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Sportlerportrait 04/2014 – Lisa Höpink: Die Junioren-Europameisterin ist noch lange nicht satt

(Lisa Höpink, SG Essen)

Seit fast zwei Jahren steht Lisa Höpink von der SG Essen schon auf meiner Liste der Athleten, die für ein Sportlerportrait vorgesehen sind. Der Grund warum dieses immer wieder verschoben wurde ist der, dass ich überzeugt war, dass Lisas sportliche Entwicklung im Laufe kürzester Zeit weiter ständig bergauf geht. Da kommen bestimmt noch weitere Höhepunkte, also warte ich noch ein wenig, bis ich das Portrait in Angriff nehme, dachte ich mir und ich sollte Recht behalten. Im Frühsommer 2014 stand Lisa Höpink  auf dem Gipfel bei den Nachwuchsschwimmerinnen. Mit einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze war die am 17. November 1998 in Herne geborene Schülerin des Essener Helmholtz-Gymnasiums (10. Klasse) erfolgreichste deutsche Teilnehmerin bei den 41. Junioren-Europameisterschaften im niederländischen Dordrecht. Das war der Redaktion des DSV-Organs swim & more auch wert, die jubelnde Lisa auf die Titelseite ihrer August-Ausgabe zu setzen. Den Weg zu diesem bislang größten internationalen Höhepunkt der an Erfolgen nicht armen Karriere wollen wir mit diesem Portrait einmal näher betrachten.

 

Sportlicher Werdegang und Erfolge

(Ist das Silber auch echt? Lisa prüft ihre erste Medaille in der offenen Klasse bei Deutschen Meisterschaften in Berlin, die sie 2013 gewann)

Lisa Höpink wohnt unter der Woche zusammen mit einigen weiteren Schwimmerinnen und Schwimmern der SG Essen im Rüttenscheider Sport- und Tanzinternat. Zu Hause ist sie bei ihren Eltern in Wanne-Eickel. Ihr freundliches und offenes Wesen, dass ich bei unserem Gespräch nicht zum ersten Mal schätzen lernte, steht ganz im Gegensatz dazu, dass sie einen furchterregenden Spitznamen trägt. Der lautet Killer. „Den hat mir unser Trainer Mitja Zastrow gegeben, weil ich manchmal so böse gucke. Bei der JEM 2013 wurde dann daraus Killer-Bambi“, erzählt Lisa. Seit 2004 ist sie im Schwimmsport aktiv. Den Weg dorthin fand sie durch ihren Vater, der aktiver Wasserballer war. Wasserball wäre übrigens auch der Sport, den sie treiben würde, wenn sie nicht Schwimmerin wäre. „Bevor ich zum Schwimmen gekommen bin, habe ich von Turnen über Ballett fast alles ausprobiert“, erinnert sich Lisa. „Wir sind eine sportliche Familie. Meine Mutter hat früher geturnt und mein Opa war auch Wasserballer“, fügt Lisa hinzu. Ihr erster Verein war Hellas Wanne-Eickel. Von dort wechselte sie zunächst zum SV Neptun 28 Recklinghausen, bevor sie sich 2009 der SG Essen anschloss. „Ich wollte Schule und Schwimmen verbinden. Im näheren Umkreis bot sich da nur  Essen an.“, so Lisa Höpink. Den Wechsel zu Deutschlands derzeit besten und erfolgreichsten Schwimm-Klub hat sie nie bereut, feierte sie mit der SG Essen sowohl in Einzelwettkämpfen als auch mit der Mannschaft ihre bisher größten sportlichen Triumphe. Derzeit trainiert sie bei Nicole Endruschat, vorher war Mitja Zastrow für sie verantwortlich, der auch jetzt noch ihr Co-Trainer ist. Ihre Lieblingsdisziplinen sind die 100m und 200m Schmetterling. „Die schwimme ich eigentlich immer, aber auch die 200m Lagen gehören zu meinen Lieblingsstrecken, manchmal auch die 400m Lagen“, eröffnet uns Lisa. Wenn sie hart und viele Kilometer trainiert hat und sozusagen voll im Saft steht, wagt sie sich auch an die 400m und 800m Freistil. Bei ihrem Talent wundert es nicht, dass sie auch über diese Strecken erstklassige Leistungen ins Wasser zaubert. So gewann sie bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2014 in Berlin fast „so nebenbei“ den Titel im Jahrgang 1998 über 800m Freistil „War dieser Sieg Zufall ?, habe ich mich schon einige Male selbst gefragt. Ich glaube aber nicht. Nach dem Vorbereitungslehrgang für die JEM in Heidelberg, betrachtete ich die 800m Freistil eigentlich mehr als Trainingswettkampf. Ich dachte, nach den vielen hinter mir liegenden Trainingskilometern wäre es eine gute Sache, diese Strecke zu schwimmen, der Erfolg hat mir dann Recht gegeben“, erinnert sich Lisa schmunzelnd. „Ich würde auch gerne einmal mehr Rücken und Brust schwimmen. Da bin ich nicht Top. Ich trainiere das zwar wegen Lagen, aber nicht so intensiv wie die Spezialisten. Dass ich mich auf 100m und 200m Schmett‘ und die 200m Lagen konzentriere, reicht aus meiner Sicht aber eigentlich völlig aus“, ist Lisa Hoepink überzeugt. Was sie nicht machen würde, wäre Freiwasser. „Das ist für mich auf keinen Fall ein Thema. Plantschen im See ist o.k. aber Wettkämpfe im Freiwasser muss ich nicht haben“, sagt sie im Brustton der Überzeugung. Besondere Vorbilder im Schwimmsport hat sie keine. Sie schaut aber natürlich, wer in ihren Disziplinen vorne ist, wie zum Beispiel in Deutschland Franziska Hentke und international die Spanierin Mireia Belmonte Garcia. „Vorbilder sind das für mich aber nicht, eher Orientierungshilfen“, sagt Lisa.

(Lisa Höpink auf dem Titelblatt von "swim&more")

 

Was Lisa Höpink, obwohl sie erst 15 Jahre alt ist, bisher im Schwimmbecken an Erfolgen eingefahren hat, ist wirklich erstaunlich. Auf Ebene des SV NRW sammelte sie bereits 29 Jahrgangstitel. Vier Meistertitel gewann sie in der offenen Klasse. Es hätten durchaus noch mehr sein können. Da sie wegen der JEM-Lehrgänge des DSV aber nicht an den NRW-Meisterschaften 2013 und 2014 auf der Langbahn teilnehmen konnte, hatte sie hierzu  keine Möglichkeit. Bei DSV-Jahrgangsmeisterschaften hat sie, nach dem sie dort 2011 über 100m Schmetterling ihren ersten Titel einfuhr, inzwischen ein Abo auf Goldmedaillen. 2012 wurde sie viermal Deutsche Meisterin, 2013 kam sie mit sieben Goldmedaillen aus Berlin nach Essen zurück. In diesem Jahr konnte sie sich mit vier Titeln schmücken. Auf DSV-Ebene ist Lisa inzwischen auch in der offenen Klasse angekommen. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2012 wurde sie Zweite über 200m Lagen und gewann Bronze über 200m Schmetterling.  Bei den nationalen Kurzbahntitelkämpfen 2013 schwamm sie über 100m und 200m Schmetterling mit jeweils neuen Deutschen Altersklassenrekorden auf den Bronzerang. Im gleichen Jahr gewann sie auf der Langbahn mit Silber über 200m Schmetterling ihre sportlich wertvollste Medaille bei Deutschen Meisterschaften. Hinzu kommen auf der Kurzbahn mehrere Titel mit den Staffeln der SG Essen. 2013 und 2014 gehörte sie zum Team der SG Essen, das Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Hierauf und auch die Goldmedaillen, die sie in verschiedenen Altersklassen bei der DMSJ gewann ist sie besonders stolz. Auf diese Wettbewerbe, wie auch Staffelwettkämpfe freut sie sich jedes Jahr aufs Neue. 2013 und 2014 nahm Lisa Höpink an Junioren-Europameisterschaften teil. 2013 gewann sie in Poznan/Polen Bronze über 200m Lagen und Silber mit der 4x100m Lagenstaffel. In diesem Jahr in Dordrecht/Niederlande lief es für sie traumhaft. Über 100m Schmetterling wurde Lisa Europameisterin. Bei ihrem Sieg blieb sie in 00:59,93 Minuten erstmals unter einer Minute. Mit einem neuen Deutschen Altersklassenrekord von 02:14,97 Minuten gewann sie zudem über 200m Lagen noch Bronze. Für sie waren das die bisher schönsten Erlebnisse im Schwimmsport. „Aber auch meine erste Medaille bei Deutschen Kurzbahnmeisterschaften über 200m Schmetterling mit neuem Altersklassenrekord werde ich nie vergessen“, fügt Lisa hinzu.  Mit den Staffeln gewann Lisa bei der JEM 2014 über 4x100m Lagen Frauen und 4x100m Lagen mixed die Silbermedaille. Für den DSV war Lisa Höpink auch schon in  der offenen Klasse bei Internationalen Titelkämpfen im Einsatz. Sie stand im Aufgebot für die Kurzbahn-Europameisterschaften 2013 in Herning/Dänemark. Außerdem nahm sie an den Jugend-Weltmeisterschaften 2013 in Dubai teil. 

 Aktuell hält Lisa Höpink fünf Deutsche Altersklassenrekorde (vier auf der Kurzbahn, einen auf der Langbahn).

Hinter den Kulissen

In ihrer Freizeit holt sie gerne entgangenen Schlaf nach, unternimmt etwas mit ihrem Freund  oder trifft sich mit weiteren Freunden. „Ich sehe zu, dass ich in meiner Freizeit ein bisschen aus dem normalen Alltag rauskomme. Mit Freunden zusammen in die Stadt  oder Essen gehen. Aber nie so viel dass man es übertreibt“, übt sich Lisa auch hier, so wie im Sport in Disziplin. Da passt es auch, dass sie nur ganz leise sagt, dass sie am liebsten Pfannkuchen mit Nutella isst, als wäre das schon nicht mehr ganz so diszipliniert. Überhaupt ist Lisa sehr selbstkritisch, was sie freimütig als ihren größten Fehler ansieht. „Andere ärgern mich weniger, meistens bin ich selbst der Grund, wenn ich mich ärgere“, sagt sie. Kennlernen möchte sie gerne einmal den Präsidenten der USA, Barak Obama. „Den würde ich fragen, ob er mich mal durch das Weiße Haus führt“, sagt Lisa mit einem Grinsen. Und so wie sie mich ansieht, wenn sie das sagt, kann ich überhaupt nicht verstehen, wie sie zu ihrem Spitznamen Killer gekommen ist. Böse gucken, das kann ich mir bei ihr gar nicht vorstellen, aber welcher Mann kennt sich schon hundertprozentig mit den Mädels aus

Wie geht es in nächster Zeit weiter?

(Lisa Höpink, SG Essen)

Sie gehört dem Perspektivteam des DSV an. Im SV NRW ist sie  Jugendschwimmerin des Jahres 2013 und eine feste Größe im SV NRW JUNIOR-TOP-TEAM. „Das JTT ist eine sehr gute Sache. Ich freue mich jedes Jahr, wenn ich die Benachrichtigung bekomme, dass ich wieder dabei bin. Die Vorfreude auf die Herbstferien mit den Trainingslagern ist immer riesengroß. Da haben alle immer gute Laune. Besonders fasziniert bin ich von den Ausflügen. Die Ideen, die Peter (Freyer) hat, sind ganz toll“, schwärmt Lisa.

Ihre sportlichen Ziele für das nächste Jahr sind die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Kazan/Russland und eventuell die Jugend-WM. Das große Ziel für das Jahr danach sind die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, wobei sie hier zunächst einmal froh wäre, wenn sie sich als dann erst 17-jährige überhaupt qualifizieren würde. „Vier Jahre später bei der Olympiade in Tokio bin ich 21 und da hoffe ich, dass dann mehr drin ist als nur die Teilnahme“, sagt Lisa. Hat sie von ihrer sportlichen Zukunft bereits klare Vorstellungen, sind diese was die beruflichen Dinge angehen, noch nicht klar umrissen. „Nach dem Abitur könnte ich mir vorstellen, Tiermedizin zu studieren, Jura wäre aber auch eine Option“, will sich Lisa noch nicht festlegen. Dem Sport will sie aber auf jeden Fall treu bleiben. „Ich muss immer etwas machen, was mit Sport zu tun hat. Vielleicht werde ich einmal Trainerin oder auch nur Helferin bei Veranstaltungen oder so. Richtig nachgedacht habe ich darüber noch nicht“, erzählt Lisa. Ansonsten möchte sie einfach nur alt und weise werden und nur Entscheidungen treffen, die sie später nicht bereut.

 

Bilder und Text von Peter Kuhne

Sportler von A-Z

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