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Sportlerportrait 05/2013 – Max Pilger

Kopfnuss für rechnende Brustschwimmer: 4+4 = 1-3

Max Pilger (SSF Bonn)
Max Pilger (SSF Bonn)
Max Pilger (Mitte) gemeinsam mit Bruder Tom (links) auf dem Siegertreppchen bei SV NRW-Meisterschaften. Rechts im Bild Ensar Hajder (SG Essen).

Wenn zum Jahreswechsel die acht Glocken des Bonner Münsters das neue Jahr einläuten, kann sich in seiner Heimatstadt der Schwimmer Max Pilger zufrieden zurücklehnen und ein für ihn erfolgreiches 2013 Revue passieren lassen. Max Pilger, der am 25. Februar 1996 in Bonn 226 Jahre nach dem berühmtesten Sohn der 2000 Jahre alten Stadt am Rhein, Ludwig van Beethoven, geboren wurde, untermauerte in diesem Jahr seine Ambitionen, in die Elite der deutschen Brustschwimmer aufzusteigen. Den Beweis lieferte der 17-jährige unter anderem damit, dass er bei den Deutschen Meisterschaften dieses Jahres über 200m Brust sowohl auf der Langbahn, als auch auf der Kurzbahn im A-Finale den vierten Platz belegte. Im Jahrgang 1996 zählt Max Pilger, der sein Startrecht für die SSF Bonn ausübt, auf nationaler Ebene auf allen drei Brustdistanzen bereits seit drei Jahren zum Besten, was die Republik zu bieten hat. Zum Schwimmen kam Max im Alter von drei Jahren. Hieran hat seine Mutter Ute, die  von 1972 bis 1984 unter ihrem Mädchennamen Nettersheim selbst eine erfolgreiche Schwimmerin war, die mehrfach Deutsche Jugendmeisterin wurde und mit SSF Bonn einige Deutsche Mannschaftsmeisterschaften holte, maßgeblichen Anteil. „Meine Mutter hat seinerzeit für den Verein Schwimmkurse gegeben. Da ich als kleines Kind schlecht alleine zu Hause bleiben konnte, durfte ich immer mit. An meinem dritten Geburtstag bin ich dann Mitglied bei SSF Bonn geworden“, erzählt Max Pilger. Den gleichen  Weg beschritt übrigens auch sein 1 ½ Jahre älterer Bruder Tom, der wie Max auch Brustschwimmer ist und ebenfalls für die SSF Bonn startet. Welchen Sport Max ausüben würde, wenn er nicht Schwimmer geworden wäre, kann er nicht sagen. „Da bin ich mir nicht sicher. Ich würde einiges ausprobieren und bestimmt auch das ein oder andere finden. Was ich aber unter keinen Umständen machen würde, wäre Ballett“, sagt Max. Von 1999 bis Mitte 2013 trainierte Max Pilger in Bonn bei Stefan Koch. Im Sommer 2013 zog er nach Essen, wo er im dortigen Tanz- und Sportinternat wohnt und am Bundesstützpunkt Essen bei Nicole Endruschat trainiert. „Am Bundesstützpunkt Essen habe ich eine Trainingsgruppe um mich herum, die teilweise  ein noch höheres Niveau hat, als das was ich derzeit habe. In Bonn habe ich mit meinem Bruder hingegen fast alleine trainiert. Das dämpfte den Spaßfaktor, den man einfach haben muss, wenn man einen sehr hohen Aufwand betreibt, erheblich. Das ist jetzt in Essen anders“, begründet Max seine Entscheidung am Bundesstützpunkt seine Trainingszelte aufzuschlagen. Hier trainiert er bei Nicole Endruschat unter anderem mit den zu den besten deutschen Brustschwimmerin gehörenden Hendrik Feldwehr und Christian vom Lehn. „Es hat schon seinen Reiz mit denen zusammen zu schwimmen und sie auch einmal ein wenig zu ärgern, wenn ich mal vor ihnen bin“, schmunzelt Max. Sein Startrecht übt Max Pilger aber weiter für SSF Bonn aus. „Für mich ist es wichtig, dass bei Wettkämpfen noch Bonn hinter meinem Namen steht. Hieran soll sich auch erst einmal nichts ändern“, hält Max seinem Heimatverein auch weiterhin die Treue. Als sein sportliches Vorbild sieht Max Pilger den US-Amerikaner Michael Phelps. Der Rekord-Olympiasieger ist für Max einer der größten Sportler aller Zeiten. Auf solch ein Niveau zu kommen ist, so Max das größte Ziel, was man als Sportler haben kann. Seine bevorzugte Schwimmdisziplin ist, wie man dem bisherigen Text entnehmen kann, das Brustschwimmen. „Brust liegt mir einfach am besten, aber vom Spaßfaktor her bevorzuge ich die kurzen Freistil- und Schmetterlingstrecken. Hierin bin ich zwar eher mittelmäßig, macht aber einfach Spaß, weil es eine ganz andere Sache ist als Brust. Für mich ist das ein schöner Kontrast“, versichert Max Pilger. Seine größten bisherigen Erfolge feierte er jedoch auf den Bruststrecken. Auf SV NRW-Ebene sammelte er in dieser Disziplin in den letzten Jahren diverse Jahrgangstitel. In der offenen Klasse wurde er 2013 NRW-Meister auf der Lang- und Kurzbahn. Über 100m Brust und 400m Lagen sicherte er sich auf der Kurzbahn den NRW-Vizemeistertitel. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewann Max Pilger 2011 über 200m Brust seinen ersten nationalen Titel. 2012 wurde er über 100 wenn und 200m Brust Deutscher Jahrgangsmeister, was er in diesem Jahr wiederholte und zudem über 50m Brust ebenfalls mit Meisterehren dekoriert wurde. Höhepunkte waren jedoch zweifelsfrei seine eingangs erwähnten vierten Plätze in der offenen Klasse über 200m Brust bei den Deutschen Meisterschaften 2013 in Berlin (Langbahn) und Wuppertal (Kurzbahn). Das 200m Kurzbahnfinale von Wuppertal liegt Max allerdings noch schwer im Magen. „Der vierte Platz hat mich schon sehr geärgert. Zweimal hintereinander in einem Jahr Vierter, das war überhaupt nicht schön auch wenn ich in Wuppertal erstmals unter 2:10 Minuten geblieben bin“, sagt Max. Ein wenig schreibt Max den undankbaren vierten Rang von Wuppertal auch der Kurzbahn zu. Der Bonner bevorzugt die Langbahn. „Da habe ich weniger Tauchzüge, die liegen mir nämlich noch nicht so sehr. Da verliere ich am meisten. Auf der Schwimmstrecke bin ich hingegen wesentlich stärker. Die ist auf der Kurzbahn aber nicht so sehr lang. Das sieht man beispielsweise bei Marco Koch, der eine hervorragende Tauchphase hat, was aber letztendlich  dazu führt, dass er von den ursprünglichen 200m tatsächlich nur noch 80m schwimmt. Mir ist aber klar, dass man überall stark sein muss, wenn man erfolgreich sein will“, glaubt Max. Aufgrund seiner hervorragenden Saisonleistungen wurde Max Pilger in diesem Jahr für die Jugendeuropameisterschaften in Poznan (Polen) nominiert. Hier stand er über 200m Brust im Finale und wurde Fünfter. Über 100m Brust belegte er Platz zehn. „Die JEM war für mich Saisonziel. Das war das höchste, was ich erreichen konnte. Ich habe mich super gefreut, dass es geklappt hat. Die JEM und die vorangegangene Trainingsmaßnahme des gesamten Teams, zu denen ich noch einen guten Kontakt habe, in Heidelberg waren eine tolle Zeit“ schwärmt Max noch immer von seinem persönlichen Saisonhöhepunkt. Für 2014 hat er sich vorgenommen, sich zum zweiten Mal für die JEM, die vom 9. bis 13. Juli in Dordrecht/Niederlande stattfindet, zu qualifizieren. Außerdem strebt Max Pilger im kommenden Jahr eine Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen vom 16. bis 28. August im chinesischen Nanjing an. Als sein größtes Fernziel nennt Max die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. „Das sind nicht gerade tief gesteckte Ziele. Ich finde aber man muss sich hohe Ziele stecken. Wenn ich sagen würde, ich möchte gerne Bezirksmeister werden, hätte ich nicht so die Motivation als wenn ich sage in drei Jahren möchte ich in Rio stehen“, meint Max. Eine große Hilfe auf dem Weg zum erstrebten Ziel Olympia 2016 ist für Max Pilger das SV NRW-JUNIOR-TOP-TEAM, dem er seit seiner Gründung 2012 angehört. „Das es eine solche Unterstützung gibt, ist schon sehr gut. Die beiden Trainingslager 2012 in Shanghai und Flagstaff 2013 wären für mich ohne das JTT nicht zustande gekommen. Ich freue mich auch schon auf nächstes Jahr, egal wo es dann hingeht“, so Max Pilger. Eine weitere Hilfe stellt für Max auch seine Mitgliedschaft im Juniorteam der Deutschen Vermögensberatung dar, die ihn mit verschiedenen Maßnahmen unterstützt. Sind seine sportlichen Ziele bereits klar umrissen, hat er sich, was seine berufliche Zukunft angeht, noch nicht eindeutig festgelegt. Aufgrund der G8-Regelung und dadurch, dass er die zweite Klasse übersprungen hat, konnte er in diesem Jahr bereits im Alter von 17 Jahren sein  Abitur machen. Seit dem Herbst studiert Max als einer der jüngsten in seinem Semester Wirtschaftsmathematik. Wie bei den meisten Schwimmern bleibt auch Max für ein Hobby im normalen Sinn keine Zeit. Gerne würde er einmal nach Hawaii reisen. „Als ich gefragt wurde, was ich gerne mache, ist mir eingefallen, faulenzen. Da wäre eine so schöne tropische Insel nicht das schlechteste Ziel. Wenn ich Urlaub habe, mag ich es nämlich am liebsten, wenn ich nicht so viel um mich herum und es ruhig habe“, erklärt uns Max. Im normalen Leben bevorzugt Max, den man schon mit einer Tafel Schokolade glücklich machen kann, hingegen die Großstadt. Auf dem Land möchte er nicht leben. Bleibt mir am Ende dieses Portraits noch die – zugegebenermaßen - verwirrende Überschrift zu erklären. Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: 4+4 sind die zwei vierten Plätze im A Finale der Deutschen Meisterschaften 2013. Im nächsten Jahr sollen hieraus Platzierungen auf den Rängen 1-3 werden. (Getrunken habe ich übrigens nichts).

 

Peter Kuhne

Context Column