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Sportlerportrait 04/2007 — Sabrina Marzahn: Schwimmen fängt erst ab 200m richtig an

Sabrina Marzahn

Wenn Sabrina Marzahn über Schwimmen spricht, hat der Zuhörer das Gefühl, als befände er sich in einem Hörsaal und lauscht einem gut vorbereiteten Vortrag. Man merkt der am 24.02.1991 in Köln geborenen Rheinländerin deutlich an, wie sehr sie sich mit ihrem Sport identifiziert. "Schwimmen bedeutet mir unheimlich viel.

Um nicht zu gleich zu sagen, dass Schwimmen mein Leben ist", steht dann auch sinnigerweise als Einleitung zum Thema Schwimmen, die Sabrina Marzahn auf ihre Homepage in's Internet gestellt hat. Wer sich unter samy242.oyla17.de einklickt, wird die Verbindung Schwimmen und Sabrina Marzahn schnell verstehen.

Sam oder Sammy, wie Sabrina von ihren Freunden genannt wird, ist in Hürth in der Nähe von Köln zu Hause. Dort besucht sie auch die Schule, das Ernst-Mach-Gymnasium. 2010 will sie dort ihr Abitur machen, bestimmte nachfolgende berufliche Ziele hat sie dagegen noch nicht.

Sabrina schwimmt seit Ostern 2003 für den SV Rhenania Köln. Von Ihrem Wohnort Hürth braucht sie rund 15 Minuten Fahrzeit bis zu ihrer Trainingsstätte, dem Leistungszentrum Köln. Bevor sie in die Domstadt wechselte, und den Leistungssportgedanken in sich aufnahm, bestritt Sabrina ihre Wettkämpfe für den SC Hürth. Neben dem Schwimmen war sie in ihrer frühesten Jugend auch dem Ballet zugetan. "Das hat auch Spaß gemacht, aber nicht soviel wie Schwimmen. Darum habe ich mich letzten Endes für Schwimmen entschieden, auch weil ich da erfolgreicher war", sagt Sabrina Marzahn.

Sabrina Marzahn (dritte v. lks.)
Sabrina Marzahn (links)

Ihre Lieblingsdisziplinen sind die langen Freistilstrecken von 200 bis 1500 Meter. "Ab 200m fängt für mich das Schwimmen erst richtig an", gibt sie zu verstehen. Am meisten machen ihr die 200 und die 800m Freistil Spaß. Sie beherrscht aber auch sehr gut die langen Schmetterling- und Rückenstrecken, bezeichnet diese aber als ihre Nebenlagen. Bei ihren Vorlieben verwundert es nicht, dass sie als ihre sportlichen Vorbilder Hannah Stockbauer, Franziska van Almsick, und die Französin Laure Manaudou nennt. "Hannah Stockbauer war Langstrecklerin wie ich. Bei Franziska van Almsick finde ich bewundernswert, dass sie sich, nach dem sie schon früh bei Olympischen Spielen war, aus einem Loch, in das sie gefallen ist, wieder hervorgearbeitet hat. Ich habe ihre Biographie gelesen, die mich sehr beeindruckt hat.

An Laure Manaudou bewundere ich ihre Vielseitigkeit", sagt Sabrina. Ihre ersten eigenen sportlichen Erfolge datieren aus dem Jahr 2003. Hier wurde sie NRW-Jahrgangsmeisterin über 200m Schmetterling und holte vier Silbermedaillen über 100m Schmetterling, 100, 200 und 400m Freistil. "2003 war ich noch vielseitiger als heute. Schmetterling war damals noch meine Hauptlage", erklärt Sabrina. Das galt auch noch für das Jahr 2004, wo sie über 200m Schmetterling ihren Jahrgangstitel im SV NRW verteidigen konnte. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt sie, was 2004 angeht, auf ihre Ergebnisse bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften zurück. Dreimal Platz vier und damit "nur" die Holzmedaille über 200m Schmetterling, 200m Freistil und 800m Freistil, dazu noch Platz fünf über 400m Freistil ist ihre persönliche Bilanz dieser nationalen Titelkämpfe. Hierauf kann man wahrlich stolz sein, ist aber doch ein wenig traurig gestimmt, wenn man so nahe an Medaillen vorbeischwimmt.

Musste sich Sabrina 2004 noch das Siegertreppchen bei Deutschen Meisterschaften von unten anschauen, konnte sie dieses ein Jahr später endlich erklimmen, und das sogleich viermal. Sie gewann in Berlin die Silbermedaillen über 400 und 800m Freistil, sowie jeweils Bronze über 200m Freistil und 200m Schmetterling. Ihre Erfolge auf SV NRW-Ebene in 2005 sollen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Drei Gold- und eine Silbermedaille brachte sie mit an den Rhein. Ein ganz starkes Jahr war für Sabrina 2006. Im SV NRW gewann sie ihre ersten Medaillen in der offenen Klasse und zwar Gold über 1500m Freistil und Bronze über 800m Freistil. Edelmetall gab es auch wieder bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften. Sabrina konnte sich über Silber über 400m Freistil und Bronze über 800m Freistil freuen.

Für die diesjährigen Titelkämpfe in Dortmund hat sie sich zunächst vorgenommen, gute, neue Bestzeiten zu schwimmen und in die Medaillenränge zu kommen. "Wenn daraus noch mehr wird, nehme ich das natürlich gerne mit", beschreibt Sabrina ihre Nahziele. Weitergehende Ziele hat sie momentan noch nicht. "Ich will mir nicht zu viel vornehmen, umso mehr wäre ich enttäuscht, wenn es nicht klappt", hält sich Sabrina mit Fernprognosen zurück. Der Spaß am Schwimmen ist für sie das wichtigste.

Als ihre bisher schönsten Erlebnisse nennt sie internationale Wettkämpfe, vor allem auch die Begegnungen, die sie mit der SV NRW-Auswahl in Luxemburg erleben durfte. Neun Trainingseinheiten mit Frühtraining am Dienstag und Donnerstag lassen Sabrina kaum Zeit für Hobbys. An erster Stelle Lesen, dann chatten und an ihrer wirklich interessanten Homepage arbeiten, sind die Freizeitvergnügen, die sie sich gönnt. Ansonsten ist es so, wie bereits eingangs gesagt: sie lebt für den Schwimmsport. Das sie hierbei keine Einzelkämpferin ist, dokumentiert ihre Aussage zu dem, was ihr sonst noch wichtig ist. "Mit das größte für mich war, dass wir mit den SV Rhenania-Staffeln, nachdem wir schon 2006 über 4x100 und 4x200m Freistil zwei Titel in der offenen Klasse bei den NRW-Meisterschaften holten, in diesem Jahr sogar alle drei möglichen Titel gewonnen haben. Daran hätten wir im Vorfeld nie geglaubt", Als sie das sagt, strahlt sie über das ganze Gesicht, mehr noch als sie erzählt, wie viel ihr der erste Erfolg in der offenen Klasse bei Deutschen Meisterschaften bedeutet, den sie 2006 bei den Deutschen Wintermeisterschaften in Hannover mit Rang sieben über 1500m Freistil errang.

Peter Kuhne

Sportler von A-Z

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