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Sportlerportrait 04/2010 — Lukas Nattmann: Für den Willicher lagen 2010 Freud und Leid dicht beieinander

Lukas Nattmann

Eindrucksvolle Erfolge aber auch großes Pech prägten in diesem Jahr die Schwimmkarriere von Lukas Nattmann (SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen). Im Juni wurde der am 28. Februar 1992 in Mönchengladbach geborene Schüler des Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasiums in Berlin Deutscher Jahrgangsmeister über 200m Schmetterling und gewann dazu die Silbermedaille über 100m Schmetterling, womit er sich für die Jugend-Europameisterschaften in Helsinki qualifizierte.

Knappe vier Wochen später verletzte sich Lukas an gleicher Stelle bei den Offenen Deutschen Meisterschaften beim Einschwimmen, als ihm eine Schwimmerin unglücklicherweise auf den Kopf sprang und er sich einen Trommelfellriss zuzog. Eine längere Trainingspause war die Folge. "Das war eine ganz blöde Kiste. Ich hatte mich bis dahin sehr gut vorbereitet. Der Trainingsausfall wegen des Trommelfellrisses zog sich aber leider eine Weile hin. Für das verletzte Ohr musste eigens ein Stopfen angefertigt werden, was ebenfalls einige Zeit kostete. Von einer optimalen JEM-Vorbereitung konnte so keine Rede mehr sein. Das war auch eine nervliche Belastung. Schließlich hatte ich ein Jahr lang auf die JEM hingearbeitet", erinnert sich Lukas an seine schwärzesten Stunden im Jahr 2010, was das Schwimmen angeht.

Seinen Traum von einem JEM-Finale konnte sich Lukas unter diesen Umständen leider nicht erfüllen. In seinen drei Einzelrennen in Helsinki über 100 und 200m Schmetterling, sowie über 100m Rücken schied er jeweils im Vorlauf aus. "Mit einer besseren Vorbereitung hätte das ganz anders laufen können", glaubt Lukas. Das man ihn aber durchaus als ein "Stehaufmännchen" bezeichnen kann, bewies er bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften Mitte November in Wuppertal. Über 200m Schmetterling erreichte er das A-Finale, in dem er Platz acht belegte.

Lukas Nattmann

Darüber hinaus stand er über 100 und 200m Rücken, sowie über 100m Schmetterling im B-Finale, wo er über 100m Rücken und 100m Schmetterling jeweils als Fünfter anschlug und über 200m Rücken Vierter wurde. Mit 1:59,90 Minuten (200m Rücken) und 1:59,62 Minuten (200m Schmetterling) blieb er dabei erstmals bei diesen Strecken unter der Zweiminutenmarke. "Das war schon eine Hausnummer. Überhaupt war die Kurzbahn-DM ein großer Schritt in meiner Entwicklung", sagt Lukas.

Sportarten hat Lukas Nattmann früher einige ausprobiert. Er hat Erfahrungen mit Judo, Badminton, Leichtathletik und Basketball gemacht, hätte aber auch gerne Handball und Volleyball gespielt. Im Fernsehen sieht er in der Hauptsache gerne Schwimmen, aber auch alles, wo eine deutsche Nationalmannschaft beteiligt ist. Seine ersten Schritte im Wasser machte Lukas Nattmann, der bei Bayer Wuppertal in der ersten Trainingsgruppe von Farshid Shami trainiert, im Alter von vier Jahren bei der DLRG im niederrheinischen Willich, wo er auch heute noch wohnt.

War dort das Schwimmen mit einem Aufwand von einer Stunde wöchentlich noch mehr Spaß, änderte sich das, als er mit elf Jahren zum SV Bayer Uerdingen kam und Schwimmen für ihn zum Leistungsport wurde. 2006 wechselte Lukas den Bayer-Standort und gehört seit dem der Wuppertaler Schwimmabteilung an. Das er täglich von Willich nach Wuppertal zum Training und zur Schule fahren muss, nimmt Lukas gerne auf sich. Rund vierzig Minuten benötigt er für eine Strecke (ca. 60 Kilometer).

Seit er achtzehn ist fährt er selbst mit dem Auto, davor chauffierten ihn seine Eltern. "Ich bin wohl derjenige in meiner Trainingsgruppe, der morgens als erster aufsteht und abends als letzter wieder zu Hause ist", schmunzelt Lukas Nattmann. Wenn er, wie geplant im nächsten Jahr nach dem Abi in Wuppertal studiert, kann er sich vorstellen auch dort seinen Wohnsitz zu nehmen. Bisher kennt er sich in der Stadt nicht aus. "Ich kenne von Wuppertal nur den Weg von der Schwimmhalle zu Mc Donalds und Burger-King", gibt Lukas zu.

Lukas Nattmann

Was er genau studieren will, weiß er noch nicht, kann sich aber vorstellen, dass es in den Bereich Naturwissenschaften und Bio-Chemie geht. Die bevorzugten Schwimmdisziplinen von Lukas Nattmann sind Schmetterling und Rücken und hier besonders die 200 Meterstrecken. "Mir gefällt es aber, ab und an mal eine andere Lage auszuprobieren. Vor allem, wenn man sie lange nicht geschwommen ist. Wenn man dann seine Bestzeiten um vier, fünf Sekunden verbessern kann, ist das eine witzige Sache. Mit Rücken und Schmett als Hauptlagen bin ich aber gut bedient", sagt Lukas.

In diesen Lagen feierte er auch seine größten Erfolge. Er ist vielfacher SV NRW-Jahrgangsmeister, wobei er seinen ersten Landestitel (200m Rücken) 2004 in seinem ersten Jahr bei Bayer Uerdingen holte. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften sammelt Lukas Nattmann seit vier Jahren Titel. Bei seinen ersten Deutschen Meisterschaften 2006 waren es gleich drei Stück (50, 100, 200m Rücken).

Insgesamt wurde er bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften sechsmal mit Gold dekoriert, wobei er seinen ersten Sieg in einer Schmetterlingdisziplin erst in diesem Jahr über 200m feierte. Davor war er immer über Rücken Schnellster seines Jahrgangs. Im SV NRW gehört er dem Perspektivkader an, für 2011 hat er den Aufstieg ins NRW-Top-Team angestrebt. "Auf nationaler Ebene ist es mein kurzfristiges Ziel, mich langsam an die Nationalmannschaft heranzuschleichen. Langfristig ist die Teilnahme an Olympischen Spielen ein Ziel. Dafür werde ich hart trainieren", sagt Luks zu seinen Plänen.

Sportliche Vorbilder hat der Liebhaber von Fleisch, Nudeln, Pizza und üblichem Fast-Food keine. "Ich versuche möglichst selbst alles perfekt durchzuziehen, was aber nicht immer gelingt. Es gibt aber Leute, die gefallen mir von ihrem Auftreten her, wie beispielsweise Diskus-Weltmeister Robert Harting, wobei ich seine kuriosen Andeutungen zu Dopingopfern in der DDR aber nicht teile", erzählt Lukas. Hobbys neben dem Schwimmen hat Lukas Nattmann ebenfalls keine. "Mein Hobby ist das Schwimmen. Daher kann ich mich auch nicht beschweren, dass ich für andere Sachen keine Zeit habe", erklärt Lukas, der ehrgeizige und von sich selbst überzeugte Menschen mag, undankbare Zeitgenossen aber gar nicht ausstehen kann.

Peter Kuhne

Context Column