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Sportlerinnenportrait 01/2022 - Lina Kröger

Die Pippi Langstrumpf vom Rhein startete 2021 durch!

Lina Kröger (SG WAGO)

Lina Kröger von der SG WAGO, die wir in diesem Sportlerinnenportrait vorstellen, hat wie die meisten Sportler*innen den Ehrgeiz, möglichst als Erste*r das Ziel zu erreichen. Beim Schwimmen gelingt ihr das sehr oft. Am Anfang ihres Lebens, das am 16. Juli 2004 begann, stand jedoch der zweite Platz. Sie erblickte an diesem Freitag zwanzig Minuten nach ihrer Zwillingsschwester Greta das Licht der Welt. Sozusagen gewann Lina also bei ihrer Geburt die Silbermedaille.

In ihrer sportlichen Bilanz im Schwimmbecken standen in den nachfolgenden Jahren dann viele Goldmedaillen. Bei SV NRW-Jahrgangsmeisterschaften gewann Lina Kröger von 2016 bis 2021 allein zehnmal Gold. Ihren ersten Titel holte sie hier 2016 auf der Langbahn über 50m Rücken. Über die gleiche Strecke siegte sie auch in 2021 auf der Langbahn bei SV NRW Jahrgangsmeisterschaften. Das war Ihr bislang letzter Titelerfolg auf Ebene unseres Landesverbandes in den Jahrgangswertungen. Ihr erster Titel in der offenen Klasse datiert aus dem Jahr 2019, wo sie über 100m Rücken NRW-Meisterin wurde.

Geboren wurde Lina Kröger in Bonn, wo sie auch heute noch im Stadtteil Bad Godesberg wohnt. Die Kreisfreie Großstadt Bonn hat ca. 330.000 Einwohner und liegt im Regierungsbezirk Köln im Süden von Nordrhein-Westfalen und ist auch Zweitregierungsstadt der Bundesrepublik Deutschland. Bonn kann auf eine mehr als 2000-jährige Geschichte zurückblicken und ist damit eine der ältesten Städte Deutschlands. Bekanntester Sohn Bonns ist ohne Zweifel der Komponist Ludwig van Beethoven, der 1770 hier zur Welt kam. Lina liebt an ihrer Stadt besonders das Rheinufer. „Das Rheinufer und die Promenade finde ich, ist in Bonn das Schönste für mich. Im Sommer gehe ich immer wieder mal dorthin“, sagt Lina über ihren Lieblingsort.

Lina Kröger (SG Wago)

In Bad Godesberg geht sie auch zur Schule. Sie besucht die zwölfte Klasse des Gymnasiums Aloisiuskolleg, wo sie in diesem Frühjahr auch ihr Abitur machen will. Was sie danach machen will, kann sie noch nicht sagen. „Ich bin mir noch ziemlich unsicher, was das angeht. Erst einmal möchte ich das Abitur schaffen und dann das machen was mir Spaß macht, vielleicht etwas mit Sport“, so Lina Kröger. In dieser Hinsicht kommt dann sicher ihr Lebensmotto ins Spiel. Übernommen von einem Zitat von Pippi Langstrumpf lautet das: Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt.

„Mein Lebensmotto passt wie meine Familie und Freunde finden sehr gut zu mir“, verrät uns Lina. Sie kommt aus einer sehr sportorientierten Familie. Ihr Vater ist wie sie auch geschwommen. Ihre Mutter hat neben Leichtathletik unter anderem Tennis und Volleyball gespielt. Auch ihre beiden Schwestern betreiben Sport auf einem Top-Niveau. Die zwei Jahre ältere Schwester Jule spielt Volleyball in der Bundesliga. In der Basketball-Bundesliga spielt Zwillingsschwester Greta. Deren größter bisheriger sportliche Erfolg war der zweite Platz mit dem deutschen Team beim FIBA 3x3 U17 Europe-Cup im letzten September in Lissabon hinter Titelverteidiger Spanien.

Schwimmen gelernt hat Lina Kröger im Alter von vier Jahren. Leistungsorientiert schwimmt seitdem sie acht war. Von Anfang an gehört sie der SG WAGO an. „Ich habe die Entwicklung der SG WAGO mitgemacht. Früher war der Verein deutlich kleiner. Inzwischen hat sich das Niveau deutlich gesteigert. Wir trainieren seit einem Jahr zusammen mit der SSF Bonn. Mit meiner Trainingsgruppe komme ich sehr, sehr gut klar“, sagt Lina. Sie trainiert sechsmal die Woche im Bonner Sportpark Nord und zusätzlich noch in Wachtberg, wo sie auch Schwimmen gelernt hat. Ihr Trainer ist Johannes Katzer.

Wenn sie nicht Schwimmerin geworden wäre, würde sie wohl Leichtathletik machen. „Ich habe in der Grundschule Leichtathletik gemacht. Das hat mir immer viel Spaß gemacht, aber irgendwann bekam ich mehr Spaß am Schwimmen. Im Schulsport habe ich heute noch an der Leichtathletik den meisten Spaß. Besonders mag ich Hochsprung, da bin ich schon über 1,50 Meter gekommen“, erzählt Lina. Was sie nicht mag sind Kampfsportarten.

Linas bevorzugte Schwimmdisziplin ist das Rückenschwimmen. Besonders liegen ihr hier die kurzen Strecken. Sie mag aber auch Kraul und Schmetterling, nur Brust mag sie ganz und gar nicht. „Am liebsten habe ich es, wenn die Strecken so kurz wie möglich sind. Ich war schon immer eine Sprinterin. Ich finde es schon sehr erschreckend, wenn man 1500 Meter schwimmen muss. Ich mag es eben mehr Schnelligkeit zu trainieren“, gibt Lina zu verstehen.

Ihre sportliche Entwicklung wurde im November 2019 durch einen Kreuzbandriss, der ihr eine lange Pause einbrachte, empfindlich gestoppt. Der große Leistungssprung kam bei Lina danach erst in 2021. „Mein Leistungssprung kam dadurch zustande, dass ich nach meinem Kreuzbandriss viel Aufbau gemacht habe. Im März 2020 war ich dann wieder fit. Dann kam aber die Corona-Lockdownphase. Und da habe ich viel Athletik gemacht. Es war schwierig, sich immer wieder zu motivieren, wenn die Wettkämpfe ausfallen. Ich habe aber davon profitiert, dass wir Online-Schule hatten. Das hat den Stress ein bisschen herausgenommen. Ich kann mir vorstellen, dass das mit ein ausschlaggebender Grund für meinen Leistungssprung war“, meint Lina.

Ihr Leistungssprung zeigte sich bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2021 vom 28. Mai bis 01. Juni besonders deutlich. Hier gewann sie die Titel über alle drei Rückenstrecken. Bei den anschließenden offenen Deutschen Meisterschaften setzte Lina noch einen drauf. Über 50m Rücken gewann sie die Bronzemedaille. Über 100m Rücken wurde sie Sechste. Vom Deutschen Schwimm-Verband wurde sie daraufhin für die Junioren-Europameisterschaften vom 06. bis 13. Juli in Rom nominiert. Hier stand sie im Finale über 50m Rücken, wo sie in 00:28,24 Minuten den sechsten Platz belegte. Über 100m Rücken erreichte sie das Halbfinale, wo sie in 01:03,00 Minuten Zehnte wurde. Ein weiteres Finale erreichte Lina Kröger mit der deutschen 4x100m Lagenstaffel der Frauen, die als Achte ins Ziel kam. Die JEM-Teilnahme bezeichnet Lina als das bisher schönste Erlebnis ihrer Schwimm-Karriere. „Die JEM war auf jeden Fall mein Highlight. Es war schon toll, dass ich es geschafft habe, mich dafür zu qualifizieren. Ich hatte dort sehr, sehr viel Spaß und es war eine sehr schöne Zeit. Was die Staffel angeht ist es schon ein besonderes Erlebnis, wenn man als Team Deutschland auftritt“, schwärmt Lina noch heute von den Tagen in Rom.

Sie kann sich aber auch an peinliche Erlebnisse erinnern. So wurde sie als Kind regelmäßig über die Rückenstrecken bei Wettkämpfen disqualifiziert. Richtig peinlich war es ihr auch als sie bei den German Open in Essen bei der Siegerehrung vor laufender Kamera ausgerutscht ist. Zu ihren Lieblingsbädern zählt Lina die Schwimm- und Sprunghalle im Berliner Europasportpark und dazu noch das Bad in Wachtberg, wo sie Schwimmen gelernt hat. So richtig anfreunden kann sie sich hingegen nicht mit dem Schwimmleistungszentrum Küllenhahn in Wuppertal.

Lina Kröger (SG WAGO)

Ihre kurzfristigen sportlichen Pläne für die Zukunft sind für Lina zunächst, dass sie ihre Leistungen halten kann, weil sie momentan viel für ihr Abitur arbeiten muss. „Danach lasse ich erst einmal alles auf mich zukommen und hoffe, dass dann noch einiges möglich ist. Mal sehen was so geht, wenn man die schulische Belastung nicht mehr hat.“, sagt Lina. Ihr nächster großer Wettkampf soll das Euro-Meet Ende Januar in Luyxemburg sein, wenn es dann stattfindet. Das ist auch eine DSV-Maßnahme, an der sie als DSV-NK 1 Kader Mitglied teilnehmen würde. Mit dem DSV nahm sie im Herbst 2021 auch an einem Trainingslager in der spanischen Sierra Nevada teil. Dafür musste sie das zeitgleich stattfindende Trainingslager des SV NRW auf Teneriffa leider sausen lassen.

Ihre Freizeit verbringt Lina gerne mit ihren Freunden. Im Fernsehen schaut sie gerne Serien. „Eine Lieblingsserie habe ich nicht. Immer wieder gerne schaue ich aber die Serie "Türkisch für Anfänger“, so Lina. Musikalisch steht sie auf Pop, ist aber auch offen für vieles andere. Wen sie nicht mag ist der Lieblingssänger ihrer Mutter, Herbert Grönemeyer. „Da drehe ich das Radio ganz leise oder auch aus“, schmunzelt Lina. Zum Entspannen hört Lina aber gerne Musik. Glücklich ist sie wenn sie Spaß mit ihrer Familie und ihren Freunden hat. Dazu zählt auch gutes Essen. Ihre Lieblingsspeise ist übrigens Eis. Hierfür besucht Lina gerne eine Eisdiele in Bad Godesberg. Als ihre negativen Eigenschaften nennt Lina, dass sie nicht die Ordentlichste ist und das sie sich besser organisieren könnte. „Ich räume halt nicht gerne auf“, verrät uns Lina. Ärgern tut sie sich über Ungerechtigkeiten und ihre eigenen Fehler.

Kennenlernen würde Lina gerne einmal die Niederländische Rückenschwimmerin Kira Toussaint, die bei den Europameisterschaften 2021 in Kazan drei Titel gewann. Außerdem würde sie sich gerne auch mit der Australischen Rückenspezialistin Kaylee McKeown, die bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokyo die Titel über 100m und 200m Rücken, sowie mit der australischen 4x100m Lagenstaffel holte, treffen. Nicht verzichten kann Lina Kröger auf das Schwimmen, was ihr besonders in der Sommerpause gefehlt hat. Gut verzichten kann sie hingegen auf Hausaufgaben.

Alles in Allem war 2021 für Lina Kröger ein gutes Jahr. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften Ende September in Wuppertal lieferte sie über 50m Rücken mit Rang vier noch einmal ein sehr gutes Ergebnis ab. In der Jahresbestenliste 2021 des DSV steht sie über 50m Rücken auf Platz sechs. Über 100m Rücken nimmt sie Rang elf und über 200m Rücken Platz zehn ein. Für die Zukunft wünscht sich Lina, dass sie immer glücklich und gesund bleiben kann. Nicht zu vergessen soll natürlich sein, dass sie sie sich wünscht immer viel Spaß in ihrem Leben zu haben. Getreu eben ihrem Lebensmotto: Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt.

Artikel: Peter Kuhne

Sportler von A-Z

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