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Sportlerportrait 06/2007 — Julian Jungbluth: Der Verein gibt ihm die Kraft zum Siegen

Julian Jungbluth

Die Stadt Mülheim an der Ruhr hat rund 171.000 Einwohner. Einer davon, der sich hier rundherum wohlfühlt ist Julian Jungbluth. Das liegt für den am 17. Mai 1989 in Mülheim geborenen Schwimmer der SG Mülheim aber nicht nur daran, dass er in einer aus 50 Prozent Grünfläche bestehenden reizvollen Stadt wohnt, sondern in erster Linie am Umfeld seines Vereins, von dem er in's schwärmen gerät, sobald die Sprache darauf kommt.

"Wir sind in der SG Mülheim eine Riesenfamilie. Der Zusammenhalt der Mannschaft in der gegenseitige Unterstützung groß geschrieben wird, ist einfach toll", zeigt sich Julian begeistert, wenn er von seinem Klub erzählt. Bei diesem ausgesprochenen Wohlfühlefekt ist es für den Schüler des Luisen-Gymnasiums, wo er die zwölfte Klasse besucht, auch nicht unbedingt ein Problem, dass die Trainingsbedingungen im Mülheimer Nordbad nicht gerade für den Spitzensport als ideal zu bezeichnen sind. "Wir trainieren hier mit 25 Leuten auf vier 25-Meterbahnen. Unser Kraftraum ist vielleicht vier Quadratmeter groß, da stehen fünf Geräte drin, woran wir mit zwölf Leuten trainieren. Trotzdem klappt alles", sagt Julian zur Trainingssituation bei der SG Mülheim.

Ein Vereinswechsel ist ihm nie in den Sinn gekommen. "Ich kenne alle Leute in der SG und habe hier total viele Freunde. Das zählt natürlich. Wenn ich den Verein wechseln wollte, müsste ich entweder nach Essen oder auch nach Wuppertal fahren. In Mülheim habe ich mich ständig in meinen Leistungen verbessert und ich bin davon überzeugt, dass ich hier auch in Zukunft noch besser werden kann", hakt Julian Jungbluth das Thema eines möglichen Vereinswechsels schnell ab.

Zum Schwimmen ist er durch seine Mutter gekommen, mit der er als Kind sehr häufig im Mülheim-Heissener Schwimmbad zu Gast war. Schnell erkannte er, wie viel Spaß ihm das Schwimmen macht und so fand er sich dann auch bald in einem Verein wieder. Andere Sportarten als Schwimmen hat er übrigens nie betrieben. In seiner Familie ist er auch der einzige Leistungsschwimmer geblieben. Sein älterer Bruder (21) hat Squash gespielt und sein Vater jagte früher als Fußballer dem runden Leder nach.

Mit dem Leistungssport fing er 1998 an. Seine bevorzugten Disziplinen sind die 100 und 200 Meter Brust, sowie ab und an die Lagenstrecken. Sportliche Vorbilder hat Julian Jungbluth keine. "Ich brauche so etwas nicht, weil ich nicht weiß, wozu die dienen sollen. Man ist selbst eine eigene Persönlichkeit, die man dann zu seinem Vorbild aufbaut. Dafür brauche ich keinen anderen Menschen", sagt Julian.

Julian Jungbluth

Sein vorhandenes Talent fand sich ab 2002 in den Siegerlisten von SV NRW-Meisterschaften wieder. Wie viele NRW-Jahrgangstitel er bisher insgesamt gesammelt hat, weiß er selbst nicht ganz genau. "Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr", gibt er zu Protokoll. An sein Abschneiden bei deutschen Jahrgangsmeisterschaften kann er sich da schon besser erinnern. Erstmals war er bei nationalen Titelkämpfen 2005 vertreten. Hier konnte er sich in seinen Rennen noch nicht unter die ersten Zehn platzieren.

Das änderte sich ein Jahr später schlagartig. In der Berliner Sprung- und Schwimmhalle an der Landsberger Allee wurde er gleich viermal Vierter. "Über 200m Brust hatte ich mir ausgerechnet unter die ersten drei zu kommen. Das es nicht geklappt hat, war für mich seinerzeit sehr ärgerlich", erinnert sich Julian. In diesem Jahr in Dortmund startete er einen erneuten Anlauf auf einen Podestplatz. Wieder hatte er sich Medaillenchancen über die 200m Brust ausgerechnet, aber wieder sprang nur der vierte Rang heraus. Dafür sorgte er einen Tag später über 100m Brust für eine Riesenüberraschung. In 1:05,53 Minuten gewann er die Goldmedaille und wurde zu seinem eigenen Erstaunen Deutscher Meister.

Seine persönliche Bestleistung verbesserte er hier um rund eineinhalb Sekunden. "Die 100m hatte ich gar nicht eingeplant", erinnert sich Julian Jungbluth an diesen Titelgewinn, den er als schönstes Erlebnis in seiner bisherigen Schwimmkarriere bezeichnet. Gerne erinnert er sich auch an seine "Ausflüge" in's Freiwasser 2006 und 2007, wo er bei den SV NRW-Freiwassermeisterschaften im Rhein-Herne-Kanal jeweils über 5 Kilometer antrat. Hier erlaubte er sich im vergangenen Jahr einen besonderen Spaß, als er in 1.08,26:81 Stunden zeitgleich mit seinem Vereinskameraden Niklas Klusmann gemeinsam als Dritter die Ziellinie überquerte. In diesem Jahr belegte er in 1.08,25:74 Stunden Rang fünf.

Eine Zukunft im Freiwasser sieht Julian Jungbluth für sich übrigens nicht. Die strebt er dann doch weiterhin im Becken an. Gerne würde er sich einmal für einen Länderkampf qualifizieren. Sein sportliches Hauptaugenmerk liegt in diesem Jahr aber auf den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften (DMS). Mit seinem SG Mülheim schwimmt Julian erstmalig in der zweiten Bundesliga. Julian ist wie seine Mannschaftskameraden schon ganz heiß auf diesen Wettbewerb und ist guter Dinge, die Klasse halten zu können. Das der Endkampf der zweiten Bundesliga in Mülheim ausgetragen wird, ist dabei zusätzliche Motivation.

Zuvor nimmt Julian am Höhentrainingslager des SV NRW in der spanischen Sierra Nevada teil. Für ihn ist es bereits die fünfte Höhenmaßnahme, von denen er nach eigenem Bekunden immer profitiert hat. Viel Zeit für Hobbys hat der Mülheimer nicht. Wenn es sein eng gefüllter Terminkalender einmal zulässt, trifft er sich mit Freunden, wobei oft Kinobesuche angesagt sind. Gerne sitzt er aber auch bei seiner Oma, deren Pfannkuchen seine absolute Lieblingsspeise sind.

Kennenlernen möchte Julian Jungbluth übrigens gerne einmal den früheren Arbeitsminister Norbert Blüm. "Ich finde seine lockere und witzige Art Klasse. Er ist nicht so ernst wie andere Politiker, sondern eigentlich genau das Gegenteil", sagt Julian. Den Grundstein für seine berufliche Zukunft will Julian Jungbluth zunächst im nächsten Jahr mit dem Abitur legen. Als reizvoll würde er anschließend eine Laufbahn bei der Bundeswehr empfinden aber auch ein Studium ist für den bekennenden Mülheimer nicht ausgeschlossen.

Peter Kuhne

Sportler von A-Z

Context Column