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Sportlerportrait 03/2011 — Melanie Tombers: Ein Leben am Wasser - Wohnen am Rhein, Schwimmen an der Ruhr

Melanie Tombers

Im Laufe der Jahre habe ich bei SV NRW-Meisterschaften schon viele Schwimmerinnen und Schwimmer kommen und gehen sehen. Da waren einige, die nur eine kurze Zeit an Titelkämpfen unseres Landesverbandes teilnahmen und dann wieder in der Versenkung verschwanden. Aber es gibt auch sehr viele, denen begegne ich seit Jahren immer wieder und wenn von diesen "Stammkunden" mal jemand fehlt, fällt das gleich auf, so sehr vermisst man diese Aktiven, deren Teilnahme für mich schon fast selbstverständlich ist.

Eine, die zu dieser Stammkundschaft bei NRW-Meisterschaften zählt, ist Melanie Tombers. Die Düsseldorferin, die seit wenigen Monaten für die SG Essen schwimmt, ist eigentlich immer dabei, wenn es in NRW um Titel und Medaillen geht. Dabei kann man sicher sein, dass die am 3. April 1994 in Düsseldorf geborene und dort auch beheimatete Schülerin der Stufe 11 des Goethe-Gymnasiums Düsseldorf auch mehrfach einen Platz auf dem Siegerpodest einnimmt. Was natürlich den Schluss zulässt, dass Melanie Tombers zu den besten Schwimmerinnen im Lande Nordrhein-Westfalen gehört.

Belegt wird das auch dadurch, dass die 17-jährige in der aktuellen Bestenliste des SV NRW über 200m Brust Platz drei einnimmt. Vor ihr rangieren nur die vielfachen Deutschen Meisterinnen Caroline Ruhnau und Sarah Poewe. Über 400m Lagen steht Melanie auf Platz sechs der Bestenliste. Bei der Auswertung der Jugendschwimmerin des Jahres im SV NRW belegte sie 2009 Platz fünf, 2010 wurde sie Dritte.

Melanie Tombers

Zum Schwimmen kam Melanie im Alter von drei Jahren bei einem Familienurlaub in den USA. "Schon da habe ich gemerkt, dass ich eine Wasserratte bin", erinnert sich Melanie an die Anfänge. Verwunderlich ist das nicht, wurde ihr das Schwimmen quasi mit in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Birgit war unter ihrem Mädchennamen Häusler Mitte bis Ende der 70'iger Jahre eine erfolgreiche Schwimmerinn bei der SSG Saar Max Ritter Saarbrücken. Bei Melanies Vater Peter trainierte ihre Mutter anschließend bei den Freien Schwimmer Düsseldorf. Auch Melanies zwei Jahre älterer Bruder Tobias ist aktiver Schwimmer beim Düsseldorfer SC und feierte schon einige Erfolge bei SV NRW-Meisterschaften.

Tombers sind also eine richtige Schwimmerfamilie. "Bei Gesprächen zu Hause versuchen wir das Thema Schwimmen aber so gut es geht zu meiden, da reden wir meist über andere Dinge", erzählt Melanie. Über die Freien Schwimmer Düsseldorf, denen sie 2002 beitrat, kam Melanie 2005 zum Düsseldorfer SC. Kurz vor Ostern dieses Jahres wechselte sie zur SG Essen. "Nach den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften 2010 gab es bei mir keine Leistungsentwicklung mehr. Vor allem auf der Langbahn kam gar nichts mehr. Hierdurch war auch meine Motivation nicht mehr die beste. Bei der SG Essen hoffe ich mich wieder zu verbessern. Das Niveau dort ist einfach anders als in Düsseldorf, wo ich nur mit jüngeren Schwimmerinnen trainiert habe. In Essen ist alles anders und neu, das Niveau ist höher und das alles motiviert mich einfach mehr", begründet Melanie ihren Wechsel von den Rhein an die Ruhr.

Das bezieht sich aber nur auf den Sport. An Düsseldorf als Wohnort hängt sie nach wie vor und woanders hinzuziehen ist für sie zumindest in absehbarer Zeit kein Thema. Melanies Lieblingsstrecken sind die 200m Brust und die 400m Lagen. Eine Sprinterin ist sie nicht. "Das Training für die Sprinter ist zwar einfacher. Ich habe aber trotzdem nie daran gedacht zum Sprint zu wechseln", will Melanie von den kurzen Distanzen derzeit nichts wissen. Zum Training geht sie immer gerne, selbst wenn sie einmal nicht gut gelaunt ist, auch das ist ein Zeichen von Disziplin.

Ihre ersten Erfolge bei SV NRW-Meisterschaften hatte sie schon im Jahr 2006, damals auch noch über Rücken. Jahrgangstitel hat sie seitdem viele gesammelt. Was ihr noch fehlt, sind Goldmedaillen in der offenen Klasse. Auf's Treppchen schaffte sie es auch hier schon einige Male, dort stand sie allerdings bisher immer als Silber- und Bronzemedaillengewinnerin. Bei ihren ersten Deutschen-Jahrgangsmeisterschaften, bei denen sie für Einzelrennen startberechtigt war, wurde sie 2007 auf Anhieb Dritte über 400m Lagen. 2008 holte sie dann über 200m Brust und 400m Lagen die Vizemeisterschaft im Jahrgang 1994.

In den Jahren 2009 und 2010 gewann Melanie über 200m Brust jeweils die Bronzemedaille. Das gelang ihr auch in diesem Jahr. Besonders stolz war sie bei den diesjährigen DSV-Meisterschaften jedoch darüber, dass sie über diese Strecke und auch über 400m Lagen das B-Finale erreichte, wo sie in beiden Finals als Siebte anschlug. Direkte sportliche Vorbilder hat Melanie nicht. "Ich bewundere ein bißchen Federica Pellegrini und Rebecca Soni, als echte Vorbilder würde ich die aber nicht bezeichnen", sagt Melanie.

Im SV NRW gehört Melanie Tombers dem Nachwuchskader an, beim DSV wird sie im D-Kader geführt. Nach ihren sportlichen Zielen gefragt, sagt Melanie: "Kurzfristig gesehen möchte ich bei Deutschen Kurzbahnmeisterschaften ein A-Finale erreichen. Ansonsten möchte ich alles einmal mitmachen, was sportlich möglich ist", sagt Melanie. Nach den Sommerferien wechselt sie die Schule und besucht dann in Essen das Sportinternat Helmholtz-Gymnasium, eine der Eliteschulen des Sports. Hier will sie das Abitur machen.

Was dann beruflich folgt, ist noch nicht klar, Interesse zeigt Melanie aber an einem Sportstudium evtl. an der Sporthochschule Köln. In ihrer knapp bemessenen Freizeit geht Melanie gerne shoppen und trifft sich mit Freunden, außerdem telefoniert sie gerne und auch "Ausruhen" gehört zu ihren Vorlieben. Sportarten die sie sich gerne im Fernsehen anschaut sind Schwimmen und Leichtathletik.

Wenn sie nicht Schwimmerin geworden wäre, hätte sie als Sportart Tanzen gewählt, hierbei die klassischen Tänze aber außen vor gelassen. Glücklich machen kann man Melanie mit Süßigkeiten, was sie hasst ist Arroganz, Unfreundlichkeit und verarscht zu werden. Wohin sie gerne einmal reisen würde, wäre Miami im US-Bundesstaat Florida. Gefragt, womit für sie ein richtig guter Tag beginnen müsste, sagte sie schmunzelnd: "Mit einem Frühstück im Bett". Mit diesem Wunsch steht sie bestimmt nicht allein. Da müssen wir nur noch jemanden finden, der das serviert.

Peter Kuhne

Context Column