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Sportlerportrait 03 und 04/2018 – Evelin und Oskar Edel

Fotos/Bericht: ©Peter Kuhne

Die Geschwister feiern Erfolge im Doppelpack

Mit diesem Sportlerportrait betreten wir Neuland. Erstmals seit 2006, als diese Reihe auf unserer Homepage begann, beschäftigen wir uns mit zwei jungen Sportlern gleichzeitig. Das lag nahe, denn es handelt sich hier um Geschwister, die den meisten Aktiven in der Fachsparte Schwimmen sicher ein Begriff sind. Die Rede ist von Evelin und Oskar Edel vom TV Jahn Hiesfeld.

Es gibt kaum einen Wettkampf, wo die Geschwister nicht zusammen anzutreffen sind. Dazu gesellt sich noch ihre Mutter Nelli, die auch Trainerin der beiden ist und sie zu einigen schönen Erfolgen im Becken und im Freiwasser geführt hat. Der ältere des Schwimmerduos ist Oskar Edel, der am 2. Januar 2001 geboren ist. Zwei Jahre später erblickte am 14. Januar 2003 Evelin Edel das Licht der Welt. Beider Geburtsort ist Dinslaken und eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass sie an einem Dienstag geboren wurden. In Dinslaken ist die Familie Edel auch zu Hause. Die Stadt am Niederrhein, deren Geschichte vor 800 Jahren begann, hat ca. 68.000 Einwohner, grenzt im Süden an Duisburg und Oberhausen, 13 Kilometer nordwestlich liegt Wesel. In der Nähe befinden sich zahlreiche, sehenswerte Naherholungsgebiete. Sowohl Oskar als auch Evelin gingen bzw. gehen in Dinslaken ins Gustav Heinemann Schulzentrum. Oskar hat dort in diesem Jahr sein Abitur gemacht und studiert nun an der Universität Duisburg-Essen Lehramt in den Fächern Englisch und Mathematik. Evelin hat ihr Abitur noch vor sich, bei ihr ist es 2020 soweit. Was sie danach machen wird, weiß sie noch nicht genau. Zum Schwimmen sind die Geschwister durch ihre Mutter gekommen. Angefangen hat alles im alten, inzwischen nicht mehr vorhandenen Dinslakener Bad. Jetzt trainieren sie im August 2011 eröffneten DINamare. „Oskars Vater, der selbst als Sport Ringen betrieben hat, war der Meinung, er ist ein Junge, da muss er auch Kampfsport machen. Oskar hat aber gesagt, da gehe ich nicht hin, da werde ich geschubst“, erinnert sich Nelli Edel. So, wie auch Evelin, hat er dann nie etwas anderes gemacht als Schwimmen. “Ich finde noch Turmspringen interessant. Das sehe ich mir auch gerne im Fernsehen an. Ich glaube, das wäre etwas für mich gewesen“, sagt Evelin. „Mein Interesse gilt Triathlon und auch Handball wäre etwas für mich.“, ergänzt Oskar. Was Evelin nicht machen würde, wäre Turnen und auch Ball- und Teamsportarten mag sie nicht. „Ich würde niemals Kampfsport betreiben, weil ich niemanden etwas zu leide tun kann. Da meine Gelenkigkeit sehr begrenzt ist, wäre auch Turnen nichts für mich, ebenfalls liegen mir keine künstlerischen Sportarten wie zum Beispiel Eiskunstlauf“, erzählt uns Oskar.

Die "Schwimmabteilung" der Familie Edel

Mutter Nelli Edel war ebenfalls im Schwimmen aktiv. „Angefangen habe ich mit acht Jahren, Leistungssport habe ich bis 23 betrieben. Ich habe auch an einigen UDSSR-Meisterschaften teilgenommen“, sagt Nelli Edel, die in der ehemaligen Sowjetunion in Russland geboren wurde, in Moldawien aufgewachsen ist und in der Ukraine studiert hat. Obwohl sich sehr viel in der Familie Edel um Schwimmen dreht, ist diese Sportart bei ihnen zu Hause nicht nur Gesprächsthema. „Wir reden schon über vieles andere. Oskar interessiert sich für Fußball, nicht nur in Deutschland, sondern auch in England. Auch über das was in den Nachrichten und im Radio Thema ist, wird viel bei uns geredet“, so Evelin. Sportliche Vorbilder hat Evelin nicht, Oskar bewundert die Formel 1 Stars Sebastian Vettel und früher auch Michael Schumacher und bezeichnet diese als seine großen Vorbilder. Sportliche Erfolge haben die Geschwister in den letzten Jahren schon einige eingefahren.

Oskar begann seine Karriere auf Ebene des SV NRW mit einem Paukenschlag. Bei seinen ersten NRW-Jahrgangsmeisterschaften 2013 gewann er von 16 möglichen Titeln allein elf. Bei den Titelkämpfen 2014 holte er neun Goldmedaillen. Danach wurde es, was das Beckenschwimmen angeht, etwas stiller um ihn. Seinen letzten großen Erfolg im SV NRW feierte er mit dem Gewinn des Titels im Jahrgang 2001 und in der offenen Klasse über 2.500m Freistil im Freiwasser. Bei DSV-Jahrgangsmeisterschaften belegte er in den Jahren 2013 und 2014 zweimal Platz drei im Schwimmmehrkampf. 2015 gewann er Bronze über 50m und 400m Freistil. 2016 wurde er über 50m und 100m Freistil Fünfter.

Oskar Edel (TV Jahn Hiesfeld)

Evelin hat es bei SV NRW-Jahrgangsmeisterschaften seit 2015 bisher auf 13 Titelgewinne gebracht. In der offenen Klasse gewann sie bisher elf Medaillen. (2 Gold im Freiwasser, 7 Silber, 2 Bronze im Becken). Bei deutschen Jahrgangsmeisterschaften holte sie 2016 über 800m Freistil, sowie 2018 über 1500m Freistil den Titel im Jahrgang 2003. Jeweils eine Silbermedaille gewann Evelin 2017 über 1500m Freistil und 2018 über 800m Freistil. Bei den Deutschen Freiwassermeisterschaften 2018 in Mölln gewann sie über 5 Kilometer die Silbermedaille. Diese Platzierung verhalf Evelin zu ihrem bisher größten Erfolg im Schwimmsport überhaupt. Der DSV nominierte sie für die Jugend- und Junioren-Europameisterschaften auf der Mittelmeerinsel Malta. Hier sorgte sie mit dem Gewinn der Silbermedaille über 5 Kilometer für eine Sensation. „Ich habe mir für dieses Rennen nur vorgenommen, durchzuschwimmen. Ich war dann aber von Anfang an vorne. Der zweite Platz war total krass und vor allem unerwartet. Besonders gefreut habe ich mich, dass meine Teamkollegin Marlene Blanke Dritte wurde und wir dann zu zweit auf dem Siegertreppchen standen“, erinnert sich Evelin an ihren großen internationalen Erfolg. „Schade, dass wegen der Wetterverhältnisse auf Malta die Staffeln abgesagt wurden. Hier hätte ich noch eine weitere Medaillenchance gehabt“, fügt Evelin hinzu. Vom DSV wurde Evelin anschließend auch für die Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften in Israel nominiert. Der DSV hat dann aber wegen Sicherheitsbedenken kein Team nach Israel geschickt. „Von den Zeiten, die dort geschwommen wurden, hätte sie unter die ersten Zehn kommen können“, bedauert Mutter Nelli die Absage des DSV. Dabei scheute Evelin eigentlich noch vor gar nicht langer Zeit Freiwasserwettkämpfe. „Sie hat gesagt, ich schwimme nie im Freiwasser. Das Wasser ist dreckig und was da so alles drin rumschwimmt. Dann hat sie es aber doch einmal probiert und festgestellt, dass es gar nicht schlimm ist“, erzählt Nelli Edel. „Das schlimmste beim Freiwasser ist der Start, da bekommt man schon mal einen Arm ins Gesicht. Nach einiger Zeit geht es dann aber, wenn man sich zusammenreißt. Inzwischen habe ich auch gelernt mich zu wehren“, ergänzt Evelin, die dem SV NRW JUNIOR-TOP-TEAM angehört. Jetzt richtet sich ihr Hauptaugenmerk im Schwimmsport auf das Freiwasser.

Evelin Edel (TV Jahn Hiesfeld)

Wettkämpfe im Becken will sie aber nicht vernachlässigen. Dort will sie sich auf Strecken ab 400m Freistil konzentrieren. Was sie scheut, ist das Brustschwimmen und auch 400m Lagen empfindet sie als zu hart. Oskar mag die 400m Lagen ebenfalls nicht und auch die 1500m Freistil sind nicht sein Ding. „Was gar nicht geht, ist Rücken. Freiwillig würde ich das bei einem Wettkampf niemals schwimmen“, so Oskar. Seine Lieblingsstrecken sind mittlerweile die 50m und 100m Freistil. Mit dem Freiwasser hat er auch schon Erfahrungen gemacht. „Ich mache das aber nur zu meinem Spaß, betrachte das quasi als Ausdauertraining und um in den Wettkampfmodus zu kommen. Vielleicht habe ich, weil ich von uns beiden als erster mit dem Freiwasserschwimmen angefangen habe, Evelin dazu verleitet das auch zu machen. Meine Motivation hierfür kam bei den Europameisterschaften 2014 in Berlin, wo ich mir die Wettkämpfe im Freiwasser angesehen habe. Da habe ich festgestellt, dass es Spaß macht, außerdem ist es immer ganz lustig“, sagt Oskar. Die EM in Berlin hat er als Teilnehmer des DSV-Jugendcamps erlebt. Das Ticket hierfür hat er im Mehrkampf bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2014 gewonnen. Diese zwei Wochen mit 200 anderen Teilnehmern bezeichnet er als sein bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport. „Das waren die besten zwei Wochen meines Lebens“, schwärmt er noch heute.
Für Evelin war die JEM auf Malta ihr bisher schönstes Erlebnis. Besonders stolz ist sie darauf, dass sie dort erstmals in einer DSV-Nationalmannschaft geschwommen ist. Ihr nächstes Ziel sind jetzt die Jugend- und Junioren-Europameisterschaften im Freiwasserschwimmen 2019 in Tschechien. Im Becken möchte sie als Nächstes gerne einmal in einem B-, oder C-Finale stehen. Oskar zeigt sich hinsichtlich sportliche Ziele zurückhaltend. „Ich hatte nie hohe Ziele. Ich bin ein Mensch, der nimmt alles, wie es kommt. Was ich tun kann, ist immer mein Bestes zu geben. Wenn ich das erreicht habe, kann ich zufrieden und stolz sein“, erklärt uns Oskar. Im Wettkampf unterstützen sich Evelin und Oskar gegenseitig durch Tipps und Anfeuern. „Bei meinen Wettkämpfen auf den langen Strecken bedient Oskar immer liebend gerne meine Wendetafeln“, schmunzelt Evelin.

Ein starkes Duo: Evelin und Oskar Edel

In ihrer Freizeit treffen beide gerne ihre Freunde auch die, die weiter weg wohnen. Evelin ist ein großer Fan des Internetportals Netflix und liebt hier die angebotenen Serien. Hierauf könnte sie auch neben ihrem Sport nicht verzichten. Ihre Ziele wohin sie gerne einmal reisen würden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Oskar würde gerne einmal nach München, Evelin zieht es viele tausende Kilometer weiter nach Australien. Glücklich ist die 15-Jährige, wenn sie zusammen mit ihren Freunden etwas Schönes erlebt und wenn sie jemanden so helfen kann, dass es ihn weiterbringt. Was sie ärgert ist, wenn man ihre Konzentration zum Beispiel dadurch stört, dass man ständig dazwischenredet. Oskar ist schon glücklich, wenn seine Freunde es auch sind. Ärgern tut er sich über Inkompetenz. Drei Dinge, die die Geschwister mit auf eine einsame Insel mitnehmen würden wären ein Schlauchboot, ein Paddel und ein Badeanzug um wieder zurück zu kommen (Evelin). Oskar käme nur mit einem Gegenstand, nämlich einer Langhantel aus. Wenn man wiedergeboren würde, käme Evelin gerne als Vogel auf die Welt, Oskar muss bei dieser Frage lange überlegen, dann sagt er als Katze. Den schwimmenden Geschwistern Edel und ihrer engagierten Mutter Nelli werden wir sicher noch auf vielen Wettkämpfen begegnen. Einen ohne den anderen kann man sich schlecht vorstellen und das ist auch gut so.

Sportler von A-Z

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