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Sportlerportrait 02/2019 – Yannick Plasil: Mit dem SV NRW-JUNIOR-TOP-TEAM nach Florida zu reisen macht den Oberhausener glücklich

02:01,56 Minuten, das war die Zeit, die auf der Anzeigetafel des Hofbades im niederländischen Den Haag aufleuchtete, als Yannick Plasil Anfang April 2019 im Vorlauf über 200m Schmetterling anschlug. Damit löste er bereits mehr als einen Monat vor Ende des vom DSV gesetzten Qualifikationszeitraumes das Ticket für die Jugend-Europameisterschaften vom 1. bis 7. Juli in Kazan/Russland. Die gezielte Vorbereitung für die JEM konnte somit für Yannick Plasil, der für die SG Gladbeck/Recklinghausen startet, beginnen. Dieser Vorbereitung ordnete Yannick auch die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften, die vom 28. Mai bis 01. Juni 2019 wie gewohnt in Berlin stattfanden unter. Ein Grund mit dafür, dass er diesem Jahr in der Hauptstadt erstmals seit 2015 ohne Titel blieb. Im Folgenden wollen wir in diesem Portrait den Weg von Yannick Plasil von seinen Anfängen bis zum vorläufigen Höhepunkt, den Junioren-Europameisterschaften 2019 beschreiben.

Fotos/Bericht: ©Peter Kuhne

Yannick Plasil (SG Gladbeck/Recklinghausen)

Geboren wurde Yannick am 2. Oktober 2001 in Oberhausen. Das war ein Dienstag, der sich stark bewölkt mit Regen bei ca. 18°C präsentierte. Oberhausen, wo er auch heute noch bei seinen Eltern wohnt, liegt im westlichen Ruhrgebiet und hat ca. 211.000 Einwohner. Vorzeigenswert ist für Yannick das Einkaufscentrum. „Das ist riesig. Da findet jeder was, auch was Essen angeht. Auch kann man in Oberhausen sehr gut Fahrrad fahren und der Rhein-Herne-Kanal ist ebenfalls sehenswert“, schwärmt Yannick von seiner Heimatstadt.

Die deutschen Single-Charts wurden im Oktober 2001 als Yannick das Licht der Welt erblickte, von der irischen Sängerin Enya mit dem Song Only Time angeführt, die hiermit insgesamt sechs Wochen auf Platz eins stand. Deutscher Fußballmeister 2001 waren FC Bayern München (Männer) und 1. FFC Frankfurt (Frauen). Die Deutschen Fußball-Pokalsieger hießen FC Schalke 04 (Männer) und bei den Frauen 1. FFC Frankfurt. Formel 1- Weltmeister wurde Michael Schumacher. Es war sein vierter von insgesamt sieben WM-Titeln. Bayern München gewinnt in Mailand am 23. Mai mit 6:5 nach Elfmeterschießen gegen den FC Valencia die Fußball-Champignons-League. Bayern-Torwart Oliver Kahn hält im Finale drei Elfmeter. Bei den Schwimm-Weltmeisterschaften Ende Juli in Fukuoka/Japan Juli gewinnt der Australier Ian Thorpe als erster Schwimmer bei Weltmeisterschaften sechs Goldmedaillen (3 Einzel, 3 Staffel). Deutschland gewann bei diesen Titelkämpfen 19 Medaillen (4 Gold, 7 Silber, 8 Bronze).

Ein besonderes Lebensmotto hat Yannick Plasil nicht. „Ich glaube aber daran, dass Fleiß immer belohnt wird. Danach richte ich mich, vor allem auch im Training. Ich weiß, dass man für seine Ziele immer hart arbeiten muss. Von nichts kommt nichts“, sagt er zu diesem Thema. In diesem Jahr hat er sein Abitur gemacht. Im Herbst beginnt Yannick an der Uni Duisburg-Essen Wirtschaftsmathematik zu studieren. „Das Fach interessiert mich sehr, ich glaube, das zählt zu meinen Stärken und ich glaube auch, dass mir das Studium viel Spaß machen wird. Was ich aber anschließend genau beruflich machen werde, weiß ich allerdings noch nicht“, so Yannick.

 

 

Seit sieben Jahren betreibt er Schwimmen als Leistungssport. Schwimmen gelernt hat er im Alter von fünf Jahren. „Ich habe ursprünglich Fußball gespielt, hatte aber nicht wirklich Spaß daran. Das haben auch meine Eltern gesehen. Ich habe dann einiges anderes ausprobiert und schnell festgestellt, dass ich am Schwimmen den meisten Spaß habe. Der Spaß ist geblieben und immer noch da und ich hoffe, dass es mit den Leistungen ständig bergauf geht und noch ein paar erfolgreiche Jahre vor mir liegen“, erzählt er uns. Wenn er nicht schwimmen würde, könnte er sich vorstellen American Football zu spielen. „Seit einiger Zeit begeistert mich schon American Football. Das würde ich in Angriff nehmen, wenn ich nicht schwimmen würde. Da hätte ich bestimmt viel Spaß dran. Man muss hierfür sehr sportlich sein und auch die Taktik spielt eine große Rolle, das ist insgesamt eine sehr interessante Mischung“, beschreibt Yannick seine Begeisterung für diese Sportart. Sein Lieblingsclub in der amerikanischen Footballliga (NFL) sind die Pittsburgh Steelers, deren Spiele er regelmäßig im Fernsehen auf ProSieben MAXX verfolgt. Keinen Gefallen findet Yannick Plasil an Turnen und alles was mit Rhythmik zu tun hat. „Tanzen ist zum Beispiel überhaupt nicht meins“, lacht er. Beide Eltern haben Fußball gespielt. Sein 16-jähriger Bruder Lukas hat wie er lange Zeit geschwommen, spielt aber inzwischen Fußball.

Yannicks erster Verein war die SG Oberhausen. Dann ist er nach Gladbeck zum SV Gladbeck 13 gewechselt, wo er seit fünf Jahren bei Vassili Strischenkoff trainiert. Mit Blau-Weiß Recklinghausen wurde im Herbst 2016 eine Startgemeinschaft gegründet, für die Yannick Plasil nun Startrecht hat. „Offiziell bin ich immer noch Mitglied bei SV Gladbeck 13. Wir trainieren noch getrennt. Ich kann aber zu hundert Prozent bestätigen, dass sich die SG bewährt hat. Bei der DMS sind wir jetzt mit Männern und Frauen in der 2. Bundesliga. In dieser Liga geht der Weg für uns nach oben. Positiv ist auch, dass wir die Staffeln besser besetzten können. Und auch bei der DMS-J mischen wir in einigen Altersklassen oben mit. Es gibt keine Konflikte zwischen den beteiligten Vereinen, wir verstehen uns in- und außerhalb des Beckens alle sehr gut“, sieht Yannick die SG Gladbeck/Recklinghausen sehr positiv.

Sein schwimmerisches Vorbild ist der am 20. Februar 2000 geborene Ungar Milák Kristóf. „An ihm bewundere ich, dass er schon in jungen Jahren richtig gut war. Jetzt hat er auch bei den Weltmeisterschaften in Gwangju über 200m Schmetterling einen neuen Weltrekord aufgestellt. (01:50,73) Was Milák macht, ist schon ein Traum. Ich glaube nicht, dass es für mich realistisch ist, seine Leistungen zu erreichen. Allein wie es optisch bei ihm aussieht, ist schon der Hammer“, gerät Yannick Plasil vom Ungarn, der nur ein Jahr älter als er selbst ist ins Schwärmen.

Er selbst kann am besten Lagen und Schmetterling. „Rücken, Brust und Kraul kann ich alles ziemlich gleich gut. Aber nicht so gut wie Schmetterling. Meine Hauptstrecke sind inzwischen die 200m Schmetterling. Beim Lagenschwimmen lief es bis vor zwei Jahren über 400m gut, seitdem letzten und diesem Jahr sind die 200m Lagen besser. Auch die 100m Schmetterling kann ich nicht ganz so gut, meine Konzentration liegt auf den 200m Schmetterling und den beiden Lagenstrecken“, gibt uns Yannick zu verstehen. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass er auch auf den langen Freistilstrecken recht gut mithalten kann.

Als seinen bisher größten sportlichen Erfolg nennt er den Titel über 200m Schmetterling mit Deutschem Altersklassenrekord von 02:03,85 Minuten bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2016 in Berlin. „Das war so ziemlich das beste Rennen, was ich bisher geliefert habe. Da hat alles gepasst. 2016 waren sowieso meine besten Deutschen Jahrgangsmeisterschaften, aber ein neuer Jahrgangsrekord ist immer etwas ganz Besonderes“ so Yannick Plasil. Seit 2015 gewann er bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 13 Medaillen (5 Gold, 4 Silber, 4 Bonze) Bei SV NRW-Meisterschaften holte er bislang 19 Jahrgangstitel, den ersten bereits 2014 über 200m Schmetterling. In der offenen Klasse stand er bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2018 im A-Finale über 200m Schmetterling, wo er Sechster wurde. Im SV NRW gewann er in der offenen Klasse bereits drei Titel. 2017 qualifizierte sich Yannick Plasil für das European Youth Olympic Festival (EYOF) in Györ (Ungarn). In diesem Jahr wurde er wie bereits erwähnt für die Junioren-Europameisterschaften in Kazan (Russland) nominiert. Hier erreichte er über 200m Schmetterling das Halbfinale, wo er in der Endabrechnung Rang 15 belegte. „Bei einer JEM im Halbfinale und das mit einer vernünftigen Zeit von 02:02,47, das war schon ganz gut. Im Halbfinale habe ich dann aber schon am Anfang alles riskiert, was ein Fehler war. Ich bin zu schnell angegangen und bin am Ende zu langsam draufgeschwommen“, analysiert Yannick das Semifinale, wo er in 02:04,02 Minuten deutlich über seiner Vorlaufzeit blieb. Die JEM bezeichnet er insgesamt als ein richtig gutes Erlebnis. „Die besten Jugendschwimmer Europas im Wettkampf zu erleben, war echt ein Hammer. Es war ein tolles Event mit einer Superstimmung“, erzählt er uns. Die JEM nennt er dann auch zusammen mit seinem Deutschen Altersklassenrekord von den DJM 2016 über 200m Schmetterling als seine bisher schönsten Erlebnisse im Schwimmsport. Begeistert hat ihn auch die Schwimmhalle in Kazan, die er als die schönste, in der er je geschwommen ist, bezeichnet.

Seine kurzfristigen sportlichen Ziele sind in erster Linie das Verbessern seiner Bestzeiten. Auf längere Sicht gesehen möchte er bei internationalen Meisterschaften gerne in der offenen Klasse antreten und wenn möglich dort einmal in einem Finale stehen. Medaillen in der offenen Klasse im DSV zu gewinnen betrachtet Yannick Plasil ebenfalls als ein lohnenswertes Ziel.

Viel Zeit für Hobbys hat der Oberhausener nicht. „Ich höre gerne Musik und hier besonders Deutsch-Rap. Dann gehe ich auch gerne einmal mit Freunden raus, außerdem mag ich Bowling sehr“, nennt er uns als seine Freizeitvorlieben. Sein Favorit im Fernsehen ist die Serie „Two and a Half Man“ von der er auf Amazon Prime sämtliche Staffeln rauf und runter, wie er sagt, verfolgt. An Sport im Fernsehen sieht er an erster Stelle American Football, dann Fußball und alle paar Wochen Formel 1.

 

 

Auf die Frage, womit man ihn glücklich machen kann, muss Yannick erst einmal lachen, dann sagt er: „Ich bin bereits ziemlich glücklich, weil ich weiß, dass ich in den kommenden Herbstferien mit der SV NRW-JUNIOR-TOP-TEAM nach Florida fliege. Das ist für mich ein echtes Highlight. Im Dezember fliege ich dann auch mit meinen Eltern noch einmal in die USA. Das alles macht mich schon richtig glücklich, muss ich ehrlich sagen“. Reisen würde er auch sehr gerne einmal New York. Mit dem JUNIOR-TOP-TEAM war er bereits zweimal unterwegs. Einmal in Shanghai vor zwei Jahren und dann im letzten Jahr auf Lanzarote. Richtig geärgert hat er sich zuletzt darüber, dass er für die JEM keinen DSV-Rucksack bekommen hat. „Davon hatten die nicht genug, obwohl er zur Ausrüstung gehört.“, so Yannick Plasil. Die Persönlichkeit, die er gerne einmal kennenlernen würde ist der American-Footballspieler „JuJu“ Smith-Schuster, von seinem Lieblingsverein, den Pittsburgh Steelers. Worauf er nicht verzichten kann ist das abendliche Fernsehgucken vor dem Schlafengehen. „So 20 bis 30 Minuten muss ich immer gucken, ich brauche das zum Runterkommen“. Gut verzichten kann Yannick inzwischen ganz gut auf Süßigkeiten, was er bis vor ein paar Wochen noch nicht für möglich gehalten hätte. Zu seinen Lieblingsspeisen zählt er Burger und Sparerips. Wenn er sich ein Ziel für eine spontane Reise für einen Tag in eine europäische Metropole aussuchen dürfte, würde er nach Wien fliegen. „Das ist eine extrem schöne Stadt, außerdem kann man dort sehr, sehr gut Schnitzel essen“, schmunzelt Yannick und ich stelle fest, dass er mit dieser Aussage, genau wie mit den Burgern und Spareribs auch meinen Nerv trifft.

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