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Sportlerportrait 01/2011 — Alina-Noreen Linneweber: Der Blick geht nach vorne - Resignation ein Fremdwort für die Hammerin

Alina-Noreen Linneweber

Mit der Stadt Hamm, am Ostrand des Ruhrgebiets gelegen, verband ich bisher einen Umsteigebahnhof, auf dem ich in den 60'iger Jahren bei meinen Ferienreisen in den Norden sehr lange Aufenthaltszeiten verbringen musste. Später dann in meinem Berufsleben als Schadensachbearbeiter in der Haftpflicht-Versicherung kam hinzu, dass ich mich bei der Schadenregulierung sehr oft auf Grundsatzurteile des Oberlandesgerichtes Hamm, übrigens das größte in Deutschland, zu beziehen hatte.

Und jetzt verbinde ich mit Hamm auch eine Schwimmerin, Namens Alina-Noreen Linneweber, die in den letzten Jahren zu einer echten Leistungsträgerin unseres Landesverbandes wurde und in der Auswertung der Jugendschwimmerin des Jahres 2010 im SV NRW den zweiten Platz belegte. Alina-Noreen Linneweber, bei der wir uns im weiteren Verlauf dieses Portraits auf den Vornamen Alina beschränken, ist ein echtes Kind der 182.000 Einwohner zählenden Lippestadt Hamm.

Alina wurde am 31. Mai 1994 in Hamm geboren, wo sie auch heute noch wohnt und die zehnte Klasse einer Hauptschule besucht. Schwimmsport betreibt Alina seit ihrem fünften Lebensjahr. Ihr erster Verein war Rote Erde Hamm. 2006 wurde aus dessen Schwimmabteilung das Maxi Swim-Team Hamm, dem Alina seit Anfang an angehört. Einen Vereinswechsel hat sie nie in Erwägung gezogen. "Am Maxi Swim-Team Hamm gefällt mir besonders der Teamgeist. Alle hier sind nett, freundlich und unterstützen einen nach Kräften, wenn man mal Hilfe braucht. Wir sind hier wie eine richtige Familie", singt Alina ein Loblied auf ihren Verein.

Von zu Hause ist sie nur bedingt sportlich vorbelastet. Ihre 19-jährige Schwester ist beim Maxi Swim-Team Hamm als Trainerin einer Aufbaumannschaft tätig, ihre Mutter hat früher Volleyball gespielt. Volleyball wäre für Alina auch die Sportart, die sie betreiben würde, wenn sie nicht Schwimmerin geworden wäre. "Ich mag Mannschaftsport, darum schwimme ich auch so gerne Staffeln und die DMS", sagt Alina. Direkte sportliche Vorbilder hat sie nicht. "Ich möchte mein eigenes Ding durchziehen und mich nicht an anderen orientieren", erklärt Alina, die natürliche, freundliche und hilfsbereite Menschen schätzt, um arrogante, eingebildete und wie für den Laufsteg aufgetakelte Typen jedoch einen großen Bogen macht.

Alina Linneweber

n ihrer Freizeit unternimmt sie gerne etwas mit Freunden. Kinobesuche und in die Stadt gehen, wobei Cappuccino trinken und Kuchen essen nicht fehlen sollte, steht dann auf ihrem Programm. Alinas bevorzugte Schwimmdisziplinen sind Schmetterling und Freistil von 50 bis 200 Meter, wobei sie die 100 Meterstrecken am meisten mag. Ihren ersten NRW-Jahrgangstitel holte sie im Jahr 2008 allerdings über 800m Freistil.

Wie viele NRW-Jahrgangsmeisterschaften sie bisher insgesamt gewann, kann sie nicht genau sagen, aber da sind bisher schon jede Menge Goldmedaillen zusammengekommen. Allein im vergangenen Jahr 2010 gewann Alina neun !!! Jahrgangstitel (fünf auf der Lang- und vier auf der Kurzbahn). Auch in der offenen Klasse schwamm die 16-jährige 2010 schon ganz oben mit. Bei den Langbahnmeisterschaften gewann sie drei Bronzemedaillen.

Die 50m-Bahn liegt ihr übrigens mehr als die Kurzbahn. "Ich schwimme die Langbahn lieber, weil man da nicht so viele Wenden machen muss, denn die sind bei mir sehr lahmarschig", beichtet uns Alina. Auch auf DSV-Ebene konnte Alina schon einige Glanzlichter setzen. Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2008 gewann sie über 50 und 100m Freistil jeweils die Bronzemedaille. 2009 gelang ihr das über 50 und 100m Schmetterling, sowie über 400m Lagen. Ihren größten Erfolg bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften feierte Alina dann 2010, wo sie über 200m Schmetterling die Silbermedaille gewann. Diesen Erfolg bezeichnet Alina neben ihren drei Bronzemedaillen in der offenen Klasse 2010 bei den NRW-Meisterschaften als ihre schönsten bisherigen Erlebnisse im Schwimmsport.

Als peinlichstes Erlebnis nennt sie ein doppeltes "Kunststück" aus dem Jahr 2008, wo sie über 200m Lagen sowohl bei den NRW- als auch bei den Deutschen Meisterschaften wegen eines Frühstarts disqualifiziert wurde. Die Qualifikation für eine JEM hat Alina leider in den beiden letzten Jahren verpasst. "2009 fehlte mir eine knappe Sekunde. Ich habe aber nach vorne geschaut und es 2010 noch einmal probiert. Da war ich jedoch nicht gut drauf und es hat wieder nicht gereicht. 2010 war es aber auch sehr schwer. Wenn man zum Beispiel innerhalb kürzester Zeit dreimal hintereinander 200m Schmetterling schwimmen muss, ist das schon sehr hart", meint Alina.

Ihrer Leistungsbereitschaft hat die verpasste JEM-Qualifikation nichts anhaben können. "Ich bin sehr ehrgeizig. Ich gebe immer hundert Prozent. Auch wenn ich hinten dranhänge, lege ich noch einmal ne Schippe drauf, anstatt zu resignieren. Überhaupt will ich immer schneller werden und meine beste Leistung bringen, damit auch mein Trainer stolz auf mich sein kann", sagt Alina. Für dieses Jahr hat sich Alina-Noreen Linneweber vorgenommen, bei NRW-Meisterschaften auch einmal in der offenen Klasse Gold zu gewinnen. "Bronze habe ich so langsam satt, jetzt muss mal eine andere Farbe ran", kündigt Alina an.

Alina Linneweber (mitte)

Auch bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2011 will sie angreifen, obwohl sie in ihrem Jahrgang und in ihren bevorzugten Disziplinen mit der Pforzheimerin Silke Lippok und der Leipzigerin Juliane Reinhold scheinbar unüberwindliche Konkurrenz vor der Brust hat. "Die sind schon sehr stark. Ich sage mir aber immer, nichts ist unmöglich und versuche es weiter", macht Alina in Optimismus.

Ihre berufliche Zukunft sieht Alina ebenfalls im Bereich Schwimmen. Ihr Wunsch wäre es, in einem Bäderbetrieb zu arbeiten zu können, um auch in ihrem Berufsleben ihrem Lieblingselement Wasser so nah wie möglich zu sein. Dass die Liebhaberin von Spaghetti-Bolognese in Hamm längst keine Unbekannte mehr ist ergibt sich auch daraus, dass sie bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres 2010, einem sportlichen und gesellschaftlichen Großereignis in der Lippestadt, mit 7,1 % der Stimmen den fünften Platz belegte. "Die Nominierung zur Wahl der Sportlerin des Jahres ist eigentlich das Höchste, was man als Sportler im Moment in Hamm erreichen kann. Ich sehe das auch als Ansporn, weiter zu machen und meine Stadt und meinen Verein in Zukunft weiterhin gut zu präsentieren", sagt Alina.

Wenn das so ist, werden wir im SV NRW an Alina-Noreen Linneweber künftig noch viel Freude haben.

Peter Kuhne

Context Column