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Sportlerportrait 01/2010 — Cornelia Bauer: In der Kürze liegt die Würze! Conni scheut die langen Wege

Cornelia Bauer

Am 6. April 2008 stand ein damals gerade vierzehn Jahre alt gewordenes Mädchen auf einem der Startblöcke des Leistungszentrums Köln-Müngersdorf und schickte sich an, den in NRW etablierten Schwimmerinnen zu zeigen, wozu sie schon in der Lage ist. An diesem Nachmittag stand bei den SV NRW-Meisterschaften auf der 50 Meterbahn das Finale über 50m Schmetterling auf dem Programm.

Genau 28,47 Sekunden nach dem Startpfiff war die besagte junge Dame als Erste des Achterfeldes im Ziel und feierte ihren ersten Titel bei NRW-Meisterschaften in der offenen Klasse. Die Rede ist von Cornelia Bauer vom SSF Bonn, die gut ein Jahr später bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Hamburg als Vizemeisterin über die gleiche Strecke mit 27,58 Sekunden fast eine Sekunde schneller als ein Jahr zuvor war und hiermit im Jahrgang 1994 Deutsche Vizemeisterin wurde. In der Hansestadt hatte Cornelia Bauer auf das Treppchen mit der Nummer zwei quasi ein Abo. Noch weitere vier Mal konnte sie sich dort eine Silbermedaille abholen.

Cornelia (Conni) Bauer

Mindestens dreimal so hoch wie das Siegerpodest war aber wohl der Luftsprung von Cornelia Bauer, als sie erfuhr, dass sie sich für die Junioren-Europameisterschaften in Prag qualifiziert hatte. Die Anstrengungen der letzten vier Jahre hatten sich somit ausgezahlt. Ernsthaft begonnen hatte es mit dem Schwimmsport für die am 30.03.1994 in Bonn geborene und in Bornheim wohnende Cornelia Bauer, die allgemein nur Conni genannt wird, 2005 als sie bei den SSF Bonn in die Trainingsgruppe von Stefan Koch kam.

Zuvor hatte Conni bei der SG Erft erste Wettkampferfahrung gesammelt. Ins Wasser ist sie aber auch schon ohne Vereinsbindung in früheren Jahren gegangen. Schwimmen wurde schnell die große Leidenschaft von Cornelia Bauer. Nebenbei ist sie noch gerne gelaufen. Überhaupt wäre Leichtathletik wohl die Sportart, die sie betreiben würde, wäre sie nicht Schwimmerin. "Hürdenlaufen hätte mir gefallen", sagt Conni. Inzwischen ist das aber alles für sie kein Thema mehr, ihre einzige sportliche Leidenschaft ist das Schwimmen.

Aus dem Elternhaus ist sie sportlich nicht vorbelastet. Ihr nacheifern will aber ihr neun Jahre alter Bruder, der ebenfalls bei den SSF Bonn seine Bahnen zieht. Beim Bonner Traditionsklub fühlt sich Conni gut aufgehoben. "Ich mag die Mannschaft und die Leute dort. Wir verstehen uns alle total gut und auch das Training mag ich sehr", sagt Cornelia Bauer. Sportliche Vorbilder hat Conni übrigens nicht. "Ich versuche mein Ding zu machen. An anderen will ich mich da nicht orientieren", bezieht Conni klar Stellung, was Vorbilder angeht.

Ihre Lieblingsdisziplin sind die 50m Schmetterling. "Ich finde Delphin eine schöne Schwimmart", ist das Credo der 15-jährigen. Die 100 Meter mag sie in dieser Lage auch, danach folgen als Vorlieben die 50 und 100m Brust und die 100m Lagen. Länger als 100m sollten die Distanzen allerdings nicht sein. Conni liebt die kurzen Strecken, um weite Wege macht sie da schon gerne einen Bogen. "Was ich gar nicht leiden kann, ist Freiwasser. Ich bin das einmal geschwommen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es mal gemacht habe. Noch mal muss es aber nicht sein", schmunzelt Conni.

Muss sie auch nicht, denn ihre Erfolge auf den kurzen Strecken geben der Sprinterin Recht. NRW-Jahrgangstitel hat sie seit 2005 einige gesammelt. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften sammelte sie seit 2007 Medaillen, wobei die fünf Silbermedaillen von Hamburg im Jahr 2009 (100m Rücken, 50 und 100m Schmetterling, 50m Freistil, 200m Lagen) und dazu noch Bronze über 100m Brust einen vorläufigen Höhepunkt darstellen.

Wie hoch die Trauben auf internationalem Parkett hängen, musste sie bei der JEM in Prag erfahren. Bei ihren vier Einzelstarts blieb sie jeweils im Vorlauf hängen. Als Elfte über 50m Schmetterling wäre Conni zwar für das Semifinale qualifiziert gewesen, da aber mit Lena Kalla (Würzburg) und Juliane Reinhold (Leipzig) zwei deutsche Schwimmerinnen vor ihr platziert waren, war nach den Regeln auch hier der Vorlauf Endstation. Die Tage von Prag bleiben für Conni auf jeden Fall unvergessen. "Die JEM war das mit Abstand größte, was ich bisher erreicht habe. Für mich war das eine tolle Erfahrung. Meine Leistungen dort waren OK, wenn auch nicht hervorragend. Für mich war es ungewohnt, im Freibad zu schwimmen, da ich draußen auch noch nie trainiert hatte. Außerdem war ich sehr nervös, weil es mein erster großer internationaler Einsatz war", resümiert Conni.

In diesem Jahr will sich Cornelia Bauer zum zweiten Mal für eine JEM qualifizieren. "Wenn ich es schaffe, hoffe ich, dass ich es besser mache als 2009", lautet ihr Ziel für das Jahr 2010. Weitergehende Ziele hat Conni derzeit noch nicht. "Ich will auf jeden Fall am Ball bleiben. Hierfür muss ich mein Training verbessern und besser einteilen, dazu gehört auch mehr Frühtraining. Im Moment ist das wegen der Schule aber alles ein bisschen schwierig", weiß Conni genau, was sie tun muss, um noch weiter nach vorne zu kommen.

Mit dem Spagat zwischen Schule und Verein hat auch Cornelia Bauer zu kämpfen. Derzeit besucht sich die zehnte Klasse der vor den Toren Bonns in Hersel gelegenen Ursulinen-Realschule. Im Sommer wird sie aufs Gymnasium wechseln um das Abitur zu machen. Danach möchte sie gerne Sport oder Sportmedizin studieren. Die Belastung Schule und Schwimmen lassen Conni keine Zeit für andere Hobbys. "Ich bin schon glücklich, wenn ich einmal einen Nachmittag frei habe, den ich mit meinen Freundinnen verbringen kann", beschreibt sie ihre knappen Freizeitaktivitäten. Wenn sie sich selbst eine Freude machen will, greift sie gerne zu Schokolade. "Ich liebe Schokolade", sagte sie mit glänzenden Augen.

SSF Bonn Deutscher Meister DMS-J 2009: Conni Dritte von links

Schokolade spielte übrigens auch schon einmal eine Rolle in ihrem Schwimmerleben. Als Conni im Frühjahr in Essen beim Bundesfinale der DMS-J mit der B-Jugend des SSF Bonn Deutscher Meister wurde, erschien sie zur Siegerehrung zusammen mit ihren Mannschaftskameradinnen mit einer Körperbemalung aus Schokolade. Ein wahrhaft süßer Anblick.

Peter Kuhne

Context Column