Content

Sportlerportrait 01/2021 – Cedric Büssing: Der Schwimmer der SG Dortmund erobert Rom

Text: Peter Kuhne
Bilder: Peter Kuhne  & Jürgen Büssing

Von 2006 bis zum Herbst 2019 haben wir an dieser Stelle regelmäßig mehrmals im Jahr Sportlerportraits von Schwimmer*innen unseres Landesverbandes veröffentlicht, die es im Juniorenalter bereits zu beachtlichen Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene gebracht haben. Wie viele Bereiche des täglichen Lebens wurde durch die Coronapandemie auch diese Reihe ausgebremst. Fast eineinhalb Jahre lagen fast alle Wettkämpfe und Meisterschaften auf Eis. So mussten wir aus diesem Grund unsere Sportlerportraitserie ebenfalls pausieren lassen. Nachdem der Sportbetrieb mittlerweile endlich in Schwung gekommen ist, sind wir nunmehr in der Lage auf diesem Gebiet wieder tätig zu werden. Den Neuanfang in Sachen Sportlerportraits machen wir mit einem Sportler, der in diesem Jahr von Erfolg zu Erfolg schwamm. Die Rede ist von Cedric Büssing von der SG Dortmund.

Cedric Büssing (SG Dortmund)

Rom, Sonntag, 11. Juli 2021, kurz nach 18.00 Uhr. Bei den Junioren-Europameisterschaften 2021 steht am letzten Wettkampftag dieser Titelkämpfe, die am 6. Juli begannen, das Finale über 400m Lagen der Männer auf dem Programm. Auf Bahn fünf steigt Cedric Büssing auf den Startblock. Mit der Vorlaufzeit von 04:22,20 Minuten hatte sich der Dortmunder mit der zweitschnellsten Zeit für dieses Finale qualifiziert. In einem mitreißenden Rennen distanzierte Cedric das übrige Teilnehmerfeld und gewann mit der Zeit von 04:17,40 Minuten die Goldmedaille. Im Ziel war er 1,8 Sekunden schneller als der Zweitplatzierte Jakub Bursa (Tschechien). Der Gewinner der Bronzemedaille, Artem Vorobev (Russland), schlug noch eine weitere Sekunde später an. Cedrics Siegerzeit war gleichzeitig ein neuer Deutscher Altersklassenrekord. Die alte Bestmarke von 04:19,77 Minuten hatte er selbst bei den Deutschen Meisterschaften Anfang Juni in Berlin aufgestellt. Seine großartigen Leistungen bei diesen Junioren-Europameisterschaften bestätigte Cedric Büssing mit zwei weiteren Medaillen. Über 200m Lagen gewann er in 02:01,04 Minuten Bronze und mit der deutschen 4x200m Freistilstaffel gewann er mit der Zeit von 07:21,63 Minuten die Silbermedaille. Die Erfolge von Rom bedeuteten einen riesigen Karrieresprung für den 18-jährigen. „Cedric hat hier einen ganz tollen Job gemacht, dazu können wir ihm und seinem Trainer Stephan Wittky nur ganz herzlich gratulierten“, lobte Carsten Gooßes. Der Bundestrainer Nachwuchs im DSV erklärte auch gleich die Gründe für Cedrics Entwicklung. „Er nutzt sein Talent und seine sehr gute Schwimmtechnik, hat sich aber mit entsprechendem Fleiß auch die nötige Ausdauer erarbeitet. Das hat sich nun ausgezahlt“.

Cedric Büssing ganz oben auf dem JEM-Siegertreppche in Rom.

Neben seiner sportlichen Entwicklung wollen wir mit diesem Portrait unseren Lesern auch den Menschen Cedric Büssing näherbringen. Geboren wurde Cedric im Jahr 2003 in Norddeutschland. Kurz danach zog er mit seiner Familie nach Grevenbroich, wo sie auch jetzt noch heimisch ist. Seine schulische Ausbildung beendete Cedric Büssing 2021 mit dem Abitur am Goethe-Gymnasium Dortmund. Direkt nach der Zeugnisvergabe trat er die Reise zur JEM in Rom an. Seit dem 21. August 2021 hat er zumindest vorläufig Deutschland verlassen und sein Studium für Business Administration and Management an der University of Indianapolis in den USA angetreten. Indianapolis ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Indiana. Mit rund 890.000 Einwohnern ist Indianapolis die zweitgrößte Stadt im mittleren Westen der USA.
Zum Schwimmsport kam Cedric 2008. Da hat er sein Seepferdchen gemacht. Wettkämpfe bestreitet er seit 2012. Sein erster Verein war der TV Jüchen, wo er von 2012 bis 2014 unter Trainer Andre Ridders dem Schwimmsport nachging. 2014 wechselte er zur SG Neuss, wo seine Trainer Petra Büscher, Gisela Hug, Fransisco Frederico und Ivan Abreu waren. 2018 zog es ihn zur SG Dortmund. Hier arbeitete er unter Phillip Cool, Marc Wietzke, Max Mral und aktuell unter Stephan Wittky. In den USA schwimmt Cedric für die University of Indianapolis, wo Jason Hite sein Trainer ist. In seinem Uniteam schwimmt auch der Bruder er vielfachen deutschen Meisterin Alexandra Wenk.
Geprägt hat Cedric mit Sicherheit seine sportlich vielseitig veranlagte Familie. Mutter Birgit war aktiv im Reitsport, Rudern, Badminton und Squash. Vater Jürgen betätigte sich in der DLRG im Rettungsschwimmen, spielte zudem Tennis, Handball und Fußball. Cedrics jüngerer Bruder, der 16-jährige Silas ist ebenfalls im Schwimmsport aktiv. Er schwimmt mit bereits guten Ergebnissen für die SG Neuss. Wenn Cedric nicht Schwimmer geworden wäre, würde er Wasserball spielen oder Straßenradrennen bestreiten. Sportarten, die er nicht betreiben würde, wären Sportarten mit einem hohen Verletzungsrisiko. „Ich würde es einfach nicht aushalten durch eine Verletzung ans Bett gebunden zu sein“, sagt Cedric. Als Lagenspezialist schwimmt er alle Schwimmlagen gerne, herausheben will er da keine einzelne Lage. Wenn man die Liste seiner Erfolge näher betrachtet, fällt aber auf, dass er neben Lagen besonders auf den langen Freistilstrecken Topergebnisse erzielte.

Cedric Büssing (SG Dortmund)

Auf Ebene des SV NRW gewann Cedric ab dem Jahr 2015 bei NRW-Jahrgangsmeisterschaften auf Lang- und Kurzbahn insgesamt 34 Titel, wobei er im Jahr 2015 auf der Langbahn neunmal und 2016 achtmal Gold gewann. In der offenen Klasse gewann Cedric bei SV NRW-Meisterschaften seit 2018 bisher sieben Medaillen (4 Silber, drei Bronze). Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften sammelte er von 2017 bis 2019 zehn Medaillen (3 Gold, 4 Silber, 3 Bronze). Seinen ersten Titel holte er hierbei 2017 über 1500m Freistil. Im Jahr 2019 gewann er Gold über 200m und 400m Lagen. Erste Lorbeeren bei Deutschen Meisterschaften in der offenen Klasse erntete Cedric Büssing in diesem Jahr 2021. Bei den Titelkämpfen in Berlin wurde er über 400m Lagen Vizemeister mit neuem Deutschen Altersklassenrekord von 04:19,77 Minuten. Seine alte persönliche Bestzeit unterbot er dabei um mehr als fünf Sekunden.
Zur Frage, was sein bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport war, äußert sich Cedric wie folgt: „Ich würde natürlich meinen größten Erfolg bei der JEM 2021 als mein schönstes Erlebnis nennen, aber bisher fand ich auch die deutschen Mannschaftsmeisterschaften (DMS und DMSJ) immer super cool. Ich hoffe, dass da jetzt in den USA durch die College-Meisterschaften weitere schöne Erlebnisse dazu kommen“, sagt Cedric. An ein peinliches Erlebnis kann er sich auch erinnern. „Im Vorstart beim Mehrkampf ist meine Badekappe weggeflogen und ich musste zurück zu meiner Tasche rennen, um eine andere Badekappe zu holen. Der Start wurde dadurch um ein paar Minuten verzögert und nach dem Start habe ich festgestellt, die Badekappe war gar nicht gerissen“, schmunzelt Cedric.
Die Bäder, wo er am liebsten schwimmt, sind die Schwimmoper in Wuppertal, die Schwimm- und Sprunghalle im Berliner Europasportpark und das Südbad in Dortmund. „Die nehmen sich eigentlich alle nichts. Vor sechs Monaten hätte ich gesagt, dass ich das Schwimmbad in Rom am wenigsten leiden kann, aber diese Meinung hat sich jetzt geändert!“, erzählt Cedric im Hinblick auf seine JEM-Erfolge im „Foro Italico“.
Zu seinen weiteren sportlichen Zielen sagt Cedric, dass er sich einfach weiterhin stetig verbessern will, um immer das Beste abliefern zu können. Besonders cool fände er es, wenn er sich 2022 für die Europameisterschaften qualifizieren könnte. „Technisch ist er schon sehr gut. Er hat ein gutes Wassergefühl und ist gut belastbar. Außerdem kann man mit ihm gut kommunizieren. Arbeiten müssen wir noch im physischen Bereich, indem wir die Umfänge erhöhen, sodass er mehr Kraft entwickelt. Verbessern müsste er sich auch noch in der Delphinlage“, so sein Dortmunder Trainer Stephan Wittky.

Cedric Büssing (SG Dortmund)

Zu seinen Hobbys gefragt, muss Cedric nicht lange überlegen. „Mein Interesse gilt einfach dem Schwimmen. Ich weiß ehrlich nicht, was ich sonst sagen könnte. Neben Schwimmen, Schule und Uni blieb und bleibt einfach kaum mehr viel Zeit. Wenn es möglich ist, verbringe ich meine Freizeit überwiegend mit meinen Freunden, wo wir uns Sport im TV angucken oder selber spielen, zum Beispiel Fußball“, erzählt uns Cedric. Wenn er zu Hause ist, unternimmt er am liebsten Dinge mit seinem Bruder Silas. „Durch die Pandemie haben wir angefangen Fahrradtouren zu machen, wobei wir sehr viel Spaß hatten“, sagt Cedric. Im Fernsehen schaut er sich am liebsten Sportevents an, gefolgt von Actionfilmen. Sein momentaner Lieblingsfilm ist „Blindside - Die große Chance“, ein oscargekröntes Sportlerdrama von Regisseur John Lee Hancock aus dem Jahr 2009 mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. Musikalisch hat er keine besonderen Vorlieben. „Ich würde sagen, es kommt auf die Situation an und dann entscheide ich spontan, welche Art von Musik ich höre“, so Cedric. Bei einem Musikstück würde er jedoch am liebsten das Radio zertrümmern. Das wäre „Atemlos“ von Helene Fischer. Als seine aktuelle Lieblingsspeise nennt uns Cedric Pasta Carbonara. Seine Lieblingsorte sind Madeira und überall auf einem Berg irgendwo in Österreich. Am besten entspannen kann sich Cedric mit Schlafen. Als Eigenschaften, die ihm fehlen nennt er Ruhe und Geduld. Glücklich machen kann man Cedric mit leckeren Nudeln nach einem anstrengenden Training und danach ein gemütliches Bett. Richtig ärgern kann er sich über dumme Fehler. Eine Person, die Cedric gerne einmal kennenlernen würde, ist der US-amerikanische Schwimmer Chase Kalisz, der 2021 in Tokyo Olympiasieger über 400m Lagen wurde. Nicht verzichten kann Cedric auf Wasser. „Ich würde eher auf Süßigkeiten verzichten als auf Wasser, egal ob Dusche, See oder Schwimmbad“, lacht Cedric. Drei Dinge zum Überleben, die er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wären ein Messer, ein Topf und ein Feuerzeug. Vielleicht aber auch eine große Decke, worunter man gemütlich schlafen kann und eine Wasserflasche. „Im Allgemeinen würde ich aber vermutlich meinen Bruder Silas mitnehmen, weil es einfach mit ihm nie langweilig wird“, legt sich Cedric fest. Wenn es eine Wiedergeburt gäbe, möchte er am liebsten als Delphin auf die Welt kommen. Zu seinen Wünschen ans Leben sagt uns Cedric „Lange gesund und munter bleiben“. Was ihm sonst noch ganz wichtig erscheint, ist die Beherzigung seines Lebensmottos, das da lautet „Never lie yourself“. Wir wünschen Cedric, dass ihm dieses auf seinem weiteren Weg immer gelingt.

Sportler von A-Z

Context Column