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Sportlerportrait 05/2007 — Lisa Marie Köhnen: Kilometerfressen im Wasser und an Land

Lisa Marie Köhnen

Schaut man sich ältere Wettkampfprotokolle an, erscheint die Schwimmein, von der hier die Rede ist, immer mit dem Vornamen Lisa. Das änderte sich im Jahr 2006, da wurde aus der Lisa plötzlich Lisa Marie. Wie das kommt, erklärt Lisa Marie Köhnen, die wir hier näher vorstellen wollen so: "Als ich letztes Jahr zur SG Bayer nach Wuppertal wechselte, kam mein Trainer Henning Lambertz darauf, dass ich eigentlich Lisa Marie heiße.

Da es in meiner Trainingsgruppe mit Lisa Mareike Pohl eine weitere Schwimmerin mit zwei Vornamen gab, hat er entschieden uns künftig nur beim Doppelnamen zu nennen". So einfach ist das. Lisa Marie Köhnen wurde am 01.10.1991 in Köln geboren und wohnt in Quadrath-Ichendorf, einen Steinwurf von der Michael-Schumacher-Kartbahn in Kerpen entfernt. Schwimmsport betreibt sie seit ihrem sechsten Lebensjahr und zwar zunächst für die Farben des 1. FC Quadrath-Ichendorf. In diesem Verein ist auch Lisa Maries Bruder Tim zu Hause. Den Anstoß zum Schwimmen bekam Lisa Marie durch ihre Mutter, die eine erfolgreiche Wasserballerin war. "Meine Mutter hat mich als Kind immer zu Wasserballturnieren mitgenommen. Durch sie habe ich den Spaß am Schwimmen entdeckt", sagt Lisa Marie.

Ihre Mutter Heike Köhnen ist auch heute noch dem Wasserball stark verbunden. Im DSV ist sie als Managerin für die Frauen-Nationalmannschaft tätig. Obwohl Wasserball im Hause Köhnen eine große Rolle spielt (auch Vater Harald jagt gelegentlich dem gelben Ball hinterher und auch Bruder Tim hat bereits Wasserball-Erfahrungen sammeln können) ist Wasserball für Lisa Marie Köhnen kein Thema. "Ich habe das zwar mal ein bisschen probiert, aber festgestellt, dass das nichts für mich ist.

Lisa Marie Köhnen

Mir ist das Bahnenziehen lieber, als mich im Becken um einen Ball zu kloppen", stellt Lisa Marie klar. Das Schwimmen als Leistungsport betreibt sie seit dem zwölften Lebensjahr. Aus diesem Grund hat sie sich auch von ihrem Pferd getrennt. Im Jahr 2006 verließ sie nach einigen sportlich erfolgreichen Jahren den 1. FC Quadrath-Ichendorf und schloss sich der Wuppertaler Fraktion der SG Bayer Wuppertal/ Uerdingen/ Dormagen an.

Noch im Schwimmdress von Quadrath-Ichendorf feierte Lisa Marie allerdings ihre bis Dato größten Erfolge. 2005 wurde sie bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin über mehrere Strecken Vierte. 2006 gewann sie dann den SV-NRW-Jahrgangstitel über 800m Freistil und was noch mehr glänzt auch die Goldmedaille über diese Strecke in der offenen Klasse. Das alles fand im Frühjahr des Jahres 2006 statt. Der Rest des Jahres 2006 war für Lisa Marie nicht mehr von Erfolg gekrönt. "Es lief gar nichts mehr. Da ging alles in die Hose, was in die Hose gehen konnte", sagt Lisa Marie zu einem der bisher dunkelsten Kapitel ihrer Karriere.

In Quadrath-Ichendorf kam sie nicht mehr zu recht. "Das Umfeld stimmte nicht mehr, zudem war ich faul und hatte keine Lust zu trainieren. Ich machte grundsätzlich alles anders, als das was mein Trainer sagte", gibt Lisa Marie freimütig zu. Die Quittung kam probt bei den Wettkämpfen. Eine Lisa Köhnen tauchte in den Siegerlisten des zweiten Halbjahres 2006 nicht mehr auf. Die Wende erhoffte sie sich vom Wechsel vom Rhein an die Wupper zu Henning Lambertz.

"Ich wollte zu einem großen Verein, wo auch Leute sind, die schon bei Europa- und Weltmeisterschaften geschwommen sind und die daher Erfahrung haben. Von dieser Erfahrung will ich profitieren", nennt Lisa Marie den Hauptgrund für ihren Tapetenwechsel. Hierfür nimmt sie einem gewaltigen Aufwand in Kauf, denn sie wohnt noch in Quadrath-Ichendorf und besucht auch in Kerpen-Horrem die neunte Klasse der Mädchenrealschule, die sie im nächsten Jahr ohne dass sie jetzt schon einen nachfolgenden Berufswunsch nennen kann, abschließt.

Lisa Marie Köhnen

Dieses Pensum nimmt sie aber gerne in Kauf. "Ich motiviere mich für diesen Aufwand durch die Ziele, die ich mir gesetzt habe", sagt Lisa Marie. Und diese Ziele sind hochgesteckt. Die Olympischen Spiele 2012 in London sollen möglichst mit Lisa Marie Köhnen stattfinden. Mit derzeit durchschnittlich neun Trainingseinheiten pro Woche setzt sie momentan den Grundstein für ihren großen Traum. Ihre Lieblingsdisziplinen sind die 400 und 800m Freistil, sowie die 400m Lagen.

Als ihr Vorbild nennt die Rheinländerin Franziska van Almsick und den Amerikaner Michael Phelps. "So erfolgreich möchte ich auch gerne mal sein", sagt sie. Das sie für ihren Traum noch hart arbeiten muss, ist Lisa Marie ganz klar bewusst. "Ich habe 2006 vielleicht ein bisschen wenig trainiert. Aber seit dem Trainingslager über Ostern mit Bayer bin ich richtig aufgeblüht. Seitdem kann ich es kaum erwarten, zum Training zu gehen. Das liegt auch daran, dass ich in Wuppertal die beste Trainingsgruppe gefunden habe, die ich je hatte", gerät Lisa Marie ins Schwärmen über ihre neu entdeckte Motivation.

Es ist ihr zu wünschen, das es so bleibt. Bei ihrem gewaltigen Aufwand, den sie betreibt, bleibt ihr unter der Woche keine Zeit für Hobbys. Wenn es ihr möglich ist, kommuniziert sie im Internet mit ihren Freunden. Und wenn sie mal Samstags keinen Wettkampf hat, geht sie auch gerne mit ihrer Mutter shoppen. "Da können wir schön tratschen und finden auch meist etwas schönes zum kaufen", schmunzelt Lisa Marie.

Überhaupt ist es ihre Familie und insbesondere ihre Mutter, die das Umfeld schaffen, damit sie Wohnort und Schule in Kerpen, sowie Training in Wuppertal miteinander verbinden kann. "Ohne sie wäre das alles nicht möglich, dafür bin ich unheimlich dankbar", sagt die eigentlich immer gut gelaunte Lisa Marie, die Tortellini als ihre Lieblingsspeise nennt, an einem Stück Schokolade aber ebenfalls nicht gerne vorübergeht.

Peter Kuhne

Context Column