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Sportlerportrait 01/2019 – Mareike Ehring: Ein Bottroper Schmetterling auf Höhenflug in Gladbeck

Schon wieder ein Schmetterling. Die Portraits über die Spezialisten dieser Schwimmlage ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere Reihe. Ein paar Namen gefällig? Luca Nik Armbruster (Portrait 02/2018), Moritz Brandt (04/2015), Marie Brockhaus (02/2015) Melvin Herrmann (04/2009), Lisa Höpink (04/2014), Marius Kusch (04/2011), Philip Lücker (03/2012), Fleming Redemann (04/2017), Nina Schiffer (03/2006), Sina Sutter (01/2007). Alle Genannten waren bzw. sind auf den Schmetterlingsstrecken zu Hause. Und nun Mareike Ehring.

Fotos/Bericht: ©Peter Kuhne

Mareike Ehring (VFL Gladbeck 1921)

Die Bottroperin, die für den VFL Gladbeck 1921 schwimmt, setzt die Liste der erfolgreichen Schmetterlinge in unserem Landesverband fort. Geboren wurde Mareike am 11. Juni 2001 in Oberhausen. Blickt man auf ihr Geburtsjahr zurück, fallen einem weitere national und international erfolgreiche Sportler ein, die in diesem Jahr Glanzlichter setzten. Da wäre einmal Thomas Rupprath von der SG Bayer, der 2001 sowohl bei den Deutschen Meisterschaften auf der Langbahn, die seinerzeit in Braunschweig ausgetragen wurden, als auch bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Rostock alle drei Schmetterlingstitel holte, mit neuem Weltrekord über 200m in 01:51,21 Minuten auf der Kurzbahn als Höhepunkt. Bei den Frauen sticht vor allem Annika Mehlhorn (SG ACT Baunatal) ins Auge. Sie gewann auf der Lang- und Kurzbahn die Titel über 100m und 200m Schmetterling. Mit ihrer aktuellen Bestzeit von 00:27,14 Minuten, aufgestellt im Dezember 2018 in Berlin wäre Mareike Ehring übrigens in ihrem Geburtsjahr 2001 Deutsche Kurzbahnmeisterin über 50m Schmetterling geworden. Die damalige Titelträgerin Janine Pietsch (SC Riesa) schwamm bei ihrem Sieg 00:27,69 Minuten. An der Zeit von 00:27,51 Minuten, die Daniela Samulski (SG Bayer) beim Gewinn ihres Langbahntitels schwamm, fehlen Mareike zurzeit nur noch zwei Hundertstelsekunden. In den Bestenlisten des Deutschen Schwimmverbandes steht Mareike Ehring auf der Langbahn über 50m Schmetterling auf Platz 9 (00:27,53), über 100m Schmetterling auf Rang 7 (01:00,98) und über 200m Schmetterling ebenfalls auf Platz 7 (02:15,73). Im Jahrgang 2001 ist sie auf allen drei Strecken die Nummer eins in Deutschland. Auf der Kurzbahn nimmt Mareike über 50m (00:27,14) und über 200m Schmetterling (02:13,57) Platz 10 ein, über 100m steht sie mit 00:59,68) auf Rang 8. Leistungssport betreibt Mareike seit 2011. „Angefangen mit dem Schwimmen hat alles mit Seepferdchen. Da war ich ungefähr vier Jahre alt. Da sind wir mit mehreren Leuten einmal die Woche zum Schwimmen gegangen. Ich habe alle möglichen Abzeichen gemacht. Irgendwann hatten wir aber keine Lust mehr nur noch Abzeichen zu machen. Als ich in der fünften Klasse war, bin ich dann in einen Verein gegangen. Das Training hat sich dann schnell von einmal über zwei- bis dreimal auf viermal die Woche gesteigert“, erzählt Mareike. Ihr erster Verein war der SV 1911 Bottrop. 2014 wechselte sie zum VFL Gladbeck 1921, wo sie bei Harry Schulz und Sandra Steiger trainiert.

Ein starker Typ: Mareike Ehring

Mareike lebt nach der Devise: Wenn man sein Bestes gibt, kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Sie besucht in Bottrop das Josef-Albers-Gymnasium wo sie in diesem Jahr das Abitur machen wird. Bestimmt berufliche Ziele hat sie noch nicht. „Ich möchte gerne studieren, was genau, weiß ich aber noch nicht. Da muss ich mich demnächst einmal dringend drum kümmern. Bisher hatte ich noch keinen Geistesblitz, was ich machen werde. Wichtig ist auf jeden Fall, das sich Beruf oder Studium gut mit dem Schwimmen vereinbaren lassen“, so Mareike. Wenn sie nicht Schwimmerin geworden wäre, hätte sie sich der Leichtathletik verschrieben. Interessant findet sie auch Skispringen. „Ich habe ganz, ganz früher Garde getanzt. Das war aber nur ein, zwei Jahre. Dann habe ich Turnen in einer Hobbygruppe gemacht. Das war aber auch nicht lange“, erzählt sie uns. Sportarten, die ihr nicht zusagen, sind Tanzen, Reiten, Boxen, Fußball und Badminton. Mareike kommt aus einer sportlichen Familie. Ihre Mutter hat Rollkunstlaufen betrieben, ihr Vater hat Badminton gespielt, ihr Bruder Simon (16) macht Leichtathletik und Tennis, ihre Schwester Carolin (14) ist ebenfalls Leichtathletin und die jüngste Schwester Saskia (8) steht auf Schwimmen und Turnen. Als Vorbilder betrachtet Mareike alle Sportler, die bodenständig geblieben sind. „Ich mag Sportler, die zwar relativ erfolgreich sind, aber nicht mit ihren Erfolgen prahlen. Dann mag ich auch Leute, die meine Strecken schwimmen, wie zum Beispiel Sara Sjöstöm“, gibt uns Mareike zu verstehen. Gut findet sie auch Ben Proud aus England und den Südafrikaner Chad le Clos, beide wie Mareike ebenfalls Schmetterlinge. Von den drei Wettkampfstrecken sind ihr die 100m am liebsten. Mareike schwimmt aber auch gerne Kraul, gefolgt von Rücken und Lagen. Brust liegt ihr hingegen nach eigenem Bekunden gar nicht, was ihr beim Lagenschwimmen immer wieder schmerzlich bewusst wird. „Obwohl ich Lagen gerne schwimme, ist es immer so deprimierend, wenn bei Brust die anderen an einem vorbeiziehen“, schmunzelt sie. Mareikes Lieblingsstrecke sind die 100m Schmetterling. Die 50m empfindet sie als zu kurz, was daran liegt, dass sie kein guter Starter ist. „Mein Start ist grottig“, bemerkt sie trocken. Bei der 100m Strecke bevorzugt Mareike die Kurzbahn, während sie über 200m mehr die Langbahn liebt und zwar aus dem Grund, dass man da seinen Rhythmus besser durchziehen kann. Auf die lange Strecke hin trainiert sie ihrer Meinung nach jedoch zu wenig. Im DSV gehört Mareike Ehring dem Nachwuchskader 1 an.

Mareike Ehring, ganz oben auf dem Siegertreppchen

Im SV NRW ist sie im Junior-Top-Team. In der Wertung Jugendschwimmerin des Jahres belegte Mareike für die Jahre 2016 und 2018 Platz drei, 2017 war sie Zweite. Wie viele ihrer Schwimmkollegen hat auch Mareike Ehring Bäder die sie besonders und welche, die sie weniger mag. „Was ich sehr gut finde, ist das Zentralbad in Gelsenkirchen. Da schwimme ich immer recht gut. Ich mag das Becken, außerdem ist da immer viel Platz. Die Schwimmoper in Wuppertal mag ich auch sehr, sehr gerne. Oder auch die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark Berlin. Wo ich nicht so gerne bin, ist das Dortmunder Südbad, da ist das Wasser immer irgendwie so kalt. Es ist aber nicht so, dass ich sagen würde, da fahre ich nicht hin“, verrät uns Mareike. Ihre Medaillensammlung bei Meisterschaftsveranstaltungen hat in den letzten Jahren einen beträchtlichen Umfang angenommen. Bei NRW-Jahrgangsmeisterschaften gewann Mareike Ehring seit 2013 insgesamt 27 Titel auf Lang- und Kurzbahn. In der offenen Klasse ist sie bei SV NRW-Meisterschaften seit 2015 auf Erfolgskurs. Hier gewann sie bis jetzt neun Medaillen (2 Gold, 2 Silber, 5 Bronze). Ihren ersten NRW-Titel in der offenen Klasse holte sie 2017 über 100m Schmetterling auf der Langbahn. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften mischt Mareike Ehring die Konkurrenz seit 2015 auf. Fünfmal wurde sie Deutsche Jahrgangsmeisterin, ihre zwei ersten Goldmedaillen gewann sie hier 2017 und zwar über 50m und 100m Schmetterling. 2018 siegte sie über alle drei Schmetterlingstrecken. Außerdem gewann sie bei Deutschen Jahrgangmeisterschaften drei Silber- und eine Bronzemedaille. Inzwischen ist Mareike in Deutschland auch in der offenen Klasse angekommen. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2018 in Berlin belegte sie über 100m Schmetterling Platz vier und schwamm nur knapp an einer Medaille vorbei. Über 50m Schmetterling wurde sie in der Hauptstadt Siebte. Der DSV nominierte Mareike für die Junioren-Europameisterschaften Anfang Juli im finnischen Helsinki. Hier lief es für sie nicht optimal. Über 50m Schmetterling belegte sie Platz 28 und über 100m Schmetterling Rang 43. Damit war für sie in beiden Wettbewerben schon im Vorlauf Endstation. Dennoch war für sie die Teilnahme an der JEM eines ihrer bisher schönsten Erlebnisse im Schwimmsport. „Die JEM an sich fand ich sehr, sehr schön. Wir hatten eine ziemlich coole Teamatmosphäre. Mein Abschneiden lag an vielen Faktoren. Ich war sehr aufgeregt, was bei einer solchen Veranstaltung aber normal ist. Dann war die Vorbereitung in Vergleich mit meiner sonstigen Vorbereitung nicht ideal. Ich war zwei Wochen in Heidelberg, ich war nicht zu Hause und nicht in der Schule. Dann kannte ich die anderen im Team alle nicht so richtig. Da kam so alles zusammen, kann man sagen. Ich glaube, ich brauche um gut zu sein, mein gewohntes Umfeld. Aus so einer Erfahrung kann man aber auch lernen. Eine Woche nach der JEM waren die Deutschen und da konnte ich plötzlich wieder schwimmen“, erinnert sich Mareike. Zu ihren schönsten Erlebnissen zählt sie auch ihre Zeit von 00:59,68 Minuten über 100m Schmetterling bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2018 in Berlin, womit sie über diese Strecke erstmals unter einer Minute blieb. Gern erinnert sie sich auch an den Gewinn ihrer ersten Medaille bei einer DJM, nämlich Silber über 100m Schmetterling im Jahr 2015, sowie an alle Veranstaltungen, die sie im Team gemacht hat, wie DMS und DMSJ. Eines der sportlichen Ziele von Mareike ist, dass sie die Minutengrenze über 100m Schmetterling in absehbarer Zeit auch auf der Langbahn knackt. Derzeit ist sie noch knapp eine Sekunde davon entfernt.

Mareike Ehring, 2. von rechts, fühlt sich besonders im Team wohl

Vorrang hat für Mareike in diesem Jahr aber das Abitur. Schwimmerisch will sie zumindest auf dem Stand von jetzt bleiben. In ihrer knapp bemessenen Freizeit trifft sich Mareike gerne mit Freunden, außerdem spielt sie Trompete in einer Bigband ihrer Schule. „Um ein Instrument zu lernen, gab es an unserer Schule ab der fünften Klasse eine Art Bläserklasse. Da habe ich Trompete gelernt. Das hat nach der siebten Klasse aufgehört, ich mache das aber immer noch, wenn auch nur einmal die Woche. Ich lese auch gerne, habe jedoch leider nur zu wenig Zeit dafür. Wenn am Wochenende keine Wettkämpfe sind, gehe ich auch schon mal ins Kino. Fernsehen schaue ich nicht so viel, eher Sachen auf Netflix“, sagt Mareike.
Im Radio hört sie verschiedene Musikrichtungen, egal ob alt oder neu. Am liebsten das Radio zertrümmern oder aus dem Fenster werfen würde Mareike aber, wenn das Stück „Je Ne Parle Pas Francais“, gesungen von Namika aus dem Lausprecher schallt. In diesem Punkt versicherte ich ihr meine volle Unterstützung.

Immer freundlich: Mareike Ehring

Was Reisen angeht, möchte sie gerne so viel wie möglich von der Welt und der Natur in verschiedenen Ländern sehen. Auch Städtereisen, wie nach London, Paris oder Rom zählt sie zu ihren Reisefavoriten. Dinge, auf die sie nicht verzichten kann sind Wasser mit Kohlensäure, sowie ihre Familie und ihre Freunde. Gut verzichten kann sie hingegen auf frühes Aufstehen und Stress. Sie lässt sich nicht gerne unter Druck setzen. Wenn sie wiedergeboren würde, käme Mareike gerne als Adler auf die Welt, denn fliegend die Welt von oben zu betrachten findet sie toll. Ihr Lieblingsessen ist die Lasagne von ihrer Mutter. Das Gespräch für dieses Portrait mit Mareike war sehr kurzweilig. Sie hat dabei viel gelacht und keine meiner Fragen empfand sie als lästig, wenn sie auch der Meinung war, dass ihr Leben eigentlich nicht so spannend verläuft, um einen Artikel darüber zu schreiben. Nur einen Wunsch wollte sie mir nicht erfüllen, nämlich mit ihrer Trompete bei Siegerehrungen auf SV NRW-Meisterschaften den Tusch zu blasen. „Ne, Ne, das mache ich auf keinen Fall“, so Mareike bevor sie sich zum Training verabschiedete.

Sportler von A-Z

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