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Sportlerportrait 02/2018 – Luca Nik Armbruster: Ein ehemals Wasserscheuer wird zum Rekordjäger

Fotos/Bericht: ©Peter Kuhne

Luca Nik Armbruster (SG Dortmund

Dezember 2017: Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin werden bei den Männern über 50m Schmetterling mit 00:23,72 Minuten und 00:23,58 Minuten innerhalb eines Tages zwei neue Deutsche Altersklassenrekorde für 16-jährige und zwei Tage später über 100m Schmetterling mit 00:52,83 Minuten ein weiterer neuer Deutscher Altersklassenrekord geschwommen. Der Sportler, der dies schaffte, heißt Luca Nik Armbruster und schwimmt für die SG Dortmund. Mit diesen Paukenschlägen endete für den am 05. November 2001 in Essen geborenen Schüler des Dortmunder Goethe-Gymnasiums, wo er die elfte Klasse besucht, ein herausragendes Wettkampfjahr. Belohnt wurde das mit den Titeln DSV-Nachwuchsschwimmer des Jahres 2017 und Jugendschwimmer des Jahres 2017 im SV NRW. Auch im neuen Jahr ging „Luni“, wie er allgemein genannt wird, weiter auf Rekordjagd, diesmal auf der Langbahn. Nachstehend eine Aufzählung seiner bis Juli 2018 geschwommenen Deutschen Altersklassenrekorde (für 17-jährige):

  • 100m Schmetterling (00:54,13 | 04.03.18 Antwerpen)
  • 100m Schmetterling (00:53,99 | 01.06.18 Berlin)
  • 100m Schmetterling (00:53,92 | 29.06.18 Rom)
  • 50m Schmetterling (00:24,02 | 20.07.18 Berlin)
  • 100m Schmetterling (00:53,39 | 21.07.18 Berlin)

Insgesamt brachte er es im Verlauf seiner bisherigen Karriere auf noch wesentlich mehr nationale Rekorde. Wie viele genau kann er gar nicht sagen. „Es müssten so um die fünfzehn sein“, sagt er nach einigem Überlegen. „Mittlerweile dauert es aber doch schon länger, dass ich Altersklassenrekorde schwimme. Vor den Junioren-Weltmeisterschaften 2017 lief es in dieser Hinsicht dagegen richtig gut. An diese Zeiten muss ich erst wieder ran kommen, was nicht einfach ist, da ich seit November ständig krank war“, fügt Luni hinzu. Auf einen Rekord ist er besonders stolz. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften Ende August 2017 in Indianapolis/USA schwamm er über 50m Schmetterling im Halbfinale 00:23,97 Minuten. Mit dieser Zeit war Luni der schnellste Schwimmer der Welt im Jahrgang 2001. Im Finale dieser WM belegte er anschließend in 00:24,07 Minuten einen hervorragenden sechsten Platz.

Doch nicht nur Rekorde zieren die Erfolgsbilanz von Luca Nik Armbruster. Auch seine Sammlung von Titeln und Medaillen auf Ebene des SV NRW und des DSV summieren sich bereits auf beträchtliche Höhen. Bei SV NRW-Jahrgangsmeisterschaften gewann er seit 2015 28 Titel, davon 5 auf der Kurzbahn. In der offenen Klasse schwimmt er in unserem Landesverband seit 2016 mit dem Gewinn von 5 Gold,- 4 Silber- und 2 Bronzemedaillen auf einer Erfolgswelle. Von Deutschen Jahrgangsmeisterschaften brachte er bisher 16 Medaillen (11 Gold, 4 Silber, 1 Bronze) mit nach Hause. In der offenen Klasse konnte Luni bei Deutschen Meisterschaften ebenfalls schon glänzen. Seine größten Erfolge feierte er hier mit dem Gewinn von zwei Bronzemedaillen über 50m und 100m Schmetterling bei den Langbahntitelkämpfen 2017. In diesem Jahr wurde er mit jeweils neuen Deutschen Altersklassenrekorden Vierter über 50m Schmetterling und Sechster über 100m Schmetterling. Erstmals trat Luni bei Deutschen Meisterschaften 2016 in Erscheinung wo er in der offenen Klasse jeweils Platz sechs über 50m und 100m Schmetterling belegte.

Gold in der offenen Klasse. Für Luni kein Problem

Seine Erfolge blieben natürlich auch den Medien nicht verborgen. Die WDR-Lokalzeit Dortmund widmete Luca Nik Armbruster im dritten Fernsehprogramm am 17. Juli 2018 einen Bericht. Deutschlandweit war Luni eine Woche später dem ARD-Morgenmagazin einen Bericht wert. Hier machte er übrigens eine interessante Aussage, was seine Konkurrenz angeht. „Ich bin selbst mein größter Konkurrent. Ich möchte hauptsächlich immer besser sein als ich. Daraus beziehe ich meinen Ehrgeiz, der darin besteht, dass ich immer härter kämpfe und immer alles gebe“, so Luni vor den Fernsehkameras der ARD. Sein sportliches Vorbild ist wie bei vielen anderen Schwimmkollegen auch der amerikanische Ausnahmeathlet Michael Phelps. Außerhalb des Schwimmbeckens bewundert er den US-amerikanischen Filmregisseur, Filmproduzenten und YouTube-Star Casey Neistat. Der 37-Jährige schrieb im September 2016 Geschichte, als sein YouTube-Kanal eine Milliarde Aufrufe verzeichnete.

Wie aus dem bisherigen Bericht zweifelsfrei zu erkennen ist, hat sich Luca Nik Armbruster hauptsächlich dem Schmetterlingsschwimmen verschrieben. „Ich weiß gar nicht mehr warum. Das hat sich irgendwie so ergeben, weil es wohl mit dieser Lage im Wettkampf und im Training immer besser geklappt hat. So bin ich dann dabei geblieben“, erklärt uns Luni. Von den drei Schmetterlingsstrecken sind ihm die 50m die liebsten. Die 100m schätzt er aber ebenfalls. „Ich hoffe darauf, dass die 50m Schmetterling irgendwann olympisch werden, das käme mir sehr entgegen“, sagt Luni. Freistil und Lagen klappen bei ihm auch ganz gut, Rücken und Brust liegen ihm hingegen etwas weniger. „Eigentlich schwimme ich alles ganz gerne, außer vielleicht die 1500m Freistil“, verrät uns der inzwischen in Dortmund wohnende gebürtige Essener. Mehrmals die Woche schläft er im Sportinternat Dortmund, wohnt aber nicht ständig da. Als hilfreich empfindet er es, dass seine Schule, das Goethe-Gymnasium eine Partnerschule des Internats ist. Pläne, was er nach Ende der Schulzeit machen will, hat Luni bereits. „Ich denke, dass ich nach der Schule zur Bundeswehr gehe, weil dort der Sport gut unterstützt. wird. Ansonsten habe ich noch keine weiteren Pläne. Gerne möchte ich studieren, weiß aber noch nicht genau was und wie“, gibt uns Luni zu verstehen.

Luca Nik Armbruster kommt aus einer sportbegeisterten Familie. Seine Mutter war früher Turnerin, sein Vater spielte in den 80’ger Jahren erfolgreich für USC Heidelberg und SSV Hagen in der Basketball-Bundesliga. Mit verschiedenen Basketball-Nationalmannschaften spielte er für Deutschland auch international. Erfolgreicher Basketballer war auch Lunis Großvater. Sowohl Opa als auch Vater Armbruster verpassten zu ihrer aktiven Zeit wegen Verletzung eine Olympiateilnahme nur knapp. Er hat noch eine ältere Schwester, die auch geschwommen ist, inzwischen aber mit dem Schwimmsport aufgehört hat.

Als sein bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport nennt Luni die Junioren-Weltmeisterschaften 2017 in Indianapolis. „Die JWM war eine mega-tolle Sache. Dort Erfahrung zu sammeln war einfach nur schön. Dass ich bei solch einem Riesenwettkampf mit vielen teilnehmenden Nationen dabei war und sehen konnte, wie gut die anderen so schwimmen, hat mich total begeistert“, erinnert sich Luni. Gerne wäre er in diesem Jahr auch bei den Jugend-Europameisterschaften in Helsinki geschwommen, scheiterte aber an den Qualifikationsvorgaben. „Blöd war, dass ich im Januar zwar die Vorlaufnorm geschwommen bin, die Endlaufnorm um eine Zehntelsekunde aber nicht geschafft habe. Bei der DJM in Berlin habe ich die dann unterboten, bin aber trotzdem nicht nachnominiert worden. Da habe ich halt Pech gehabt. Geärgert habe ich mich darüber schon ein bisschen“, so Luca Nik Armbruster über die verpasste JEM-Teilnahme. Das Thema JEM hat Luni noch nicht abgeschrieben, im nächsten Jahr nimmt er einen neuen Anlauf und hofft, dass es dann mit der Qualifikation klappt.

Zwei aus der Talentschmiede der SG Dortmund. Luca Nik Armbruster und Kim Kristin Krüger

Mehr als ein Trost für die in diesem Jahr verpasste JEM ist für ihn jedoch die Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die Youth Olympic Games 2018, die vom 01. bis 12. Oktober in Buenos Aires/ Argentinien stattfinden. Das ist für ihn der absolute Höhepunkt in diesem Jahr. Neben Luni haben sich hierfür aus unserem Landesverband übrigens noch Anna Kroniger (SV Blau-Weiß Bochum) und Aaron Schmidt (SG Neuss) qualifiziert. Ein großes Ziel ist für Luni natürlich auch einmal bei den „großen“ Olympischen Spielen starten zu dürfen. Luca Nik Armbruster gehört dem DSV-Nachwuchskader an. Im SV NRW ist er Mitglied des Junior-Top-Teams.

Wenn man die bisherige erfolgreiche Laufbahn des Dortmunders betrachtet, stellt sich natürlich die Frage, wie das alles angefangen hat und da wartet Luni mit einer überraschenden Aussage auf. „Als Kind war ich sehr wasserscheu“, gibt er uns schmunzelnd zu verstehen. „Meine Eltern wollten aber, dass ich zumindest das Seepferdchen machen soll, da war ich sieben oder acht Jahre alt. Als ich zehn war, meinten einige Leute ‚Pack den mal in einen Schwimmverein‘ und seit dieser Zeit schwimme ich leistungsmäßig“, erinnert sich Luni. Sein erster Verein war der SC Hellweg Werl, danach wechselte er zum SV Hellas Dortmund, der einer der Trägervereine der SG Dortmund ist. Aktuell trainiert er dort bei Stephan Wittky. Wenn er nicht Schwimmer geworden wäre, hätte er wahrscheinlich wie sein Vater und Opa eine Laufbahn als Basketballer eingeschlagen. Seine Körpergröße von 1,94 Meter wäre ihm da sehr entgegengekommen. Was er nicht als Sport betreiben würde, wäre hingegen Schach.

Luca Nik Armbruster (SG Dortmund)

Hobbys neben dem Schwimmsport halten sich bei Luni in Grenzen. „Gelegentlich spiele ich Golf, ansonsten mache ich nicht viel. Meine Freizeit ist ja wegen des Sports auch knapp bemessen. Wenn ich zu Hause bin, schlafe ich hauptsächlich. Kümmern tue ich mich aber gerne um meine zwei Chihuahua-Hunde“ erzählt uns Luca Nik Armbruster, dessen Leibgericht der geschmorte Gemüseeintopf Ratatouille ist. Nicht verzichten kann Luni auf seinen Sport, gut hingegen auf Stress jeder Art. Glücklich machen kann man ihn, wenn man ihn ausschlafen lässt. Was er gar nicht mag, ist, wenn man hinter seinem Rücken schlecht über ihn redet. „Wenn jemand etwas an mir auszusetzen hat, soll er oder sie mir das direkt ins Gesicht sagen“, gibt er mit Nachdruck zu verstehen. Der größte Traum, den Luni hat, ist einmal um die Welt zu reisen. Wenn er wiedergeboren würde, wäre er gerne ein Vogel, weil er es toll findet, fliegen zu können. Sportlich ist er diesem Ziel bei seinen bisherigen Wettkampfreisen schon etwas nahe gekommen, aber wie das bei Wettkampfreisen so ist, außer Unterkunft und Schwimmbad sieht man da nicht viel. Die private Komponente mit viel Freizeit und genug Zeit um Land und Leute richtig kennenzulernen, das ist es, was bei ihm auf jeden Fall irgendwann noch hinzukommen soll.