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Sportlerportrait 03/2008 Nils Rötgers: Ein Spitzenschwimmer, der einmal fast ertrunken wäre

Nils Rötgers

Nils Rötgers von der SG Bayer Wuppertal/ Uerdingen/ Dormagen gehört zu den Schwimmern, deren Talente sich nicht nur auf wenige Disziplinen beschränken, sondern er beherrscht in seiner Lieblingslage, dem Freistilschwimmen von 50 bis 1500 Metern wirklich sämtliche Strecken.

In diesem Jahr brachte er das Kunststück fertig, bei den SV NRW-Meisterschaften über alle möglichen sechs Freistilstrecken den Jahrgangstitel zu holen. In der offenen Klasse gelang dies dem, am 14. April 1990 in Remscheid geborenen Nils Röters, auch über 400, 800 und 1500 Meter. Dabei schwimmt der Schüler des Remscheider Gerhard-Bäumer-Gymnasiums, an dem er die zwölfte Klasse besucht und im nächsten Jahr das Abitur machen will, beileibe nicht alle Strecken gleich gern. "Ich mag am liebsten die 200m Freistil weil das der Übergang zwischen Sprint und Ausdauer ist. Die 100m mag ich auch, weil es schnell vorbei geh und einfach Spaß macht", beschreibt Nils seine Vorlieben.

Nils Rötgers

Da seine Zeiten über 400, 800 und 1500m ständig besser wurden, muss er in letzter Zeit aber immer häufiger auch hierüber ran. "Ich wäre aber gerne über 100 und 200m noch schneller als jetzt, dafür würde ich dann die langen Sachen gerne sausen lassen, weil ich die eigentlich gar nicht leiden kann", kommt dann aber doch sein Sprinterherz zum Vorschein, wobei er die 50m für sich jedoch als zu kurz empfindet.

Nils Rötgers betreibt seit acht Jahren aktiv Schwimmsport. Davor hat er sich bereits in vielen anderen Sportarten versucht, die ihm aber allesamt schon nach kurzer Zeit nicht mehr sonderlich zusagten. Erst als die Suche nach der für ihn richtigen Sportart beim Schwimmen angekommen war, hatte Nils Rötgers gefunden, was er suchte.

Seine Eltern konnten ihm da nicht viel helfen, denn beide Elternteile waren oder sind keine aktiven Sportler. Als Einzelkind hatte er auch keine Geschwister, an denen er sich orientieren konnte. Sein erster Verein war die SG Remscheid. Zu Beginn seiner Laufbahn spielte er dort auch noch Wasserball, später konzentrierte er sich dann voll auf das Schwimmen. In der Röntgenstadt Remscheid würde er wohl heute noch schwimmen, wenn sein langjähriger Trainer Jürgen Schmitz nicht im Herbst 2007 zum TSV Bayer Dormagen, einem der Trägervereine der SG Bayer gewechselt wäre.

Nils Rötgers

Ich wollte von vornherein mit meinem Trainer gehen, dem ich voll vertraue, habe aber in dem Wechsel viele Probleme gesehen. Wir haben zusammen bestimmt zwei Monate an Lösungen gearbeitet, bis meine Entscheidung ebenfalls nach Dormagen zu gehen, fest stand", resümiert Nils Rötgers. Mit ihm wechselte auch der Jugendeuropameister mit der 4x100m Freistilstaffel von 2007 und zweifache SV NRW Jugendschwimmer des Jahres, Christoph Fildebrandt aus dem Bergischen Land an den Rhein.

Ein Umstand, der für Nils Rötgers unheimlich wichtig ist. "Christoph nimmt mich immer mit zum Training nach Dormagen, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier und meine Leistungen wären längst nicht mehr so gut, weil ich nicht mehr bei Jürgen Schmitz trainieren könnte", sagt Nils. Der Aufwand jeden Tag von Remscheid nach Dormagen und zurück zu kommen ist trotz Hilfe von Cristoph Fildebrandt aber immer noch groß genug. "Ich gehe morgens um sieben aus dem Haus und bin manchmal erst um 22.15 Uhr wieder zu Hause", sagt Nils. "Ich hatte zunächst geglaubt, ich kriege das alles super auf die Reihe. Vor einem halben Jahr habe ich dann aber eine Gürtelrose bekommen, was darauf hinweist, dass ich doch zu viel Stress hatte", fügt er hinzu.

Versöhnlich stimmen ihn da seine sportlichen Erfolge von denen einige bereits anfangs erwähnt wurden. Sein erster NRW-Jahrgangstitel datiert aus dem Jahre 2006, erstaunlicher Weise jedoch über 200m Lagen. 2007 holte er mit Silber seine erste Medaille in der offenen Klasse über 400m Freistil. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften startete Nils Rötgers erstmals 2004 in Leipzig, erreichte über 100m Freistil allerdings nur Platz 21. Ein Jahr später in Berlin stand er aber schon dreimal in einem Finale, wo jeweils Sechster wurde. 2007 in Dortmund gab es dann die erste Medaille. Über 200m Freistil gewann Nils Rötgers Silber. Hinzu kam Platz vier über 100m Freistil und Rang sieben über 50m Freistil. Den Gewinn der Deutschen Vizemeisterschaft betrachtet Nils Rötgers, dessen sportliche Vorbilder der Russe Alexander Popow und der Italiener Filippo Magnini sind, auch als sein bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport.

Sein peinlichstes Erlebnis ist ihm dagegen mehr als unangenehm, denn im Strömungskanal in Hamburg wäre er im vorigen Jahr fast ertrunken. "Mir ist beim Reinspringen die Schwimmbrille direkt auf den Mund gerutscht und ich konnte nicht mehr atmen. Bei jedem versuchten Atemzug kam nur Wasser durch. Da wäre ich wirklich fast ertrunken" erzählt Nils. Bei seinem Nahziel, der Qualifikation für die diesjährigen JEM in Belgrad, darf ihm solch ein Missgeschick natürlich nicht passieren.

Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in dieser Woche in Berlin strebt er einen Staffelplatz für die 4x100m und die 4x200m Staffeln an. "Wenn es super gut läuft, könnte auch über 400m Freistil eventuell eine Medaille drin sein", hofft Nils Rötgers. Weitergehende sportliche Ziele hat Nils Rötgers nicht. "Ich möchte auch später noch gut trainieren können und mich weiter verbessern", sagt er zu diesem Thema.

Was seine beruflichen Ziele angeht, wird er da schon konkreter. Er würde gerne zur Polizei gehen und dort ein Studium absolvieren. Wenn das aus irgendeinem Grund nicht klappen sollte, würde er sich bei der Deutschen Sporthochschule in Köln bewerben. In seiner Freizeit spielt Nils Rötgers leidenschaftlich gerne Beach-Volleyball, eine Sportart, die er auch betreiben würde, wenn er kein Schwimmer wäre.

Gefragt nach einer Person, die er gerne einmal kennenlernen würde, nennt Nils Rötgers Bob Bowman, den Trainer von Michael Phelps. "Ich würde gerne einmal hören, wie das Training bei ihm abläuft. Von ihm könnte man sicher noch vieles lernen", sagt Nils ohne jedoch zu verschweigen, dass sein eigener Trainer Jürgen Schmitz natürlich auch ein sehr guter Lehrmeister ist.

Peter Kuhne

Context Column