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Sportlerportrait 04/2017 – Fleming Redemann: Für den Schmetterlingsspezialisten ist der Spaß am Sport das Wichtigste

Fotos/Bericht: © Peter Kuhne

Fleming Redemann - SG Gladbeck-Recklinghausen

Das Beste zum Schluss. Unter diesem Motto könnte das letzte Sportlerportrait des Jahres 2017 stehen, das sich mit Fleming Redemann von der SG Gladbeck/Recklinghausen befasst. Wobei die Bezeichnung das Beste sich auf das Kalenderjahr 2016 bezieht, wo der am 19. August 2000 in Recklinghausen geborene Fleming Redemann sich den Titel „Jugendschwimmer des Jahres 2016 im SV NRW“ sicherte. Auch muss diese Bezeichnung in „Der Beste“ geändert werden, denn mit der Jugendschwimmerin des Jahres 2016, Jennifer Pietrasch, die inzwischen auch die SG Gladbeck/Recklinghausen verstärkt, wurde „Die Beste“ bereits in unserem ersten Sportlerportrait in diesem Kalenderjahr vorgestellt. Einigen wir uns also auf „Der Beste“, womit wir in Bezug auf Fleming Redemann den Nagel auf den Kopf treffen.

Fleming ist Recklinghäuser durch und durch. Er wohnt dort seit seiner Geburt und ist noch nie für einen Verein, der nicht in der ca. 160.000 Einwohner zählenden Stadt im Ruhrgebiet, die durch seine seit 1946 jährlich im Mai und Juni stattfindenden Ruhrfestspiele auch international wurde, beheimatet ist gestartet. Mit Besuchern würde er vor allem in die Innenstadt gehen, die er aufgrund seiner schönen Bausubstanz besonders reizvoll findet. Bekannte Söhne von Recklinghausen sind übrigens unter anderem der Schauspieler Walter Giller, der Fußballkommentator Werner Hansch, Zehnkämpfer Frank Busemann und der Entertainer Hape Kerkeling.
Fleming besucht die 12. Klasse des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Recklinghausen, wo er am Ende dieses Schuljahres sein Abitur machen will. Ein festgeschriebenes Lebensmotto hat er nicht. „Ich lebe nach dem Motto: Immer geschmeidig bleiben. Ich versuche immer ruhig zu bleiben, da ich Stress nicht leiden kann“, sagt Fleming.
Mit dem Schwimmen angefangen hat er im Alter von vier Jahren. Seine ersten Wettkämpfe bestritt er mit sieben. Von Anfang an gehört er seinem Stammverein SV Blau-Weiß Recklinghausen an. 2016 wurde dieser Verein Teil der neu gegründeten SG Gladbeck/Recklinghausen. Dieser Gründung kann Fleming nur Gutes abgewinnen. „Die SG mit dem SV Gladbeck 13 bringt allen nur Vorteile. So gibt es in Gladbeck zum Beispiel eine Traglufthalle mit einer 50 Meterbahn, die wir in Recklinghausen nicht haben. Auch sportlich hat sich die SG bereits gelohnt, wie die Mannschaftsergebnisse bei der DMS 2017 mit dem Aufstieg der Damen- und Herrenmannschaft in die 2. Bundesliga und auch im Nachwuchsbereich bei der DMSJ zeigen“, steht Fleming zu hundert Prozent hinter der SG. Andere Sportarten als Schwimmen hat er nie betreiben. Er ist allerdings ein großer Fan von American Football und meint, dass er diesen Sport ausüben würde, wenn er kein Schwimmer wäre. Was er nicht machen würde, wäre Fußball. „Fußball schaue ich mir schon mal bei großen Turnieren, wie WM oder EM zusammen mit der Familie im Fernsehen an. Die Bundesliga interessiert hingegen mich nicht so. Insgesamt finde ich Fußball langweilig“, sagt Fleming.
Er hat drei Geschwister, die Schwestern Fee (19) und Fiona (12), sowie den Bruder Fynn (14), die auch alle bei der SG Gladbeck/Recklinghausen schwimmen. Sein Vater hat lange Zeit erfolgreich Handball gespielt. Seinen Vater sieht Fleming auch als sein Vorbild an. „Es ist bestimmt nicht einfach mit vier Kindern, besonders wenn man wie er auch zwölf Stunden am Tag beruflich unterwegs ist“, so Fleming Redemann. Sportlich schätzt er vor allem Michael Phelps und zwar weil er der erfolgreichste Schwimmer aller Zeiten bei Olympischen Spielen ist und weil er schon sehr früh erfolgreich war.

Fleming (2. v.l.) bei der Ehrung der Jugendschwimmer des Jahres 2016

Flemings Lieblingsdisziplin ist das Schmetterlingsschwimmen und da vor allem die 100 Meterdistanz. Kraul liegt ihm auch ganz gut, was er nicht mag ist das Brustschwimmen. "Von Brust bekomme ich immer Knieschmerzen. Außerdem finde ich diese Lage vom Bewegungsablauf her doof“, sagt Fleming. Seine eigenen sportlichen Erfolge lassen sich inzwischen nicht mehr an einer Hand abzählen.
SV NRW-Jahrgangstitel sammelte er bislang 18 Stück, davon allein 12 im Jahr 2016. Im gleichen Jahr wurde er in der offenen Klasse auch SV NRW-Meister auf der Langbahn über 50m und 100m Schmetterling und auf der Kurzbahn über 50m, 100m und 200m Schmetterling.
Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewann er seit 2014 sieben Medaillen (4 Gold, 3 Silber). Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2016 gewann er in der offenen Klasse die Bronzemedaille über 100m Schmetterling und belegte über 50m Schmetterling Platz sechs.
Überhaupt kann man das Jahr 2016, in dem er auch im DSV-Aufgebot für die Jugend-Europameisterschaften in Ungarn stand, als Flemings erfolgreichstes bezeichnen. Es gab in diesem Jahr keine Meisterschaftsveranstaltung auf SV NRW- und DSV-Ebene, wo er nicht mindesten einen neuen Deutschen Altersklassenrekord aufstellte. Auf sein bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport angesprochen sagte uns Fleming Redemann: „Mein schönstes war als ich 2016 zum ersten Mal Deutscher Jahrgangsmeister wurde. Besonders toll war dabei, dass ich als erster 16-jähriger im DSV mit 53,93 Sekunden erstmals unter 54 Sekunden schwamm. Toll war auch mein dritter Platz über 100m Schmetterling in der offenen Klasse bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften mit neuem Deutschen Altersklassenrekord“. Von einem peinlichen Erlebnis kann Fleming aber auch berichten. „Das war ebenfalls 2016 bei den DJM. Da bin ich über 50m Freistil mehr als die erlaubten 15 Meter getaucht und wurde deswegen disqualifiziert", erinnert er sich an dieses Missgeschick, das ihm auf keinen Fall noch einmal passieren soll.

Fleming Redemann (SG Gladbeck/ Recklinghausen)

Seine vielversprechende Karriere erfuhr in diesem Jahr aufgrund Krankheit einen Rückschlag. „Im Frühjahr fing es mit einer Erkältung an. Die ging nie richtig weg. Immer wenn ich wieder ein bestimmtes Trainingsniveau erreicht hatte, wurde es wieder schlimmer. Im Sommer wurde es zwar kurzzeitig besser, sobald es aber wieder kälter wurde, ging es wieder los. Ich war bei vielen Ärzten, ohne das es besser wurde. Jetzt bin ich in Essen bei einer Heilpraktikerin, die mir empfohlen wurde. Ich glaube, dass es eine gute Sache ist, das zu machen“, erzählt uns Fleming. Trotz dieser Krankheit, gewann er bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften wieder zwei Titel (50m, 100m Schmetterling), wobei er über die 100m-Distanz wiederum einen neuen Deutschen Altersklassenrekord aufstellte. Er hofft nun, dass es mit ihm gesundheitlich wieder aufwärts geht und dann will er auch sportlich wieder angreifen. „Wenn ich wieder richtig gut trainieren kann ist ein für mich realistisches Ziel die Teilnahme an den olympischen Jugendspielen im Oktober 2018 in Buenos Aires. Da die Normen für die JEM 2018 die gleichen sind, wäre auch die Qualifikation hierfür ein Ziel“, sagt Fleming zu seinen kurzfristigen Plänen. Langfristig träumt er wie alle ehrgeizigen Sportler natürlich auch von einer Teilnahme an den „richtigen“ Olympischen Spielen.

Beruflich strebt Fleming nach dem Abitur an, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten. „Hierüber habe ich im letzten Frühjahr bereits mit den Bundestrainern Henning Lambertz und Mitja Zastrow gesprochen. Die Bundeswehr würde sportlich vieles einfacher machen. Ein Studium ist hingegen nicht so meins“, erklärt uns Fleming. Aufgrund des hohen Aufwandes, den er für den Schwimmsport aufbringen muss, hat er keine bestimmten Hobbys mehr. Er hat im Alter von sechs bis dreizehn Jahren Schlagzeug gespielt. Von diesem Hobby rührt auch seine Vorliebe zur guter Rock- und Electronic Dance Musik. Als in der Veltins-Arena auf Schalke das weltweit größte Elektro-Musik Festival Tomorrowland Station machte, war er als Fan dieser Musikrichtung als Besucher dabei. Im Fernsehen sieht er sich gerne Serien an. „Hauptsache die sind spannend und nicht so seicht, typische Jungenssachen halt. Football im Internet und Autovideos, das ist hingegen mein Ding“, so Fleming. Seine derzeitige Lieblingsserie ist die weltweit gefeierte Kultserie Grand-Tour auf dem Amazon-Prime-Kanal an, die sich um Autos, Getriebe und Motorengeheul dreht und wo gerade die zweite Staffel angelaufen ist. Glücklich machen kann man Fleming mit einem leckeren Essen, wobei er kein bestimmtes Lieblingsgericht hat. „Ich esse alles, was auf den Teller kommt, Hauptsache es ist genug drauf“, schmunzelt Fleming.

Fleming, Mitte, hat ein Abo auf den obersten Treppchenplatz auch in der offenen Klasse

Da er wie er sagt, eigentlich immer gute Laune hat, ist er auch für jeden Spaß zu haben und freut sich, wenn etwas Lustiges passiert. Nicht leiden kann er, wenn man ihn stresst oder ihn zu reizen versucht. Wenn er wieder geboren würde, wäre Fleming gerne ein Adler. „Ein Adler deswegen, weil ich es cool finde sich vorzustellen, dass man fliegen kann“, sagt er zu diesem Thema. Gerne einmal kennenlernen würde er den amerikanisch- kanadischen Schauspieler Dwayn „Rock“ Johnson, den er auch privat als coolen Typen bezeichnet. Die drei Dinge, die er auf eine einsame Insel mitnehmen würde wären ein Wassermotorrad, auch Jet-Ski genannt, ein Messer und einen MP3-Player. Reisen würde er am liebsten dorthin, wo es warm ist und wo es wie zum Beispiel auf Hawaii schöne Strände gibt.

Zum Schluss unseres Gespräches, das wir im Leistungszentrum Rüttenscheid in Essen führten, wo Fleming Redemann als Mitglied des DSV-Perspektivkaders neben seinem Vereinstraining die Möglichkeit nutzt, mehrmals in der Woche am Training des Bundesstützpunktes Essen teilzunehmen, gab uns Fleming noch folgendes mit auf dem Weg: „Ich finde, dass man auf keinen Fall den Sport, egal welchen, zu wichtig nehmen sollte. Die Hauptsache ist, dass man Spaß daran hat, denn ohne Spaß wäre es langweilig“. Das Fleming trotz aller gesundheitlichen Rückschläge in diesem Jahr den Spaß am Sport nicht verloren hat, zeigen seine Ergebnisse bei den gerade zu Ende gegangenen Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin. Hier belegte er über 100m Schmetterling mit neuem Deutschen Altersklassenrekord von 0:52,17 Minuten Platz vier und wurde zudem über 50m und 200m Schmetterling Siebter.

Sportler von A-Z

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