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Sportlerportrait 02/2011 — Robert Flader: Der Langstreckenspezialist, den man mit Ausschwimmen glücklich machen kann

Robert Flader

Als Reisenden zwischen den Welten kann man Robert Flader von der SG Essen bezeichnen. Er hat seit 2007 Startrecht für die Essener Startgemeinschaft, trainiert aber seit 2010 in Potsdam. Grund hierfür ist, dass Robert Flader Langstreckenschwimmer ist und da fühlt er sich in der brandenburgischen Landeshauptstadt besser aufgehoben, als an der Ruhr. "In Essen wurden mir nicht die Möglichkeiten geboten optimal für die langen Strecken zu trainieren. Auch wollte ich einmal erfahren, was es heißt ein Langstreckler zu sein und ich denke, das kann ich am besten bei meinem Trainer in Potsdam, Jörg Hoffmann lernen", sagt Robert.

Da er aber noch in Diensten der SG Essen steht, gehört ständiges Pendeln von Potsdam nach Essen und zurück zu seinem derzeitigen Lebensrhythmus. Anfang diesen Jahres standen allein drei Reisen von der Stadt der preußischen Schlösser und Gärten in die Ruhrmetropole in seinem Kalender. "Das ist eine enorme Belastung für den Körper und auch für den Kopf", ist Robert nicht gerade begeistert über seine Reiseaktivitäten. Robert Flader ist ein Kind des Ruhrgebiets, obwohl er sich nach eigenem Bekunden nicht als solches fühlt.

Geboren wurde er am 6. Februar 1992 in Herne. Wie bereits erwähnt wohnt er jetzt in Potsdam, wo er an der Friedrich-Ludwig-Jahn Gesamtschule (Sportschule Potsdam) sein Abitur macht. Mit dem Schwimmsport hat er im Jahr 2000 angefangen. Sein erster Verein war der SV Neptun Herne. 2002 wechselte er zur SG Ruhr, bevor er 2007 zur SG Essen kam. Dass er eine andere Sportart als Schwimmen ausüben würde, kann sich Robert nicht vorstellen. "Ich kann nichts anderes als schwimmen", lautet sein kurzer Kommentar zu diesem Thema.

Sportlich vorbelastet ist Robert, der keine Geschwister hat, durch seine Mutter, die in ihrer Jugend ebenfalls Schwimmsport betrieben hat. Als sein sportliches Vorbild nennt er als erstes den Essener Lokalmatadoren Christian Keller. "Von ihm habe ich mein erstes Autogramm bekommen. Inzwischen ist er eine Vertrauensperson für mich. Wir schicken uns oft E-Mails und haben auch sonst Kontakt", ist Robert Flader stolz darauf, mit einem der besten deutschen Schwimmer der vergangenen Jahre bekannt zu sein.

Sein zweites Vorbild ist sein jetziger Trainer Jörg Hoffmann. "Er ist der beste Langstreckenschwimmer, den Deutschland je hatte", betont Robert. Wobei wir dann auch bei den Disziplinen wären, die Robert Flader bevorzugt. Die langen Freistilstrecken 400m, 800m und 1500m schwimmt er am liebsten. Ein echter Kontrast ist dagegen eine weitere Lieblingsdisziplin, nämlich die 50m Rücken. "Ich bin da nicht besonders schnell drin, aber mir macht der Start Spaß. Der Start ist die dynamischste Bewegung im Schwimmen und ich habe viel Spaß daran meinen Start zu optimieren", erklärt Robert.

Einen Namen machte er sich auch im Freiwasser, wo er an zwei Jugend-Europameisterschaften teilnahm. "Meine Freiwasserkarriere habe ich jetzt erstmal auf Eis gelegt. Ich habe zweimal bei Deutschen Meisterschaften die Erfahrung gemacht, mich für die Freiwasser-JEM zu qualifizieren. Damit bin ich einer der wenigen, die das zweimal hintereinander geschafft haben. Ich bin immer mit einer euphorischen Einstellung zur JEM gefahren. Vor Ort hatte ich aber immer Probleme mit den Wetterbedingungen, deswegen denke ich, dass ich mir das nicht noch einmal antun möchte. Aber man soll ja niemals nie sagen", sagt Robert.

Aber auch im Becken kann man sich auf den langen Strecken bekanntlich gut austoben. Erste Erfolge auf SV NRW-Ebene feierte der Langstreckler bereits als 15-jähriger, als er über 1500m Freistil den Jahrgangstitel holte. "Wenn ich bei NRW-Meisterschaften antrat, bin ich über 1500m im Jahrgang 1992 ungeschlagen", erzählt Robert. Seine ersten NRW-Titel in der offenen Klasse holte er 2009 auf der Kurzbahn über 400 und 1500m Freistil.

Robert Flader

Auch auf DSV-Ebene zeigte sich Robert Flader bisher sehr erfolgreich. 2009 wurde er Deutscher Meister über 5 Kilometer. Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2009 gewann er über 800 und 1500m Freistil jeweils die Bronzemedaille. 2010 war es dann über 1500m Freistil schon Platz zwei und über 800m Freistil sorgte er mit dem Titelgewinn für einen Höhepunkt in seiner Karriere.

Im Freiwasser sicherte er sich darüber hinaus über 1500m noch die Silbermedaille. Der Start ins Jahr 2011 hätte für den 19-jährigen ebenfalls nicht besser laufen können. Mit der SG Essen wurde er Deutscher Mannschaftsmeister.

Als sein schönstes Erlebnis im Schwimmsport bezeichnet Robert seinen Sieg in der offenen Klasse über 400m Freistil bei den NRW-Kurzbahnmeisterschaften 2009 in Wuppertal. "Da kam ich direkt aus der Höhe nach meinem ersten Höhentrainingslager überhaupt und es lief optimal", freut sich Robert Flader noch heute über diesen für ihn wichtigen Titelgewinn. An ein anderes 400m Freistilrennen erinnert er sich hingegen mit Grausen. "Ein Jahr zuvor habe ich bei den gleichen Meisterschaften schon bei 350m angeschlagen und bin erst nach zehn Sekunden Pause weitergeschwommen. Das war richtig blöd, denn es wäre eine sehr gute Zeit geworden, wenn ich durchgeschwommen wäre", erinnert er sich.

Konkrete sportliche Ziele hat Robert Flader derzeit nicht. "Nach meinem Umzug nach Potsdam möchte ich mich zunächst an das System im Osten gewöhnen. Ich denke, dass ich noch ein bis zwei Jahre brauche um wieder Topleistungen abrufen zu können", sagt Robert.

Zu seiner beruflichen Zukunft äußert er sich da schon näher. Er würde gerne in Potsdam oder Berlin Medizin studieren, wenn sein Abi-Ergebnis das hergibt, kann sich aber auch vorstellen in der freien Wirtschaft zu arbeiten. Zu seinen Hobbies befragt nennt uns Robert an erster Stelle schlafen, gefolgt von kochen und einkaufen. Besondere Vorlieben beim Essen hat er nicht. "Ich esse eigentlich alles gerne. Momentan stehe ich aber besonders auf die Riesen von Storck", sagt Robert, der uns noch mit der Aussage überrascht, dass er besonders glücklich ist, wenn er ausschwimmen kann, was er ganz toll findet.

Ärgern kann man Robert hingegen, wenn man ihn zu jeglichen Ballsportarten zwingen will und auch Vertrauensmissbrauch kann er auf den Tod nicht ab. Am Ende nennt uns Robert Flader noch einen Traum, den er sich gerne erfüllen möchte. "Ich würde gerne zum Nordpol reisen um das Polarlicht zu sehen". Na denn gute Reise Robert. Auch wenn Du Langstreckler bist, zum Nordpol schwimmen ist nicht empfehlenswert.

Peter Kuhne

Sportler von A-Z

Context Column