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Sportlerportrait 02/2014 – Rabea Tzenetos

Besonderes Kennzeichen: Medaillensammlerin auf zwei Kontinenten

Rabea Tzenetos

Unsere Reihe der Sportlerportraits ist seit deren Start im Jahr 2006, als die spätere Olympiateilnehmerin Lisa Vitting den Anfang machte, sehr oft für Überraschungen gut gewesen. Immer wieder hatten die portraitierten Schwimmerinnen und Schwimmer etwas zu erzählen, was mal mehr und mal weniger aus dem Rahmen fiel. Das gilt auch für Rabea Tzenetos von der SG Essen, mit der wir uns diesmal näher beschäftigen. Die 16-jährige Schülerin des Essener Helmholtz-Gymnasiums, wo sie die elfte Klasse besucht, kann etwas vorweisen, was wir bisher noch nicht hatten. Sie gewann nämlich im Jahr 2013 Jahrgangsmedaillen auf zwei Kontinenten. Während ihres einjährigen Auslandsaufenthaltes in Australien gewann sie bei den Australian Age Champinonships in Adelaide zwei Bronzemedaillen und sammelte anschließend bei den NRW-Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal drei Goldmedaillen. Wir trafen Rabea, die von ihren Sportkameraden auch Rabsi oder Rabeus genannt wird, im Leistungszentrum Essen-Rüttenscheid. Da hatte sie noch den Glanz von einem weiteren Höhepunkt ihrer Karriere in den Augen. Wenige Tage zuvor wurde die am 15. Mai 1997 in Essen geborene Schwimmerin nämlich mit der Mannschaft der SG Essen in eigener Halle Deutsche Mannschaftsmeisterin. Für die Frauen der SG Essen war es der sechste Titel in Folge. Für Rabea übrigens auch nicht der erste deutsche Meistertitel. 2011 holte sie mit der B-Jugend der SG Essen mit neuem Deutschen Rekord den nationalen Titel bei der DMSJ. Das gleiche gelang ihr mit der Essener A-Jugend und ebenfalls neuem Deutschen Rekord bei der DMSJ 2013. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2013 in der Wuppertaler Schwimmoper stand sie zusammen mit Caroline Ruhnau, Lisa Höpink und Dorothea Brandt in der Goldstaffel über 4x50m der SG Essen. Das alles ist zweifelsfrei eine beeindruckende Bilanz für eine erst 16-jährige. Schwimmen war für Rabea seit sie sich erinnern kann lebensbestimmend. "Ich bin immer schon geschwommen. Meine Eltern sind früher jeden Sonntag mit mir schwimmen gegangen und es hat mir von Anfang viel Spaß gemacht. Mein Seepferdchen habe ich als Sechsjährige 2003 gemacht. In der SG Essen bin ich seit 2007, wobei mein Heimatverein Essen 06 ist", erzählt Rabea.

Seit ihrer Geburt wohnt sie in Essen. Von dort will sie auch nicht weg. Sie lebt im Westen der Stadt in Frohnhausen. Geschwister hat sie keine. Wenn sie nicht schwimmen würde, wäre Surfen etwas, was sie interessiert. "Ausprobiert habe ich auch schon Leichtathletik und tanzen (Hip-Hop. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass Schwimmen das ist , was ich machen will. Gar nichts für mich wäre hingegen Eiskunstlauf", sagt Rabea. Bei der SG Essen trainiert sie bei Nicole Endruschat, zuvor war Mitja Zastrow für sie verantwortlich. Was ihr an der Startgemeinschaft von der Ruhr besonders gefällt ist der Zusammenhalt bzw. der Teamgeist. "Bestes Beispiel hierfür war die DMS 2014. Alle unsere Mannschaften, angefangen von den kleinsten waren zum Anfeuern in der Halle. Dieses Teamgefühl ist für mich überwältigend, da macht es extrem viel Spaß hier zu schwimmen, zumal weil wir auch noch so erfolgreich sind", schwärmt Rabea Tzenetos. Einen Vereinswechsel kann sie sich daher auch nicht vorstellen. Für zwölf Monate hat Rabea 2012 unabhängig von ihrer Liebe zur SG Essen der Startgemeinschaft allerdings kurzfristig Ade gesagt. Für ein Jahr war ihr Lebensweg von einem Auslandsjahr in Australien bestimmt. "Ich wollte unbedingt von der Schule her ein Auslandsjahr machen. Zunächst habe ich mich in Plymouth/England beworben, weil hier zuvor mit Paulina Schmiedel auch eine andere Essener Schwimmerin war. Das Stipendium hierfür war aber nicht hoch genug, so dass ich es nicht finanzieren konnte. Da habe ich beschlossen nach Australien zu gehen, was im Nachhinein genau die richtige Entscheidung war. Ich habe in Australien viel gelernt, vor allem über mich selbst", so Rabea. Australien war für sie übrigens kein unbekanntes Terrain. Schon 2007 war sie mit ihrem Vater "down under" und reiste mit dem Camper quer durchs Outback. Während ihres Auslandsjahrs lebte sie zusammen mit einer chinesischen Austauschschülerin bei einer Gastfamilie in Wurtulla, einem kleinen Ort an der Sunshine-Coast im Bundessaat Queensland, rund 100 Kilometer nördlich von Brisbane. Dort besuchte sie das Kawana Waters State College, QLD, Australia. Das Tragen einer Schuluniform war dort übrigens Pflicht. Neben den Pflichtfächern Mathematik und Englisch konnte Rabea aus einer ganzen Reihe von Angeboten wählen. Entschieden hat sie sich für Aquatics, Dance, Japanisch und Buisiness. Das Fach Aquatics hat ihr dabei besonders gefallen, hier bekam sie praktischen Unterricht im Kajak fahren und Surfen. Außerdem erwarb sie die australische Rettungsschwimmerlizenz.

Ihre Schwimmkarriere musste Rabea in Australien nicht unterbrechen. Während ihres Aufenthaltes trainierte sie zusammen mit einigen australischen Spitzenschwimmern beim Kawana Waters Swim Club. Trainiert wurde unter ihrem Coach Peter Gartell ausschließlich draussen. Obwohl nach ihren Erfahrungen in Australien härter trainiert wird als in Deutschland, hatten die Aktiven immer viel Spaß an der Sache. Das Jahr an der Sunshine-Coast war für Rabea Tzenetos sportlich ausgesprochen erfolgreich. Die Essenerin, die auf den Lagen Rücken und Schmetterling zu Hause ist, gewann schon in ihrem ersten Jahr 2012 bei den Queensland Long Course Championships in Brisbane jeweils die Silbermedaille über 100m Rücken und 100m Schmetterling. Bei den Queensland Short Course Championships an gleicher Stelle holte sie den Titel über 100m Schmetterling und gewann Bronze über 100m Rücken. Wie bereits eingangs erwähnt folgten dann bei den australischen Jahrgangsmeisterschaften im April 2013 in Adelaide der Gewinn der Bronzemedaille über 200m Rücken, wobei sie ihre persönliche Bestzeit um sechs Sekunden auf 2:17,34 Minuten verbesserte. Eine weitere Bronzemedaille gewann sie über 100m Schmetterling mit neuer persönlicher Bestzeit von 1:01,12 Minuten. Diese Erfolge blieben in der Heimat nicht verborgen. Als Rabea Ende Juni 2013 zurück nach Essen km, wurde sie gleich in das SV NRW "JUNIOR-TOP-TEAM" berufen. "Das ich ins JTT gekommen bin, hat mich sehr gefreut aber auch überrascht. Ich bin davon überzeugt, dass ich dort sehr viel lernen kann. Das Trainingslager in Flagstaff hat extrem viel Spaß gemacht und die nächste Maßnahme in Südafrika wird bestimmt genau so viel Spaß machen", ist sich Rabea sicher. Als ihren größten sportlichen Erfolg bezeichnet sie den Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft 2014, als ihren schönsten nennt sie die bei den australischen Jahrgangsmeisterschaften. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewann sie 2010 die Bronzemedaille über 200m Rücken, 2011 Bronze über 100m Schmetterling. Silber gewann sie 2012 über 50m Rücken und 100m Schmetterling. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2013 in Wuppertal stand Rabea Tzenetos im Finale über 50m Rücken, wo sie Achte wurde. Bei den SV NRW-Kurzbahn-Titelkämpfen 2013 gewann sie in der offenen Klasse über 50m Rücken die Silbermedaille, sowie über 100m und 200m Rücken Bronze. Außerdem stand sie in der Goldstaffel der SG Essen über 4x50m Lagen. Für dieses Jahr hat sich Rabea vorgenommen bei den Deutschen Meisterschaften auf Lang- und Kurzbahn A-Finals zu erreichen. Fernere Ziele sind die Qualifikation für große internationale Wettkämpfe, sowie der Sprung in die Nationalmannschaft. Nach ihrem Abitur, das sie 2015 machen wird, möchte sie gerne studieren. Vorgestellt hat sie sich dabei Ingenieur-Management oder auch International Management. Besondere Hobbys hat Rabea, die sich selbst als zufriedenen Menschen bezeichnet nicht. "Wenn ich zu Hause bin, ruhe ich mich meistens nur einfach aus. In den Ferien reise ich gerne. Wo ich einmal hin möchte wäre Hawaii. In Australien habe ich das Surfen für mich entdeckte. Da wäre Hawaii genau das richtige. Nach Australien wird es mich aber natürlich auch immer ziehen" sagt Rabea, die was Musik angeht, auf den schwedischen DJ, Remixer und Musikproduzenten Avicii steht. Eine Freude kann man Rabea Tzenetos machen, wenn ihre Trainerin Nicole Endruschat abends nach dem Training sagt, dass am nächsten Tag kein Frühtraining ist. "Auch wenn die Taperphase beginnt ist das ein schönes Gefühl", so Rabea. Was sie nicht mag sind unzuverlässige Menschen, die sich nicht an Absprachen halten. "Ich mag auch nicht, wenn in der Mannschaft gelästert wird, das zerstört den Teamgeist", fügt Rabea hinzu. Wir wünschen ihr, dass ihr diese negativen Eigenschaften bei der Ausübung ihres Sports nie begegnen werden.

Peter Kuhne

Context Column