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Sportlerportrait 04/2008 Katharina David: Eine Schwimmerin mit der Lizenz für gute Laune

Katharina David

Wenn Medaillen für das schönste Lächeln vergeben würden, wäre Katharina David von der SG Essen ein ganz heisser Kandidat für Gold. Überhaupt ist die 15-jährige ein Garant für gute Laune. "Ich lache gerne und gute Laune habe ich fast immer", sagt Katharina von sich selbst und gönnt mir, als sie diesen Satz ausspricht, ihr strahlendstes Lächeln.

Geboren wurde Katharina, die alle Welt nur Kathi nennen, am 20. März 1993 in Velbert. Seit ihrer Geburt lebt die Schülerin des Essener Helmholtz-Gymnasiums, wo sie die zehnte Klasse besucht, im niederbergischen Neviges. Als sie drei Jahre alt war, begann Katharina David beim SV Neviges, übrigens dem Heimatverein unseres Schwimmwartes Peter Blau, mit dem Schwimmsport. Ihre Aktivitäten waren anfangs noch zeitlich begrenzt. Nur einmal wöchentlich trainierte sie. Daneben gehörte zu ihren sportlichen Leidenschaften auch das Tennis spielen.

Diese Sportart würde Kathi nach eigenem Bekunden wohl auch heute noch ausüben, wenn ihr das Schwimmen mehr Zeit ließe. Tennis ist überhaupt in der Familie David sehr verbreitet. Beide Eltern und auch Kathis älterer Bruder schwingen regelmäßig das Racket, wobei Vater und Bruder in Neviges einem Verein angehören. Mit den Jahren konzentrierte sich Katharina David immer mehr auf den Schwimmsport und wechselte schließlich im Jahre 2003 zur SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen nach Wuppertal.

Hier intensivierte sie das Training und Bayer-Coach Henning Lambertz formte in den nächsten Jahren aus dem Nachwuchstalent Katharina David eine Spitzenschwimmerin. Die starke Bindung zu Henning Lambertz war dann auch Grund dafür mit ihrem Trainer im Anschluss an die diesjährige Sommersaison zur SG Essen zu wechseln. "Ich hatte unter Henning Lambertz gerade in diesem Jahr eine Supersaison mit der JEM-Teilnahme als Höhepunkt. Darum bin ich auch mit ihm nach Essen gegangen. Bei Bayer war ich aber auch sehr gerne und ich habe dort noch viele Freunde", sieht Kathi ihren Vereinswechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Ihrer Zukunft in Essen sieht sie zuversichtlich entgegen. "Hier kann man Schule und Verein sehr gut vereinbaren. Ab dem nächsten Februar gehe ich auf das Essener Sport- und Tanzinternat, dann wird das alles noch praktischer", gibt sich Kathi optimistisch. Als sportliches Vorbild nennt sie Hannah Stockbauer. Grund hierfür ist, dass die Ex-Weltmeisterin genau wie sie selbst die langen Freistilstrecken bevorzugt. Ein weiteres Vorbild kommt aus dem eigenen Verein. "In Wuppertal und auch jetzt in Essen schwimme ich mit Daniela Samulski zusammen. Ich finde cool, was Mulle alles erreicht hat und vor allem wie sie das geschafft hat", ist Kathi voll des Lobes über prominente Mannschaftskameradin, die ihr auch schon so manchen Tipp gegeben hat.

Katharina David (mitte)

Katharinas Lieblingsstrecken sind die langen Freistilwettbewerbe von 400 bis 1500 Meter. Über die 200m wird etwas später noch zu reden sein. Schon bei ihrer ersten Teilnahme bei SV NRW-Jahrgangsmeisterschaften 2005 gewann sie den Titel über 800m. Über 200 und 400m Freistil, sowie über 400m Lagen wurde sie Dritte. NRW-Jahrgangstitel sammelte in den folgenden Jahren en' masse und in diesem Jahr holte sie über 1500m Freistil ihren ersten NRW-Titel in der offenen Klasse.

Auf DSV-Ebene ging es seit 2006 ähnlich erfolgreich bergauf. 2006 wurde sie über die Freistilstrecken von 100 bis 800m viermal Vierte, ein Jahr später gewann sie Silber über 400 und 800m Freistil, sowie Bronze über 200m Freistil. Ihren Höhenflug setzte Katharina David in diesem Jahr fort. Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin holte sie die Titel über 1500m und völlig überraschend über 200m Freistil.

Wobei wir dann bei 200m-Strecke, wären, für Kathi ein Sprintwettbewerb. "Das ich die 200m gewonnen habe war gar nicht geplant. Hierüber war ich selbst am meisten platt", lacht Kathi. Freuen konnte sie sich zudem über den Gewinn der Silbermedaille über 400 und 800m Freistil. Der Lohn für diese Top-Leistungen war die Qualifikation für die Jugend-Europameisterschaften in Belgrad. Und hier konnte Katharina David den bisher größten Erfolg ihrer Karriere feiern. Mit der 4x200m Freistilstaffel gewann sie die Bronzemedaille.

Dieser Triumpf tröstete sie dann auch darüber hinweg, dass es in ihren Einzelrennen nicht so gut lief. "Nach dem Vorbereitungslehrgang in Heidelberg hatten wir bis zur JEM nur eine Woche Erholung. Das war wohl zu wenig", meint Kathi zu ihrem nicht zufriedenstellenden Ergebnissen in den Einzelwettbewerben.

Katharina David

Die JEM-Teilnahme bezeichnet sie als ihr bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport. Aber auch der deutsche Meistertitel über 200m Freistil in Berlin ist für Kathi ein absolutes Highlight. Peinlich ist ihr hingegen ein Erlebnis kurz vor der JEM bei einem Wettkampf in Magdeburg. "Nach dem Lehrgang in Heidelberg bin ich da total kaputt und müde hingefahren. Da ist es mir dann passiert, dass ich über 800m Freistil einen Frühstart hingelegt habe", erinnert sie sich.

In Sachen JEM hat sie jetzt Blut geleckt, im nächsten Jahr strebt sie eine erneute Teilnahme an. Längerfristige sportliche Ziele hat sie dagegen noch nicht. Nach der JEM hatte sie etwas mehr Zeit, ihren Hobbys nachzugehen. Das sieht in erster Linie so aus, dass sie sich mit ihren Freunden, meist noch in Wuppertal zum shoppen trifft, wobei auch ab und an ein Kinobesuch auf dem Programm steht.

Über berufliche Ziele hat sich Katharina David noch keine großen Gedanken gemacht. "Erst einmal Abitur machen, dann sehen wir weiter. Wahrscheinlich werde ich aber studieren", legt sie sich in dieser Hinsicht noch nicht fest. Muss Kathi an ihrer beruflichen Zukunft noch feilen, ist ihr Lächeln hingegen schon jetzt perfekt und die Lizenz für gute Laune hat sie ebenfalls schon längst in der Tasche.

Peter Kuhne

Context Column