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Sportlerportrait 01/2016 - Lara Pillokat: Mit einem Lächeln auf der Jagd nach Titeln und Medaillen

Lara Pillokat (SG Dortmund)

 

Fotos/Bericht: ©Peter Kuhne

Die Fotos zu diesem Sportlerportrait von Lara Pillokat entstanden Anfang Januar in der Turnhalle der Schwimmsportschule des SV NRW in Übach-Palenberg während des Jahreseinstiegslehrgangs des NRW-Nachwuchskaders. Als wir mit den Aufnahmen fast am Ende waren, bemerkte ich mehr beiläufig, dass sich Lara doch einmal an den Basketballkorb hängen könnte. „Kein Problem, das habe ich schon öfter gemacht“, antwortete Lara auf die eher scherzhaft gemeinte Frage und schon hing sie lachend mit einer Hand an dem in drei Meter Höhe angebrachten Korb. Ich staunte nicht schlecht über ihre spontane Reaktion. Aber so ist sie, die am 18. Oktober 1999 in Gladbeck geborene Lara Pillokat, immer zu einem Scherz aufgelegt und dabei immer gut gelaunt. „Ich bin ehrgeizig, aufgedreht und lustig. Außerdem bin ich ein optimistischer Mensch und lache gerne. Meine gute Laune wirkt oft ansteckend. Manchmal gelingt es mir auch anderen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern“, beschreibt Lara diese Eigenschaft, die sie auf Anhieb zu einem sympathischen Menschen macht. Ein Redakteur der WAZ schrieb einmal nach einem Interview mit Lara „Man meint, dass Lara Pillokat beim Wettkampf oder Training auch mit dem Kopf unter Wasser lächelt“.

Lara Pillokat wohnt in ihrer Geburtsstadt Gladbeck  im nördlichen Ruhrgebiet, die ca. 75.000 Einwohner zählt. Sie besucht noch die zehnte Klasse (Einführungsphase) des Gladbecker Riesener Gymnasiums. Geschwister hat Lara keine. Wenn ich nach Gladbeck zu Besuch käme, würde sie mir als erstes das Wasserschloss Wittringen zeigen, wo das Städtische Museum untergebracht ist und das über einen schönen Biergarten verfügt.
Lara ist im Schwimmbecken groß geworden, ihren ersten Auftritt im nassen Element hatte sie beim Babyschwimmen. Leistungssport betreibt sie seit zehn Jahren. Anfangs fuhr sie noch zweigleisig, denn neben dem Schwimmen betrieb sie noch Leichtathletik. „Weil es mit den beiden Sportarten immer mehr wurde, musste ich mich irgendwann entscheiden. Ich habe dann das Schwimmen gewählt, da ich es interessanter fand und auch mehr Spaß gemacht hat.“, erzählt Lara.
Wenn sie nicht schwimmen würde, könnte sie sich gut vorstellen, Fußball zu spielen. Das Interesse daran, hat sie wohl von ihrem Vater geerbt. „Er war richtig gut im Fußball. Er spielte unter anderem in der Jugend von Schalke 04. Ich kann auch relativ gut spielen und bin sehr am Fußball interessiert. Wenn ich einen Ball sehe, muss ich direkt Fußball spielen“, so Lara Pillokat. Ihre Liebe zum runden Spielgerät überträgt sich allerdings nicht auf Wasserball, was sich bei einer Schwimmerin möglicherweise anbieten würde. „Das ist nichts für mich. Ich finde Wasser und Bälle passen nicht zusammen“, bezieht Lara zu diesem Thema eindeutig Stellung.
Was sie ebenfalls nicht machen würde, wäre Reiten. „Reiten ist mir ein bisschen zu gefährlich. Wenn man sich da hinlegt, kann man sich übel verletzen“, meint Lara.

Lara Pillokat (SG Dortmund)

Im Verein begann Lara Pillokat zunächst beim SV Gladbeck 13 zu schwimmen, schloss ich aber bereits nach kurzer Zeit dem VFL Gladbeck 1921 an. Dort trainierte sie anfangs bei Waldemar Götze, ihre weiteren Übungsleiter waren Sandra Steiger und Harry Schulz. Das Kapitel Gladbeck hat Lara jetzt abgeschlossen. Ihre neue sportliche Heimat ist seit Beginn dieses Jahres die SG Dortmund, wo sie dem A-Kader angehört.
Im Februar wechselt sie auch die Schule und geht dann auf das Dortmunder Goethe Gymnasium. Außerdem besucht sie dort auch das angeschlossene Teilzeitinternat. „Das Goethe-Gymnasium ist die offizielle Partnerschule von Borussia Dortmund. Für Sportler ist geregelt, dass sie mehr trainieren können. Einige meiner neuen Mannschaftskameraden besuchen ebenfalls diese Schule. In Gladbeck war es mit Schule und Sport schwieriger. Ich habe trotzdem lange überlegt, ob ich diesen großen Schritt machen soll. So einen Wechsel kann man nicht nur mal so eben machen. Entscheidend war, dass ich jetzt mehr trainieren kann. Von den Dortmunder Schwimmern wurde ich gut aufgenommen. Die sind alle nett und lustig“, freut sich Lara auf neue Herausforderungen. Als Schalke-Fan war ihr Vater zunächst nicht gerade begeistert, dass seine Tochter ausgerechnet nach Dortmund geht. „Da ich aber nicht den Fußballverein wechsle, passt letztendlich auch bei Papa alles“, lacht Lara. Sie selbst ist übrigens Bayern-Fan, da muss der Vater auch mit leben.

Lara Pillokats Hauptlage ist inzwischen Brust. „Ich habe viel ausprobiert, was man auch muss, damit man feststellt was man so kann. Ich bin Kraul geschwommen, auch die langen Strecken, dann war ich bei Lagen und am Ende bin ich bei Brust stehen geblieben, weil es mir am meisten liegt. Die langen Freistilstrecken schwimme ich nur noch nebenher. Delphin mag ich gar nicht und Rücken geht so, was damit zusammenhängt, dass ich nicht so beweglich bin. Da muss ich noch dran arbeiten“, sagt Lara. Herausgefunden hat sie, dass ihr die 50m Brust besonders liegen. Sprinten findet Lara super, kann aber auch zu 200m Brust nicht nein sagen. So richtig festgelegt hat sie sich noch nicht, wohin am Ende die Reise geht.
Direkte Vorbilder hat Lara Pillokat nicht. Gut findet sie aber die Amerikanerin Missy the missile (Missy die Rakete) Franklin. „Die schwimmt zwar nicht meine Lage. (Missy Franklin gewann bei den Olympischen Spielen 2012 in London neben zwei Staffel-Goldmedaillen Einzel-Gold über und 100m und 200m Rücken). Was ich gut finde ist, wie sie sich gibt. Die steht immer am Start und lacht. Man merkt, dass sie richtig Spaß am Schwimmen hat“, so Lara.
Bei der Erfolgsbilanz von Lara Pillokat besteht kein Zweifel, dass auch ihr das Schwimmen richtig Spaß macht. Bei SV NRW-Meisterschaften auf Lang- und Kurzbahn gewann sie seit 2011 insgesamt 33 !!! Jahrgangstitel. Ihr Rekord steht bei acht Titeln, die sie 2014 bei den offenen Meisterschaften auf der 50 Meterbahn holte. Über 200m Freistil und 200m Brust ist Lara im Jahrgang 1999 bei NRW-Titelkämpfen sowohl auf der langen, als auch auf der kurzen Bahn seit 2013 ungeschlagen. Reichlich Medaillen gewann Lara bisher auch bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften. Nachdem sie 2011 als Sechste der Brustwertung im Jugendmehrkampf und 2012 als Vierte über 100m Brust  und Fünfte über 200m Brust noch an den Medaillen nur schnuppern durfte, gewann sie ein Jahr später 2013 gleich einen kompletten Medaillensatz. Sie gewann Gold über 800m Freistil, Silber über 200m Brust und  Bronze über 400m Freistil. 2014 wurde sie Dritte über 800m Freistil. Mit einem kompletten Medaillensatz  kehrte sie dann wieder 2015  aus Berlin zurück. Sie siegte über 50m Brust, wurde Vizemeisterin über 100m Brust und Dritte über 200m Brust.
Als ihr bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport bezeichnet Lara den Gewinn ihrer ersten Medaille bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Jahr 2013. „Über 800m Freistil bin ich einfach losgeschwommen, dachte zwar jetzt hast Du eine Chance auf eine Medaille, konnte es am Ende aber gar nicht fassen, dass es sogar Gold war“, erinnert sich Lara. Einsätze bei einer JEM oder EYOF blieben ihr bisher verwehrt. „ EYOF wäre möglich gewesen, aber Beate Ludewig hat mich nicht mitgenommen. Was die JEM 2015 angeht, war ich erst zu spät gut. Ich hätte die Normzeiten bei den offenen Deutschen schwimmen müssen. Ich habe aber erst bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften gute Zeiten hingelegt, das war dann zu spät. Darüber ärgere ich mich immer noch. Aus Fehlern kann man jedoch lernen“, sagt Lara. Never give up lautet Lara Pollokats Lebensmotto und weil das so ist, startet sie in diesem Jahr einen neuen Versuch sich für die JEM zu qualifizieren. Dass sie künftig darüber hinaus auch neue Bestzeiten schwimmen will, braucht eigentlich nicht besonders erwähnt zu werden.
Gerne würde sie später einmal  international etwas gewinnen. Darauf will sich Lara aber nicht festlegen. So ist es auch mit Ihrem Traum, einmal bei Olympia zu schwimmen. „Das ist für mich zwar noch sehr weit weg und ein ganz schwerer Weg. Aber von Olympia träumt wohl fast jeder Schwimmer“, so Lara, die bei der Wertung für die Jugendschwimmerin des Jahres 2015 im SV NRW Platz zwei  belegt hat. „Da sieht man, dass ich nicht gerade die Schlechteste bin“, lautet ihr Kommentar zu diesem Ergebnis.

Lara Pillokat (SG Dortmund)

Nach ihrem Abitur, das 2018 ansteht, will Lara gerne studieren, wobei hier Sport an oberster Stelle steht. Die Sporthochschule in Köln reizt sie besonders und auch die Stadt Köln bezeichnet Lara als lebenswerten Wohnort. Was Reisen angeht, möchte sie gerne einmal in die USA oder nach Australien. Wenn sie zu Hause ist, ruht sie sich am liebsten einfach nur aus und genießt die wenigen Pausen und Auszeiten, die der Schwimmsport ihr lassen.
In ihrer kurz bemessenen Freizeit unternimmt sie gerne etwas mit ihren Freunden. Lara freut sich über jeden, der ein Lächeln im Gesicht hat und ihre stets gegenwärtige gute Laune teilt. Miesepeter, die andere mit runter ziehen kann sie nicht ab. Auf ihre Schwächen angesprochen sagt Lara, dass sie oft rechthaberisch ist, das aber genau wie ihre Neigung zum vielen Diskutieren abstellen will. Wichtig ist Lara, dass man im Hinblick auf die vielen Umstände, die der Sport mit sich bringt, die Eltern nicht vergessen soll. „Die Eltern unterstützen einen sehr. Es ist bestimmt nicht einfach das alles mitzumachen, wie zum Beispiel früh um fünf Uhr aufstehen um dich zum Frühtraining zu bringen. Da kann man gar nicht dankbar genug sein“, gibt uns Lara noch als ihr Schlusswort mit auf den Weg.

Ich selbst freue mich jetzt schon auf die offenen SV NRW-Meisterschaften, Ende Mai in Wuppertal. Im dortigen Leistungszentrum kann man die Schwimmer nämlich auch unter Wasser beobachten. Da werde ich mich bei einem von Laras Wettkämpfen mal in die Katakomben begeben um festzustellen, ob sie tatsächlich unter Wasser lächelt, wie der WAZ-Reporter behauptet hat.

Sportler von A-Z

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