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Sportlerportrait 01/2008 — Lisa-Mareike Pohl: Carl-Fuhlrott-Gymnasium statt Florida

Lisa-Mareike Pohl

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen aus welchem Holz unsere Schwimmerinnen und Schwimmer geschnitzt sind. Leistungsbereitschaft und Pflichtbewußtsein stehen bei den Leistungsträgern unseres Landesverbandes ganz oben auf der Liste ihrer positiven Charaktereigenschaften. Das trifft auch auf Lisa-Mareike Pohl zu, dessen Sportlerportrait wir hier veröffentlichen.

Zu unserem Gespräch hatten wir uns mit der 15-jährigen im Schwimmleistungszentrum Wuppertal verabredet. Pünktlich stand Lisa auf der Matte, obwohl sie wegen einer starken Erkältung eigentlich besser zu Hause geblieben wäre.

Ihre Erkrankung war für die am 13. Dezember 1992 in Augsburg geborene Schwimmerin der SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen kein Grund, das Interview abzusagen. Genauso hatte sich die Schülerin des Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasiums, wo sie die neunte Klasse besucht, Ende 2007 beim Endkampf der ersten Bundesliga bei der DMS verhalten, wo sie sich trotz Erkrankung in den Dienst ihrer Mannschaft stellte und maßgeblich am vierten Platz der SG Bayer in der Meisterrunde beteiligt war.

Lisa-Mareike Pohl

Bevor Lisa-Mareike Pohl laufen lernte, war ihr schon dass nasse Element vertraut. "Angefangen habe ich in Augsburg bereits im Alter von drei Monaten mit Babyschwimmen. So richtig ging es aber erst mit elf Jahren bei der SSF Bonn los", berichtet Lisa (auf die Mareike verzichten wir im weiteren Verlauf dieses Portraits). Im Alter von zwei Jahren verließ Familie Pohl aus beruflichen Gründen des Vaters Augsburg und zog ins Rheinland, wo Lisa zunächst beim VFB Erftstadt anheuerte, wo sie ihr schwimmerisches Rüstzeug erwarb.

Der Beruf des Vaters, der in seiner Jugend geboxt hat, war anschließend auch Grund für den Wechsel zu den SSF Bonn und auch für Lisas letzten Vereinswechsel nach Wuppertal zur SG Bayer, wo sie seit zwei Jahren bei Trainer Henning Lambertz ihre Bahnen zieht. Hier fühlt sich inzwischen rundum wohl. "Die SG Bayer ist ein starker Verein und wir sind eine tolle Truppe. Außerdem habe ich unter anderem mit Daniela Samulski und Sarah Poewe auch starke Trainingspartner, die mich zusätzlich motivieren", sagt Lisa.

Dass ihr jetziger Trainer Henning Lambertz im Herbst Bayer verläßt und zur SG Essen wechselt, bedauert Lisa zwar sehr, ist für sie aber kein Grund der SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen ebenfalls den Rücken zu kehren. "Es ist schade, dass Henning geht, ich bleibe aber erstmal hier, auch deswegen, weil ich innerhalb eines Jahres zweimal die Schule gewechselt habe", lautet die Aussage von Lisa Pohl.

Lisa hat noch drei jüngere Geschwister, zwei Brüder im Alter von zwölf und zehn Jahren, sowie eine vierjährige Schwester. Schwimmsport betreibt hiervon allerdings nur Lisa. Ein Bruder spielt Basketball, der andere reitet, während Nesthäkchen Chantal mit Sport noch nichts am Hut hat. Wenn sie nicht schwimmen würde, könnte sich Lisa vorstellen zu surfen oder Tennis zu spielen, Sportarten, die sie auch gerne im Urlaub - am liebsten in Spanien - betreibt.

Lisa Pohls Spezialdisziplinen im Schwimmen sind die 400m Lagen und die 800m Freistil. Aber auch die 200m Lagen und die 200m Schmetterling gehören zu ihren Vorlieben. Ihre ersten Erfolge auf NRW-Ebene feierte sie 2004 in den Farben der SSF Bonn und zunächst noch über 200m Schmetterling. Mittlerweile kann Lisa zahlreiche NRW-Jahrgangstitel ihr Eigen nennen und 2007 glänzte sie bei NRW-Meisterschaften auch in der offenen Klasse mit zwei Silbermedaillen bei den Kurzbahnmeisterschaften über 400m Lagen und 200m Schmetterling.

Lisa-Mareike Pohl (mitte)

Bei DSV-Jahrgangsmeisterschaften gewann Lisa Pohl bisher dreimal Bronze und zwar 2005 und 2006 über 200m Schmetterling und 2007 über 400m Lagen. Sehr gefreut hat sie sich aber auch über ihren vierten Platz bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2007 in Dortmund über 800m Freistil, wo sie neue persönliche Bestzeit von 9:09,76 Minuten schwamm.

Als ihr bisher schönstes sportliches Erlebnis bezeichnet sie aber den Gewinn der Bronzemedaille mit der C-Jugend der SSF Bonn im Jahr 2002 beim Bundesfinale der DMS-J in Nürnberg. "Da war ich ganz stolz drauf", sagt Lisa und bekommt auch nach so langer Zeit noch ganz glänzende Augen. Für die nahe Zukunft hat sich Lisa, die als ihr sportliches Vorbild die Französin Laure Manadou wegen ihrer Vielseitigkeit und Konditionsstärke nennt, vorgenommen, ihre Kurzbahn-Bestzeiten auf die lange Bahn zu übertragen.

Gerne möchte sie auch bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2008 wieder auf dem Siegertreppchen stehen und mit einem Auge schielt sie auch auf eine JEM-Teilnahme. Gerne würde sie in naher Zukunft auch einmal bei Deutschen Meisterschaften in einem Finale der offenen Klasse stehen. Damit diese Wünsche keine Träume bleiben, absolviert Lisa acht bis neun Trainingseinheiten pro Woche, die, wenn auch Frühtraining auf dem Programm steht, viereinhalb Stunden täglich in Anspruch nehmen.

Langfristige sportliche Ziele hat Lisa Pohl noch nicht. In schulischer und beruflicher Hinsicht wird sie da schon konkreter. "In der elften Klasse möchte ich gerne als Austauschschülerin nach Australien oder in die USA. Nach dem Abitur könnte ich mir vorstellen zur Polizei zu gehen. Dafür interessiere ich mich schon sehr lange", sagt Lisa, die bei ihren Mitmenschen in erster Linie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor schätzt. Arroganz hingegen gehört zu den Eigenschaften, die sie absolut nicht ausstehen kann.

In ihrer Freizeit spielt Lisa Pohl gerne Tennis, trifft sich mit Freunden und passt auch gerne auf ihre kleine Schwester auf, mit der sie man sie schon einmal auf Spielplätzen antrifft. Zu ihren Lieblingsspeisen zählt sie Nudeln und Pizza, besonders schätzt sie jedoch die thailändische Küche.

Dass sie ihren Schwimmsport mit allem damit verbundenem Aufwand betreiben kann, schreibt Lisa Pohl in erster Linie ihren Eltern zu. "Dass mich meine Eltern immer und überall unterstützen finde ich ganz toll, dafür will ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken", diktierte uns Lisa mit einem großen Ausrufungszeichen in den Block.

Dass Schwimmen für sie im Leben aber nicht an erster Stelle steht, beweist die Tatsache, dass sie den Start mit der NRW-Auswahl im Januar in Luxemburg und ein Trainingslager mit der SG Bayer in Florida im Februar dieses Jahres aus schulischen Gründen absagte. "Es standen in der Schule einige Arbeiten an, dass war mir wichtiger", sagt Lisa in voller Überzeugung, dass sie hiermit die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Sie sind eben aus einem besonderen Holze geschnitzt, die Schwimmerinnen und Schwimmer aus dem SV NRW.

Peter Kuhne

Context Column