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Sportlerportrait 03/2012 — Philip Lücker: Nach Thomas Rupprath hat Neuss wieder ein Aushängeschild im Schwimmen

Philip Lücker

Neuss und Schwimmen. Wer zwischen der Stadt am Rhein und dem Schwimmsport einen Zusammenhang sucht, dem fällt zu aller erst ein Name ein. Thomas Rupprath. Der 77-fache Deutsche Meister und vielfache Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, in Neuss geboren, begann seine beispielhafte Karriere bei der SG Neuss. Nach seinem Weggang aus einer der ältesten Städte Deutschlands die auf eine römische Vergangenheit zurück blicken kann, war es lange Zeit still bei der SG Neuss.

Doch jetzt hat der Schwimmsport in Neuss wieder ein neues Aushängeschild. Philip Lücker, geboren am 6. April 1994 in Bergheim schickt sich an, in die Fußstapfen seines berühmten Vorgängers zu treten. Der 18-jährige schaffte 2012 endgültig den Sprung in die nationale Spitze. Vorläufiger Höhepunkt seines rasanten Aufstiegs waren dabei die Teilnahme an den Jugend-Europameisterschaften in Antwerpen und sein vierter Platz im offenen Finale der Deutschen Meisterschaften in Berlin über 200m Schmetterling.

Der in Holzbüttgen, einem Stadtteil von Karst beheimatete Philip Lücker, der in Meerbusch die 13. Klasse der Maria-Montessori-Gesamtschule besucht, begann seine Schwimmlaufbahn im Alter von sechs Jahren bei einem der Trägervereine der SG Neuss, der TG Neuss. "Meine Eltern wollten, dass ich neben der Schule auch Sport treiben sollte. Ich habe in der Folge einiges probiert, Schwimmen hat mir aber am besten gefallen", erzählt Philip, wie er zum Schwimmsport gefunden hat. Wäre er nicht Schwimmer geworden, würde er eine Ball- und Teamsportart, wie zum Beispiel Fußball, Volleyball oder Basketball betreiben. Was er nicht machen würde wäre Reiten und wie er scherzhaft hinzufügt Ballet.

Von 2006 bis 2007 gab er ein kurzes Gastspiel bei der SG Essen. "Ich wollte Schule und Sport besser unter einen Hut bringen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Essen aber leider noch kein Vollzeitinternat, sondern nur ein Halbinternat. Die Kombination, die mich eigentlich am meisten interessiert hat, funktionierte somit noch nicht und so bin ich nach einem halben Jahr schon wieder auf meine alte Schule gegangen. Die Hin- und Her Fahrerei war anschließend aber doch zu aufwendig. Jetzt gibt es zwar in Essen das Vollzeitinternat. Ich sage aber mal, Neuss ist für mich attraktiver, da es in der Nähe meiner Wohnung ist. Solange das hier funktioniert und ich so super von meinem Verein unterstützt werde wie bisher, lohnt es sich nicht, noch einmal den Verein zu wechseln", sagt Philip.

Seit einem Jahr ist Klaas Focken sein Trainer, mit dem er hervorragend zurecht kommt und auch die Unterstützung des Vorsitzenden der SG Neuss, Siegfried Willecke, lobt Philip Lücker über den grünen Klee. Nach seinem sportlichen Vorbild gefragt, nennt natürlich Philip in erster Linie Thomas Rupprath, der wie er selbst auf den Schmetterlingsdisziplinen zu Hause war. "Ich will an die Erfolge von Thomas anknüpfen. Das Knacken seiner noch bestehenden Vereinsrekorde habe ich mir fest vorgenommen", lautet eins der Ziele von Philip. Einen Veranstaltungsrekord von Thomas Rupprath beim Schwimmfest der TG Neuss, nämlich über 100m Rücken, hat Philip seinem Vorbild vor einigen Wochen bereits abgenommen.

Ein weiteres Vorbild ist für ihn der Amerikaner Michael Phelps. "Michael ist ein großer Sportler und er kann auch bei dem was er erreicht hat für nicht Schwimmer ein Idol sein", meint Philip. Warum Schmetterling seine Hauptlage ist, weiß Philip gar nicht so genau. "Eigentlich finde ich es doof Schmetterlingsschwimmer zu sein. Das Training ist immer so hart. Andere sagen jedoch, es sieht ziemlich cool aus. Irgendwie hat sich das wohl alles wie von selbst für mich ergeben", erklärt Philip Lücker.

Philip Lücker

Seit 2008 sammelt er auf SV NRW-Ebene Jahrgangstitel am laufenden Band. In der offenen Klasse kam er hingegen meist als Zweiter ins Ziel. "Am Anfang war über meine Hauptdisziplin den 200m Schmetterling Melvin Herrmann aus Dortmund schneller und zuletzt war es Marius Kusch aus Essen, an dem ich nicht vorbei kam", erzählt Philip.

Bei DSV-Jahrgangsmeisterschaften hatte Philip in den letzten zwei Jahren aber kaum jemanden zu fürchten. 2011 wurde er Deutscher Jahrgangsmeister über 50m und 100m Schmetterling. Über 200m Schmetterling wurde er Vizemeister. In diesem Jahr gewann er die Titel über 100m und 200m Schmetterling.

2012 konnte sich Philip bei Deutschen Meisterschaften auch in der offenen Klasse etablieren. In Berlin erreichte er das Finale über 100m Schmetterling, wo er in 53,95 Sekunden Siebter wurde. Über 200m Schmetterling schwamm er als Vierter in 2:00,57 Minuten nur knapp an einer Medaille vorbei. Seine hervorragenden Leistungen in Berlin führten zwangsläufig zur Nominierung für die Jugend-Europameisterschaften in Antwerpen. Auch hier zeigte sich Philip Lücker von seiner besten Seite. In jedem seiner drei Einzelwettbewerbe stand er im Finale. Hier wurde er über 50m Schmetterling in 24,51 Sekunden Fünfter, über 100m Schmetterling belegte er in 54,03 Sekunden Platz sechs und über 200m Schmetterling wurde er in 2:00,47 Minuten Achter.

"Ich war mit meinen Ergebnissen bei der JEM sehr zufrieden. Das ich in alle Finals gekommen bin, war schon einmal Top. Außerdem bin ich über zwei Strecken neue Bestzeit geschwommen", sagt Philip. Die JEM in Antwerpen bezeichnet er auch als sein bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport. "Das war mit keinem anderen Wettkampf bisher zu vergleichen. Sich auf internationaler Ebene mit Europas Top-Leuten messen zu können, ist schon einmalig. Aber auch die offenen Finals bei der DM waren ein cooles Erlebnis, besonders, wenn man sich anschließend selbst im Fernsehen sehen kann", erzählt Philip.

In diesem Jahr will Philip Lücker, dessen Lieblingsspeise Pizza ist ("Davon könnte ich mich ernähren") auch bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal ein oder mehrere Finals der offenen Klasse erreichen, obwohl er eigentlich die Langbahn lieber mag, als das kurze Becken. Auf der Langbahn möchte er gerne im nächsten Jahr über 200m Schmetterling in der offenen Klasse eine Medaille holen und seine Jahrgangstitel aus 2012 verteidigen. Langfristig peilt Philip Lücker die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro an.

Philip Lücker

Ein Sprungbrett hierfür soll das "Junior-Top-Team" des SV NRW sein, in das er neben zehn anderen NRW-Nachwuchsathleten berufen wurde und von dem er sich viel erwartet. "Das Junior-Top-Team ist eine super Idee. Vor allem, dass es gleich mit Super-Aktivitäten, wie das Trainingslager in Shanghai losgeht. Ich sehe damit eine ordentliche Unterstützung des SV NRW auf uns zu kommen, die wir aber auch brauchen. Zu diesem Team zu gehören motiviert alle die da drin sind sehr und jeder wird alles daran setzen in diesem Kader zu bleiben.", steht Philip voll hinter dem neuen Projekt des SV NRW.

Wenn Philip Lücker 2013 seine Schulausbildung mit dem Abitur abschließt, möchte er gerne Lehrer für die Fächer Sport und Mathematik werden. In seiner Freizeit trifft er sich gerne mit Freunden, mit denen er alle möglichen Arten von Sport treibt. Mit seinen Freunden geht er auch gerne ins Kino oder man trifft sich in gemütlicher Runde zum Grillen oder nur zur einer "Quatschrunde". Einem Strandurlaub im Süden ist Philip, der gerne einmal nach Dubai reisen möchte, ebenfalls nicht abgeneigt. Wer Philip Lücker einmal kennen gelernt hat, nimmt ihm seine beiden Lebensmottos, die da lauten: "Full down seven times, stand up eight" und "Think training's hard? Try losing" hundertprozentig ab. Sportlich erreicht hat er auf jeden Fall schon eins. Im direkten Altersvergleich sind seine Zeiten besser als die seines Vorbildes Thomas Rupprath.

Peter Kuhne

Context Column