Content

Sportlerportrait 02/2010 — Elisa Thimm: Eine Deutsche Meisterin mit Millimetervorsprung

Elisa Thimm

Wenn man ein Rennen mit dem minimalen Vorsprung von acht Hunderstel Sekunden gewinnt, wird allgemein von einem äußerst knappen Ergebnis gesprochen. Gemeinhin verbindet man einen solch kurzen Abstand meist mit den Einläufen auf den kurzen Strecken. Wenn dieser Minimal-Vorsprung allerdings über Gold und Silber in einem 1.500m Freistilrennen entscheidet, reibt sich der geneigte Zuschauer doch schon verwundert die Augen. Und wenn das alles auch noch in einem Finale bei Deutschen Meisterschaften geschieht, spricht man von einer großen Überraschung.

Ich möchte das sogar ein Kunststück nennen, auch wenn hierbei der Zufall zweifelsohne eine große Rolle spielt. Dieses Kunststück gelang im November 2009 Elisa Thimm von der SG Bayer Wuppertal/ Uerdingen/ Dormagen bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Essen, wo sie im zarten Alter von fünfzehn Jahren Deutsche Meisterin über eben diese 1.500m Freistil wurde.

Für die am 22. Januar 1994 in Hackenbroich bei Dormagen geborene Elisa Thimm war dieser Titelgewinn in der offenen Klasse der größte, wenn auch für sie persönlich nicht der schönste Erfolg ihrer bisherigen Schwimmkarriere. Doch davon später mehr. Elisa schwimmt für die Dormagener Abteilung der SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen. Trainiert wird sie dort vom Ex-Remscheider Jürgen Schmitz. Hauptübungsstätte der Dormagener Schwimmer ist übrigens ganzjährig, also auch im Winter mit der "Römer Therme" ein Freibad. Ein Umstand, den Elisa Thimm durchaus genießt. "Mir macht das Training im Freibad großen Spaß auch wenn es draußen bitterkalt ist, denn hier sind wir immer an der frischen Luft. Das alleine ist schon sehr angenehm", sagt Elisa.

Von ihrem Wohnort Rommerskirchen bis zur Römer Therme ist es nur ein Katzensprung. Sie besucht die Klasse 10 B des Norbert-Gymnasiums in Knechtsteden, ebenfalls in der Nähe von Dormagen, im größten zusammenhängenden Waldgebiet des Kreises Neuss, gelegen. Im Alter von vier Jahren machte Elisa das Seepferdchen, seit ihrem sechsten Lebensjahr schwimmt sie beim seinerzeit noch eigenständigen und jetzt zur Bayer Drei-Städte-Startgemeinschaft gehörenden TSV Bayer Dormagen. Wenn sie nicht Schwimmerin geworden wäre, könnte sie sich gut vorstellen Biathlon zu machen, eine Sportart, die sie sehr fasziniert und die sie sich auch gerne im Fernsehen anschaut.

Als ihr Vorbild nennt Elisa Britta Steffen, aber nicht nur wegen ihrer sportlichen Erfolge. "Ich habe davon gehört, dass Britta als Kind eine Wasserphobie hatte. Ich bewundere an ihr, wie erfolgreich sie diese Ängste überwunden hat und was sie anschließend alles erreicht hat", erzählt Elisa Thimm. Wie ihr Vorbild Britta Steffen ist Elisa Freistilschwimmerin. Bei der Dormagenerin sind es aber die langen Strecken und hier ganz besonders die 1.500m Freistil, die sie bevorzugt. In dieser Disziplin feierte sie auch ihre bisher größten Erfolge.

Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2009 in Hamburg wurde sie über ihre Lieblingsstrecke in 17:01,51 Minuten Zweite, womit sie sich für die Jugend-Europameisterschaften in Prag qualifizierte. Zwei weitere Silbermedaillen gewann Elisa Thimm bei diesen Titelkämpfen in der Hansestadt über 400m Freistil (4:20,05) und 800m Freistil (9:02,16). "Nach Christoph Fildebrandt und Nils Rötgers gelang Elisa die dritte JEM-Teilnahme unseres Vereins in Folge. Das ist einfach fantastisch", freute sich seinerzeit Trainer Jürgen Schmitz.

Bei der JEM in der tschechischen Hauptstadt bestätigte Elisa ihre Leistungen. Mit Platz sieben über 1500m Freistil in 17:01,06 Minuten schwamm sie sich als Angehörige des jüngeren der beiden JEM-berechtigten Jahrgänge auf Anhieb in die europäische Spitze. Die Qualifikation für die JEM 2009 bezeichnet Elisa als ihr bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport.

Elisa mit ihrer Goldmedaille bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2009 in Essen

Sie stellt das noch über ihren eingangs erwähnten Titelgewinn bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2009 in Essen. Diesen Erfolg konnte sie übrigens zunächst gar nicht glauben. Sie war im vierten von fünf Entscheidungsläufen gestartet, den sie als Siegerin in 16:36,58 Minuten beendete. Damit, dass im letzten und vermeintlich schnellsten Lauf niemand mehr an diese Zeit herankam, hatte Elisa nicht gerechnet. "Ich habe es erst jetzt erfahren, dass ich Deutsche Meisterin bin", sagte sie, als sie im Essener Hauptbad schon fast unter der Dusche stand. "Natürlich wollte ich eine Medaille, dass es aber Gold geworden ist, ist einfach unglaublich", konnte Elisa ihren Triumpf kaum fassen.

Auf ihren Lorbeeren will sich die 16-jährige natürlich nicht ausruhen. In diesem Jahr will sie sich erneut für die JEM, die 2010 in Helsinki stattfindet, qualifizieren. "Ich möchte darüber hinaus meine Bestzeiten auch ohne High-Techanzüge, wobei ich es gut finde, dass sie nicht mehr erlaubt sind, verbessern. Langfristig will ich meine Ziele aber nicht zu hoch ansetzen", gibt sich Elisa eher bescheiden, was sie sich sportlich auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Zumindest die Teilnahme an einer offenen Europameisterschaft lässt sie sich bei näherer Nachfrage als einen ihrer Träume entlocken. Beruflich strebt Elisa Thimm, die man mit Schokolade, Überraschungen und Lob für gute Leistungen glücklich machen kann, nach dem Abitur eine Ausbildung zur Fotografin an. In ihrer Freizeit bewegt sich Elisa gerne auf Rädern. Fahrrad fahren und auf Inlinern durch die Gegend rauschen, gehört zu ihren Leidenschaften. Gerne geht sie auch mit dem Familienhund spazieren. Kennenlernen möchte sie gerne einmal Justin Timberlake und ihr Traumziel, wohin sie gerne einmal reisen würde, wäre die Südseeinsel Bora-Bora.

Elisa Thimm

Wenn man Elisa ärgern möchte, muss man nur sagen, dass sie dick ist, was bei näherem Hinsehen allerdings glatt gelogen wäre. "Mein Trainer zieht mich manchmal damit auf", verrät uns Elisa mit einem Schmunzeln. Großen Anteil an ihren bisherigen Erfolgen schreibt Elisa Thimm ihrer Familie zu, die sie mit Kräften unterstützt. Kraft bezieht sie auch aus ihrer Beziehung zu Freund und Freundinnen und nicht zuletzt zu ihren Dormagener Mannschaftskameraden.

Das Ergebnis ihrer großartigen Leistungen im vergangenen Jahr gipfelt mit dem ersten Platz in der Wertung der Jugendschwimmerin des Jahres 2009 im SV NRW. Ein Titel auf den sie sehr stolz ist. "Dieser Titel ist eine schöne Bestätigung für das, was ich im letzten Jahr erreicht habe und dass sich alle Mühen gelohnt haben", freute sich Elisa Thimm über diese Auszeichnung, die sie, wenn es auch in 2010 gut läuft, noch einmal wiederholen kann. Feiern könnte man das dann am Ort ihrer Schule in Knechtsteden, dessen historisches Restaurant Klosterhof weit über seine Grenzen bekannt und beliebt ist. Der Verfasser dieses Portraits würde dann mit Lisa mit der Spezialität des Hauses, dem "Knechtstedener Schwarzen", einem süffigen Schwarzbier, anstoßen. Ein kleines Gläschen davon macht auch bestimmt nicht dick. Das kannst Du mir glauben, Elisa.

Peter Kuhne

Context Column