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Sportlerportrait 04/2013 – Christine Schubert

Berufswunsch Profischwimmerin. Die schnelle Bielefelderin arbeitet hart für die Erfüllung ihres Traums

Christine Schubert (Wasserfreunde Bielefeld)

Als am 3. August 2013 bei den 15. Weltmeisterschaften in Barcelona die Deutsche Vizemeisterin über 50m Freistil, Daniela Schreiber vom SV Halle/Saale, ihren Vorlauf über diese Strecke in 00:26,24 Minuten beendet hatte und sich damit auf Platz 38 wiederfand, rieb sich im westfälischen Steinhagen Christine Schubert, die für die Wasserfreunde Bielefeld startet, verwundert die Augen. War die 17-jährige doch eineinhalb Monate zuvor bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin im Junioren-Hauptfinale mit 00:25,79 Minuten rund eine halbe Sekunde schneller gewesen als die Hallenserin. Mit dieser Zeit wäre sie in Barcelona auf Rang 28 geschwommen und hätte von den Schwimmerinnen aus Europa Rang 16 belegt. Womit festzuhalten wäre, Christine Schubert gehört zu den besten Freistilsprinterinnen in Deutschland und auch die europäische Spitze ist nicht mehr Welten entfernt. Höchste Zeit also Christine in unsere Reihe der Sportlerportraits aufzunehmen. Christine Schubert wurde am 11. März 1996 in Halle geboren. Mit dem Halle von der eingangs erwähnten Daniela Schreiber hat das aber nichts zu tun. Danielas Halle liegt im Osten Deutschlands an der Saale, während Christines Geburtsort in Westfalen, fünfzehn Kilometer westlich von Bielefeld zu finden ist. In ihrer Geburtsstadt wohnt sie inzwischen nicht mehr, geht dort aber noch zur Schule und zwar ins Berufskolleg Halle, wo sie 2015 auch das Abitur machen will. Die Familie Schubert zog ins benachbarte Steinhagen. In der Stadt am Rande des Teutoburger Waldes mit ca. 20.000 Einwohnern lebt Christine noch heute, kann sich aber vorstellen, ihren Wohnort einmal zu wechseln. "Steinhagen ist nicht so die Stadt, wo ich bis zum Ende meines Lebens wohnen möchte. Zu den Städten, die ich gerne mag, zähle ich momentan in erster Linie Berlin", erzählt Christine, die von vielen entweder Shuby, Tine oder Chrissi genannt wird. Zum Schwimmen kam sie im Alter von fünf Jahren. Ihre Mutter, die selbst auch geschwommen ist, weckte in ihr die Liebe zum Element Wasser. Auch ihr zwei Jahre älterer Bruder Fabius hat sich dem Schwimmsport verschrieben. Ihr Vater war hingegen früher Leichtathlet. Wenn Christine nicht Schwimmerin geworden wäre, hätte sie sich dem Tanzen oder eventuell Turnen zugewandt. Ballsportarten sind eher nicht ihr Ding. "Ich hab es nicht so sehr mit Bällen, wenn nicht Schwimmen, käme, glaube ich als erstes Tanzen infrage", gibt sie zu. Christines erster Verein war der SC Steinhagen-Amshausen, dem sie elf Jahre angehörte und unter ihrem dortigen Trainer Klaus Völcker ihre ersten sportlichen Erfolge feierte. 2012 schloss sie sich den Wasserfreunden Bielefeld an. Den Wechsel dorthin und zu Trainer Christof Taube hat sie nicht bereut. "Ich bin Leistungssportlerin, da will man auf Dauer mehr erreichen. In Bielefeld sind die Möglichkeiten einfach besser. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Bei den Wasserfreunden gefällt mir einfach alles, das Umfeld, die Trainingsbedingungen, die Sportler, eben einfach alles", gibt Christine Schubert ein klares Bekenntnis zu ihrem neuen Verein ab.

Erste Goldmedaille für Christine Schubert (Mitte) bei den SV NRW-Meisterschaften 2013 in Köln.

Zum Training fährt sie mit dem Zug. Von Steinhagen bis Bielefeld braucht der nur zehn Minuten. Shuby's Lieblingsdisziplinen sind die 50 Meter Sprintstrecken über Freistil und Rücken. Die 100m-Strecken in diesen Lagen akzeptiert sie so gerade eben noch. "Die 100m sind für mich die Grenze. Alles was darüber hinaus geht, ist einfach zu lang", sagt Christine. Auch schwimmt sie lieber Kurz- als Langbahn. "Bei mir kommt alles aus der Wende heraus, darum mag ich die Kurzbahn eigentlich mehr. Langbahn kann ich aber auch ganz gut", legt sich Shuby nicht eindeutig auf die Kurzbahn fest, wobei sie auch genau weiß, dass sportlich gesehen die Langbahn wesentlich wichtiger ist, als die 25m-Bahn. Bei ihrer Vorliebe zu den Sprintstrecken ist es kein Wunder, dass sie als ihre sportlichen Vorbilder Britta Steffen und Dorothea Brandt nennt. "An Britta gefällt mir, dass sie das gleiche schwimmt wie ich und dabei noch so schnell ist. Mit Dorothea Brandt verbindet mich, dass sie auch so einen großen Ehrgeiz hat", sagt Christine über ihre Vorbilder. Ehrgeizig ist eine Eigenschaft, die sich Christine Schubert ganz groß auf ihre Fahne geschrieben hat. So lautet eines ihrer Lebensmottos: GO HARD OR GO HOME. "Dieses Motto bezieht sich aufs Schwimmen und soll heißen: Entweder du trainierst hart, oder du gehst besser nach Hause. Locker gibt es nicht", sagt Christine im Brustton der Überzeugung. Neben ihrem Talent ist es dann auch ihr Ehrgeiz, dem Christine Schubert ihre bisherigen Erfolge zu verdanken hat. Auf Ebene des SV NRW gewann sie seit 2009 insgesamt zwanzig Jahrgangstitel, wobei sie über 50m Freistil auf der Langbahn seit 2009 im Jahrgang 1996 ungeschlagen ist. Ihren ersten Titel bei SV NRW-Meisterschaften in der offenen Klasse gewann Shuby in diesem Jahr auf der Langbahn in Köln über 50m Rücken. Vizemeisterin wurde sie außerdem über 50m Freistil.

Christine Schubert (Wasserfreunde Bielefeld)

Sehr erfolgreich präsentierte sich Christine Schubert auch bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften. Über 50m Freistil gewann sie im Jahr 2009 die Silbermedaille. Ein Jahr später war es dann über diese Strecke soweit. Sie wurde Deutsche Jahrgangsmeisterin. 2011 wurde sie Vizemeisterin über 100m Freistil und gewann Bronze über 50m Rücken. Auch 2012 kehrte Christine mit einer Medaille von den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften zurück. Über 50m Freistil holte sie Bronze. Die gleiche Farbe über die gleiche Strecke brachte sie auch in diesem Jahr von Berlin mit nach Hause. Ihr größter Erfolg war in diesem Jahr bei den offenen Deutschen Meisterschaften aber der Einzug ins A-Finale über 50m Freistil. Hier belegte sie den achten Platz. Mit ihrer Zeit von 00:25,79 über 50m Freistil von den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2013 in Berlin katapultierte sich Christine auf Platz fünf der deutschen Bestenliste der offenen Klasse. Die nationale Bestenliste des Jahrgangs 1996 führt sie mit dieser Zeit an. In der letzten Saison schwamm sie allein sieben OWL-Rekorde (Schwimmbezirk Ostwestfalen-Lippe) In diesem, ihrem Bezirk wurde sie auch Schwimmerin des Jahres 2012/2013. Ihr Bekanntheitsgrad in Ostwestfalen ist mittlerweile schon recht groß und bescherte ihr auch bereits einige Sponsoren. Viel Unterstützung erfährt sie auch durch ihre Eltern und Geschwister. Im SV NRW gehört Christine dem aktuellen Perspektivkader an. Trotz aller Erfolge blieb Shuby die Teilnahme an einer JEM verwehrt. "Immer wenn es um die JEM-Quali ging, war ich entweder krank oder sonst nicht fit. Dass ich die JEM-Chance zweimal nicht nutzen konnte, wurmt mich jetzt nicht mehr. Es gibt noch genug andere Wege um sich für große internationale Wettkämpfe zu qualifizieren", schaut Christine nach vorne. Für die Zukunft hat sie sich vorgenommen den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen. Schwimmen soll auch ihren beruflichen Lebensweg bestimmen. "Schwimmen ist das, was ich einfach am liebsten mache. Daher war es von Anfang an mein Traum nach dem Abi Profischwimmerin zu werden", verrät Christine ihren Berufswunsch. Sollten sich diese Vorstellungen aus irgendeinem Grund nicht verwirklichen lassen, möchte sie gerne Sport studieren. Wie sehr der Schwimmsport ihr Leben bestimmt, kann man auch an ihren Hobbys ablesen. Hiernach gefragt antwortet Shuby: "Als erstes Schwimmen, dann Sport allgemein, Musik hören, Freunde treffen und dann noch einmal Schwimmen". Auch die Persönlichkeiten, die sie gerne einmal kennenlernen möchte, haben mit dem Schwimmsport zu tun. Hierbei handelt es sich um die US-Amerikaner Michael Phelps und Ryan Lochte. Natürlich gibt es im täglichen Leben aber auch Dinge, die nicht unmittelbar mit Schwimmen zu tun haben. So würde sie gerne einmal eine Weltreise machen bei der die Karibik und die USA auf jeden Fall zu den Stationen gehören müssten. Eine Freude kann man Christine, zu deren Lieblingsspeisen Salat und Putenbrust zählen, damit machen, wenn man sie zum Lachen bringt und ihr kleine Geschenke macht. Auch ihr zweites Lebensmotto, welches lautet: LEBE DEN TAG ALS WÄRE ES DEIN LETZTER hat nicht unbedingt einen Bezug zum Schwimmen. "Wenn ich plötzlich tot umfallen würde und der letzter Tag wäre nicht gut gewesen, wäre das doch großer Mist", lacht Shuby. So wie sie mir das strahlend sagt, wünsche ich ihr von ganzem Herzen, dass es für sie nur gute Tage geben möge.

Peter Kuhne

Sportler von A-Z

Context Column