er seinen ersten Wettkampf bestritt. Sein erster Verein war die SG Mülheim. In Mülheim an der Ruhr hat Damian auch seinen derzeitigen Wohnsitz. Zur Schule geht er in Duisburg. Er besucht dort die St. George's School. Hierbei handelt es sich um eine staatlich anerkannte englische Schule. Weitere Standorte dieser Schule befinden sich in Nordrhein-Westfalen in Köln und Aachen. Schüler aus 35 Nationen werden dort auf Basis des "English National Curriculum" unterrichtet. Die Abschlüsse sind weltweit von Universitäten anerkannt. Die Unterrichtssprache ist englisch und die Schüler sind gehalten, eine Schuluniform zu tragen. Der Abschluss wird dem deutschen Abitur als gleichwertig anerkannt. "Die Idee mit der englischen Schule hatten meine Eltern. Mein Vater hat beruflich viel im englischen Sprachraum zu tun. Anfangs beherrschte er die Sprache noch nicht ganz so gut. Das wollte er seinen Kindern ersparen. Auch mein jüngerer Bruder Danilo geht auf diese Schule", erklärt Damian. Neben seinem Bruder hat Damian noch drei ältere Schwestern, die aber nicht mehr zu Hause wohnen. Wenn er nicht Schwimmer geworden wäre, hätte er als Sport Fußball gespielt. Er ist erklärter Bayern-Fan und hat deswegen in diesen Tagen viel Grund zur Freude. Als Sport, den er bestimmt nicht betreiben würde nennt Damian Cricket. Der SG Mülheim gehörte Damian Wierling bis November 2011 an. Danach wechselte er wegen der besseren Perspektiven zur SG Essen. Trainiert wird er dort von Mitja Zastrow. "Das Umfeld in Essen ist sehr gut und wir Sportler haben ein gutes Teamgefühl. Das wir uns bei Wettkämpfen gegenseitig anfeuern ist selbstverständlich und das wird auch von unseren Trainern erwartet", sagt Damian. In erster Linie zu Hause ist er auf den Freistilstrecken. Er schwimmt aber auch gerne Rücken. "Bei Freistil schwimme ich eigentlich alle Strecken. Am liebsten sind mir aber die 200m. Ich finde die 200m-Distanz ist eine ausgewogene Strecke zwischen Schnelligkeit und Ausdauer", meint Damian Wierling.

Wegen einer Blinddarm-Operation Anfang diesen Jahres kam er über die langen Freistilstrecken in dieser Saison nicht gut in Fahrt. "Wegen der OP musste ich sechs Wochen pausieren. Da waren die 400m für mich schon zu lang. Hierzu fehlten mir einfach die Kilometer. Darum bin ich in dieser Saison die 50, 100 und 200m Freistil geschwommen. Bei den anstehenden Deutschen Jahrgangsmeisterschaften will ich aber auch wieder über 400m starten", verrät Damian. Das er eine Vorliebe für die ganz langen Strecken im Becken hat, ist auch daran abzulesen, dass er den Chinesen Sun Yang, der bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold über 400m und 1500m Freistil, sowie Silber über 200m Freistil gewann, als sein sportliches Vorbild bezeichnet. Die Jahrgangserfolge von Damian Wierling bei SV NRW-Meisterschaften haben wir eingangs bereits genannt. Aber auch in der offenen Klasse ist er kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bei den NRW-Kurzbahnmeisterschaften 2012 in Wuppertal gewann er über 100m Freistil hinter dem Deutschen Meister Christoph Fildebrandt die Silbermedaille. Über 200m, 400m und 1500m Freistil gewann Damian jeweils Bronze. Eine weitere Bronzemedaille sicherte er sich über 400m Lagen. Bei den offenen SV NRW-meisterschaften 2013 in Köln konnte er leider seine Erfolgsbilanz nicht weiter aufbessern, da er hieran wegen eines DSV-Lehrgangs in Heidelberg nicht teilnehmen konnte. Von den Deutschen Meisterschaften 2013 in Berlin brachte er zwei Goldmedaillen mit nach Hause. Die gewann er mit den 4x100m und 4x200m Freistilstaffeln der SG Essen. Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2012 in Magdeburg gewann Damian Wierlang viermal, und zwar über 50m, 100m, 200m und 400m Freistil eine Bronzemedaille. Besonders stolz ist Damian Wierling über des Deutschen Meistertitels, den er mit der A-Jugend der SG Essen bei der DMS-J 2012 gewann. Ein weiterer großer Erfolg ist seine Qualifikation für die JEM 2013 im polnischen Poznan, die er bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin sicherstellte. Zusammen mit seinen Goldmedaillen in 2013 bezeichnet er das als seine bisher schönsten Erlebnisse im Schwimmsport. "Dieses Jahr war bis jetzt für mich bereits ziemlich erfolgreich. Besonders schön war die JEM-Qualifikation, damit hatte ich im Vorfeld gar nicht gerechnet.", sagt Damian. Jetzt will er noch ein mehr. "Bei der JEM will ich Finalteilnahmen erreichen. Bisher bin ich über 50m und 200m Freistil im Einzel und für die 4x200m Freistilstaffel qualifiziert. Bei der DJaM will ich versuchen, mich auch noch für die 100m Freistil zu qualifizieren", fügt er hinzu.

Damian Wierling (SG Essen)

Als seine sportlichen Nahziele nennt Damian im nächsten Jahr die erneute Qualifikation für die JEM. Sein Fernziel ist die Teilnahme an Olympischen Spielen. Wenn das 2016 in Rio noch nicht klappen sollte, wird er auf jeden Fall darauf hinarbeiten, vier Jahre später dabei zu sein. Damian Wierling gehört dem Junior-Top-Team des SV NRW an. Von dieser Einrichtung ist er voll überzeugt. "Die Zugehörigkeit zum JTP ist für mich eine tolle Erfahrung. Mit Schwimmern aus anderen Vereinen wegzufahren, ist schon super. Ich freue mich schon sehr auf die nächste Maßnahme in Flagstaff/Arizona, die ich als tolle Förderung empfinde", sagt Damian. Nach seinen Hobbys befragt muss er zunächst einmal grinsen. Dann gibt er zu "Mein Hobby ist schlafen. Im Alltag kommt man wenig dazu auszuschlafen. Ich freue mich immer auf die Ferien, da kann das nachholen". Damian ist sehr reiseinteressiert. Französisch-Polynesien und asiatische Staaten, wie Thailand oder China sind Ziele, die er gerne einmal besuchen würde. Egal wohin er fahren würde, mit dem Essen hätte er wohl keine Probleme. "Ich esse alles was lecker ist", erzählt er uns. Vor Wettkämpfen hört er gerne Rammstein oder Metallica. Im Fernsehen sieht er sich gerne Serien, am liebsten auf Pro7 an. Eine Freude kann man Damian mit einem guten Essen machen und wenn er Zeit mit seiner Freundin und seinen Geschwistern verbringen kann. Ärgern tut er sich über Leute, die flunkern. "Eigentlich ärgere ich mich aber über nichts so richtig. Wenn aber dann doch einmal, ist das jedoch nie von längerer Dauer", sagt Damian Wierling. . Eine Persönlichkeit, die er gerne einmal kennen lernen würde, ist Bill Gates. Einen Abend mit dem Pionier der Computer-Software, wie er ihn nennt, zu verbringen, fände Damian sehr interessant. Ein bestimmtes Lebensmotto hat Damian Wierling, der nach seinem Schulabschluss gerne BWL studieren würde, übrigens nicht. Nach kurzem Nachdenken sagt er uns dann "Ich versuche immer bei jeder Aufgabe alles zu geben". Wir finden ein besseres Lebensmotto kann es kaum geben.

 

Peter Kuhne

Auf dem Siegertreppchen meist ganz oben: Damian Wierling (SG Essen)

Context Column