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Sportlerportrait 02/2017 – Alexander Eckervogt: Münster im Herzen – neue sportliche Ziele an der Ruhr

Alexander Eckervogt im März 2017 noch im Dress der SG Schwimmen Münster

 

Fotos/Bericht: © Peter Kuhne

Alexander Eckervogt, von dem in diesem Sportlerportrait die Rede ist, kenne ich, seit er im Jahr 2012 erstmals bei SV NRW-Meisterschaften startberechtigt war. Übersehen konnte ich den gebürtigen Münsteraner in den Schwimmbädern, in denen wir uns begegneten, dabei von Anfang an nie. Seine Konkurrenten, mit denen er sich im Jahrgang 2000 zu messen hatte, überragte Alexander in Bezug auf Körpergröße nämlich seit frühester Jugend deutlich. Auch heute noch zählt er noch zu den „längsten Kerls“, die sich bei einem Wettkampf auf der Startbrücke einfinden. „Das ich schon immer größer als die anderen war, hat mir auf jeden Fall einen Vorteil verschafft. Das gleicht sich mittlerweile aber an, was auch daran liegt, dass die anderen trainingsmäßig deutlich aufgeholt haben, während ich in Münster mein Training nicht mehr wirklich steigern konnte“, sagt Alexander. Die Trainingssituation in seiner Geburtsstadt, wo er am 19. Januar 2000 das Licht der Welt erblickte, ist dann auch ein Hauptgrund dafür, dass er nach den Sommerferien seinen Stammverein, die SG Schwimmen Münster, für die er seit 2007 schwimmt und in den letzten Jahren von Susanne Rellensmann trainiert wurde, verlässt, und künftig für die SG Essen startet. „Wir haben hier kein festes Trainingsbad und dann auch nur 25 Meterbahnen. Das einzige Bad, das eine 50 Meterbahn hat ist ein Freibad, das wir nur im Sommer nutzen können. Aus diesem Grund haben schon einige vor mir den Schritt eines Vereinswechsels vollzogen. Aktuell ist die Situation so, dass ich bezogen auf die Strecken, die ich schwimme, in meiner Trainingsgruppe ziemlich alleine bin. Durch den Wechsel nach Essen mit den dortigen besseren Trainingsbedingungen und einer starken Trainingsgruppe hoffe ich, dass ich mich stärker verbessern kann, als das in Münster möglich wäre“, begründet Alexander Eckervogt den Wechsel zum Top-Club unseres Landesverbandes, der ihm gewiss nicht leichtfällt.

Wenn Alexander, den alle nur „Ecki“ nennen seinen sportlichen Mittelpunkt auch nach Essen verlegt, bleibt er seiner Heimatstadt Münster aber mit dem Herzen weiter eng verbunden. „Ich bin stolz Münsteraner zu sein“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Besuchern würde er als Erstes die einzigartige, historische Innenstadt zeigen und ihnen von der bewegten Geschichte der Stadt erzählen, die auch als die Fahrradhauptstadt Deutschlands gilt. Laut Umfragen besitzen nur 7 % der ca. 310.000 Münsteraner kein Fahrrad. Es bedarf keiner Frage, dass auch Alexander ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer ist. Er besitzt ein Rennrad, mit dem er viel unterwegs ist.

Letzter großer Erfolg von Alexander Eckervogt (unten rechts) mit der SG Schwimmen Münster war Anfang diesen Jahres der Aufstieg in die 2. Bundesliga bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften

Aktiv Schwimmsport betreibt Alexander seit er im Jahr 2007 bei der SG Schwimmen Münster an einer Talentsichtung teilgenommen hat. Wann er schwimmen gelernt hat, weiß er nicht mehr so ganz genau. „Zumindest habe ich Schwimmen mithilfe eines Nachbarn gelernt, den ich immer Opa genannt habe, obwohl er gar nicht mein richtiger Opa war“, erinnert sich Alexander. Dass er sich für das Schwimmen als Leistungssport entschieden hat, hat sich für ihn, obwohl er noch am Anfang seiner Karriere steht, bereits mehr als gelohnt.
Beeindruckend ist bis Dato die Anzahl der Titel, die er schon auf Ebene des SV NRW und des DSV gewonnen hat. Bei SV NRW-Jahrgangsmeisterschaften, für die er seit 2012 startberechtigt ist, sammelte er bislang 41! Titel, davon allein 39 auf der Langbahn, wobei er hier unter anderem in den Jahren 2012 und 2014 alle Freistilstrecken gewann. Sein erfolgreichstes Jahr war 2015, wo er zehn von sechzehn möglichen Titeln einheimste. Total erfolgreich verliefen auch Alexanders Auftritte bei DSV-Jahrgangsmeisterschaften, an denen er seit 2012 teilnimmt. 2012 gewann er die Silbermedaille im Rückenmehrkampf, ein Jahr später holte er Gold im Freistilmehrkampf. Anschließend gewann er von 2014 bis 2017 bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 16 Medaillen (9 Gold, 5 Silber, 2 Bronze). Bisheriger Höhepunkt bei seiner Medaillenjagd auf DSV-Ebene war zweifelsfrei das Jahr 2014, wo er fünf Titel (100m, 200m, 400m 1500m Freistil, sowie 200m Rücken) gewann und zudem über 50m Freistil Bronze holte. In diesem Jahr verliefen seine Auftritte bei den DJM leider nicht so erfolgreich wie gewohnt. Kurz vor den Titelkämpfen wurde Alexander krank, was ihn aber nicht von einem Start abhielt. Trotz dieses Handicaps brauchte er aber nicht ohne Edelmetall im Gepäck die Heimreise anzutreten. Über 400m Freistil gewann er Silber und über 200m Freistil Bronze. Seine Erkrankung erwies sich als Pfeiffersches Drüsenfieber, darum musste Alexander auch seine geplanten Starts bei den offenen Deutschen Meisterschaften absagen.
Im nächsten Jahr will Münsters Junior-Sportler des Jahres 2015 wieder angreifen. „2018 bin ich noch einmal JEM-Jahrgang. Hierfür möchte ich mich unbedingt qualifizieren“, gibt sich Alexander kämpferisch. Was fernere Ziele angeht, gibt er sich noch bedeckt. „Natürlich steht Olympia über allem, das ist ja wohl bei jedem so. Ob das klappt weiß man nicht, aber man hat das immer irgendwie im Hinterkopf“, äußert er sich zu diesem Thema mit großer Zurückhaltung.

Alexander Eckervogt: Immer einen Kopf größer als die Konkurrenz. Hier bei einer Siegerehrung im Jahr 2014

Alexanders Lieblingsstrecken sind die 200m und 400m Freistil. „Hierauf konzentriere ich mich in erster Linie. Ich schwimme auch die ganz langen Freistilstrecken, die aber nicht so gerne. Mit dem Rückenschwimmen ist es ein bisschen weniger geworden, ich habe das aber noch nicht ganz verdrängt. Delphin ist hingegen generell nicht so meine Lage. Brust ist zwar o.k, über allem aber steht Kraul“, berichtet uns Alexander.
Mit etwas mehr Training wäre für Alexander auch Freiwasserschwimmen ein Thema. Er hat sich auf diesem Gebiet auch schon versucht, in letzter Zeit ist Freiwasser aber wieder in den Hintergrund getreten. Ein direktes Vorbild in der Schwimmszene hat er nicht, bewundert an andern Schwimmern lediglich einige von deren Eigenschaften. Sein sportliches Vorbild kommt hingegen aus einer Sportart, die rein gar nichts mit Schwimmen zu tun hat. „Da gibt es einen American-Footballspieler. Der heißt Russel Wilson und ist Quarterback bei den Seattle Seahawks, die in den USA in der National-Football-League spielen. Den mag ich sehr, weil er so einen großen Ehrgeiz an den Tag legt. Er ist ein großer Kämpfer und gibt sich nie auf, auch wenn seine Mannschaft schon fast aussichtslos zurückliegt“, so Alexander, der bei diesen Worten auf das T-Shirt der Seattle-Seahawks zeigt, das bei unserem Gespräch trägt. Die Eigenschaften von Russel Wilson geben auch das wieder, was Alexander als sein eigenes Lebensmotto nennt. „Alles ist möglich, wenn man es will“, hat er sich auf seine Fahnen geschrieben.

Mit dem SV NRW JUNIOR-TOP-TEAM hat Alexander an zwei Premiummaßnahmen teilgenommen. 2015 ging es nach Belek in der Türkei, 2016 nach Stellenbosch in Südafrika. Das Trainingslager des JTT in diesem Jahr findet im chinesischen Shanghai statt. Hieran kann er zu seinem Bedauern nicht teilnehmen, da er vom DSV für diese Saison in deren Perspektivkader berufen wurde, der zum gleichen Termin ebenfalls eine Trainingsmaßnahme durchführt, die Vorrang hat.
Als sein bisher mit Abstand schönstes Erlebnis im Schwimmsport nennt Alexander die Reise mit dem DSV zur EYOF 2015 in Tiflis/Georgien. Auf ein peinliches Erlebnis kann er ebenfalls zurückblicken. „Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2014 war ich Favorit über 400m Freistil. Da habe ich im Vorlauf so gebadet, dass ich so gerade noch als Zehnter ins Finale gekommen bin. Das war schon sehr dumm von mir“, erinnert sich Alexander.

Gar nicht dumm hat er sich in diesem Jahr bei seinem Abitur angestellt, das er im Sommer am Rats-Gymnasium in Münster mit der Note 1,2 bestanden hat. Mit dieser Traumnote im Gepäck will er nun zunächst an der Universität Duisburg/Essen seinen Bachelor in Maschinenbau machen. Die Nähe dieser Uni zu seinem neuen Verein SG Essen kommt ihm hierbei sehr entgegen. „Anschließend möchte ich den Master in Luft- und Raumfahrtechnik machen“, so Alexander Eckervogt. Sein beruflicher Traum geht dabei in erster Linie in Richtung Entwicklung. Selbst fliegen, zumindest was das Weltall angeht, sieht er als sehr schwierig an. „Das liegt zum einen an meiner Körpergröße und auch daran, weil sich der Leistungssport auf mein Herz ausgewirkt hat, das durch den Sport vergrößert ist. Besonders in der Schwerelosigkeit im Weltraum kann es dadurch zur Herz-Rhythmusstörungen kommen“, erklärt uns Alexander.

Alexander Eckervogt bekennt sich auch äußerlich zu den Footballern der Seattle Seahawks

Bevor er zum Schwimmen kam, hat Alexander wie viele andere in jungen Jahren Fußball gespielt und das sogar im Verein (Münster 08). Eine Zeitlang hat er Schwimmsport und Fußball sogar parallel gemacht. Kurze Zeit war er auch beim Judo. Heute zählt er Basketball und Volleyball zu seinen weiteren sportlichen Vorlieben. „Meine Hobbys sind generell Sport. Wenn ich mich außerhalb des Schwimmtrainings mit meinen Freunden treffe, machen wir hauptsächlich Sport. Wir spielen dann Basketball, Volleyball oder auch Tennis“, sagt Alexander. Sportarten, auf die er nicht steht, sind Reiten oder Motorsport, was er damit begründet, dass es hier nicht nur auf die eigene Leistung, sondern auch sehr stark auf die des Pferdes oder Fahrzeuges ankommt.

Sport war in der Familie Eckervogt in Münster schon immer ein Thema. Alexanders Mutter ist ebenfalls geschwommen, allerdings nicht so lange und leistungsorientiert wie er. Seine jüngere Schwester Madelaine (15) hat sich dem Tanzsport verschrieben, wo ihr Schwerpunkt Hip-Hop ist. Reisen würde Alexander gerne einmal nach Island. Hieran interessieren besonders die einzigartige Natur mit den spektakulären Geysiren und Vulkanen. Größere Weltstädte findet er auch reizvoll, unbedingt hin muss er aber nicht. Glücklich machen kann man Alexander, wenn man ihm mit guter Laune begegnet. Aber auch wenn man ihm sein Lieblingsessen, Pfannkuchen mit Zimt und Zucker vorsetzt, erzeugt man bei ihm Glücksgefühle. Dinge, auf die er nicht verzichten kann, gibt es nach eigenem Bekunden keine. Wenn es ihm allerdings auf eine einsame Insel verschlagen sollte, würde er Badehose, Schwimmbrille und eine Sauerstoffflasche mitnehmen. Sein Traum ist es, dass er irgendwann einmal etwas erfinden würde, was die Welt besser macht. „Was Genaues habe ich da noch nicht im Kopf, es könnte aber in Richtung Nachhaltigkeit gehen“, erzählt Alexander. Ein besonders nachhaltiges Datum kann er sich bereits schon merken. Das ist der 20. März 2019. Da wird er nämlich genau 7000 Tage alt und kann an diesem Tag zumindest einen alternativen Geburtstag feiern.

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