Eine Welle von Nichtschwimmern am Horizont

von: Frank Rabe, 29.06.2020, Kategorie: Schwimmverband NRW, Breitensport, Schwimmen, Schwimmjugend, Wasserball, Wasserspringen

Wegen der Corona-Pandemie öffnen Bäder nur eingeschränkt - Schwimmverband NRW sorgt sich um die Zukunft der Schwimmausbildung

Duisburg, 26.06.20 - „Eigentlich könnte man zufrieden sein. Im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten, stehen wir grundsätzlich gut da!“, so der Generalsekretär des Schwimmverbandes NRW, Frank Rabe. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern habe man in NRW schnell wieder Bäder öffnen dürfen und Schwimmen können. Allerdings bedeutet dürfen und können nicht automatisch, dass dies insbesondere für die Schwimmausbildung auch sofort geschieht.

Zunächst hat es einige Zeit gebraucht, um die geschlossenen Bäder wieder hochzufahren. Und dann war zu klären, was unter Coronabedingungen an Vorsichtsmaßnahmen nötig ist. Der Schwimmverband hat hierzu einen mittlerweile in der dritten Version erschienenen Leitfaden verfasst. „Unsere Vereine haben diesen natürlich sofort anwenden wollen, sind aber gerade zu Beginn auf zurückhaltende Badbetreiber getroffen“, so Rabe. Dies hat mehrere Gründe. Auf der eine Seite Verunsicherung in Bezug auf die Ansteckungsrisiken bei der nicht-kontaktfreien Schwimmausbildung. Auf der anderen Seite das Bemühen, bei reduzierten Besucherzahlen die Betriebskosten zu senken bzw. zahlende Gäste in die Bäder zu bekommen. Dass ist zwar aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar, verschärft aber das gesellschaftliche Problem der nachlassenden Schwimmfähigkeit.

2019 haben die 580 Vereine des Schwimmverbandes NRW 25.403 Seepferdchen und 25.638 weitere Schwimmabzeichen vergeben. Für 2020 rechnet der Schwimmverband hier mit einem Rückgang von 70-80%. Dies wären im schlimmsten Fall über 20.000 Kinder, die in diesem Jahr wortwörtlich auf dem Trockenen sitzen geblieben sind.

Einen Masterplan, wie man dies aufholen kann, haben die Schwimmer noch nicht. Das Land hat bereits in Aussicht gestellt, dass die Mittel für das Landesprogramm NRW kann schwimmen ins Jahr 2021 übertragen werden. Alleine über dieses Programm lernen jedes Jahr 5.000 – 6.000 Kindern in den Ferien das Schwimmen. Durch den Mittelübertrag allein wird aber nicht mehr angeboten werden können. „In den Ferien sind wir, wie fast das ganze Jahr, bei 100 % unserer Möglichkeiten“, so Rabe. Schon vor Corona betrugen die Wartezeiten für einen Schwimmkurs bis  zu einem Jahr.

Es fehlt an verfügbarer und geeigneter Wasserfläche. Ausgehend von der letzten offiziellen Sportstättenstatistik aus 2012 hat NRW in den zehn davor liegenden Jahren 260 Bäder verloren. Seitdem sind nach Rückmeldungen der Vereine und Statistik der DLRG mindestens 80 weitere Schwimmstätten geschlossen worden. Von 1.400 Bädern und Schwimmhallen in NRW Anfang des Jahrtausends sind noch rd. 1.060 vorhanden. Hinzu kommt, dass neue Bäder eher den Spaß im Fokus haben. „Allerdings kann man in Sprudelbecken und auf Wasserrutschen kein Schwimmen lernen.“

Mehr Lehrschwimmbecken wäre ein Ausweg aus dieser Misere, am besten in direkter Nähe zu den Grundschulen. Dies ist aber keine Lösung für morgen. „Für das nächste Jahr werden sich unsere Vereine der besonderen Herausforderung der großen Zahl an Nichtschwimmern stellen müssen“, so Rabe. Das Land hat bereits signalisiert, die Schwimmkurse auch außerhalb der Ferien zu fördern und der Schwimmverband wird die Ausbildung von Schwimmlehrern forcieren. Wenn die Badbetreiber ergänzend mehr Wasserfläche kostenfrei für die Schwimmausbildung bereitstellen, könnte der „Überhang“ an Nichtschwimmern in den kommenden zwei bis drei Jahren abgearbeitet sein. Dann wäre man wieder bei den „normalen“ Wartelisten.

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