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Sportlerportrait 01/2015 - Annalena Felker

Die Brustschwimmerin von der SG Essen genießt nicht nur im Wasser hohes Ansehen

Fotos/Bericht: ©Peter Kuhne

Seit 2012 gibt es in der Fachsparte Schwimmen unseres Landesverbandes das SV NRW JUNIOR-TOP-TEAM. Mitglieder sind die besten Nachwuchsschwimmerinnen- und Schwimmer des SV NRW, die für die Aufnahme in dieses Team bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Seit Anfang an dabei ist Annalena Felker (SG Essen), die damit als Gründungsmitglied bezeichnet werden kann. Dass sie in jedem Jahr die Voraussetzungen für die Aufnahme in das JUNIOR-TOP-TEAM erfüllte, spricht für den hohen Anspruch, den die am 27. Juni 1998 in Bottrop geborene Athletin an sich selbst stellt. „Annalena hat sich in den letzten Jahren konstant weiterentwickelt. Alle Kadernormen hat sie gemeistert und sie arbeitet immer hochmotiviert weiter“, lobt SV NRW-Landestrainer Jürgen Verhölsdonk die junge Schwimmerin, die bereits eine große Anzahl von sportlichen Erfolgen vorzuweisen hat.

So wurde die Schülerin des Essener Helmholtz-Gymnasiums, wo sie die elfte Klasse besucht und im nächsten Jahr das Abitur machen wird, in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge mit der SG Essen Deutsche Mannschaftsmeisterin in der offenen Klasse. Seit 2011 sammelte Annalena bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften zehn Medaillen (4 Gold, 5 Silber, 1 Bronze). Bei der DMSJ wurde sie 2013 mit der Essener B-Jugend und 2014 mit der A-Jugend Deutsche Meisterin, schwamm außerdem bei diesem Wettbewerb im letzten November mit der Essener 4x100m Lagenstaffel innerhalb von zwei Wochen zweimal Deutschen Rekord für Vereinsmannschaften. Annalena Felker hält insgesamt dreizehn NRW-Jahrgangsrekorde sowohl auf der Lang- als auch auf der Kurzbahn. Zweifel darüber, dass wir sie für unsere Reihe der Sportlerportraits ausgewählt haben, dürften bei dieser beeindruckenden sportlichen Bilanz der 16-jährigen nicht bestehen.

 

 

Ich traf Annalena für unser Gespräch im Schwimmleistungszentrum Essen-Rüttenscheid, in direkter Nachbarschaft zum Tanz- und Sportinternat gelegen, wo sie seit dem Sommer 2014 ein Einzelzimmer bewohnt. Am Wochenende und wann immer sie sonst Zeit hat, fährt sie zu ihrem eigentlichen zu Hause bei ihren Eltern in Bottrop. Geschwister hat Annalena keine. Sie kann sich vorstellen auch einmal im Ausland, am liebsten in den USA zu wohnen. „Für eine längere Zeit würde mich das reizen, auf Dauer aber nicht. In Essen fühle ich mich wohl. Hier kann man vieles machen, wie shoppen oder ins Kino gehen. Eigentlich gibt es hier alles“, sagt Annalena.

Zum Schwimmen ist sie im Alter von vier Jahren gekommen, da hat sie das Seepferdchen gemacht. Ihr erster Verein war der SVg Bottrop 1924. Mit acht Jahren wechselte sie zur damaligen SG Gladbeck. „Da habe ich angefangen regelmäßig zu trainieren. Davor habe ich neben dem Schwimmen auch geturnt, was ich wohl auch heute noch machen würde, wenn ich mich nicht endgültig für das Schwimmen, das mir von Anfang an am meisten Spaß gemacht hat, entschieden hätte“, erzählt Annalena. Ein sportliches Interesse hat sie auch am Eiskunstlauf. Was sie hingegen nicht machen würde wäre Fußball und Kampfsportarten wie Judo oder schon gar nicht Kickboxen, also alles das, wo man schon mal etwas auf die Nase bekommen kann. Nachdem die SG Gladbeck 2011 aufgelöst wurde, schwamm Annalena noch eine kurze Zeit bei ihrem Heimatverein SV Gladbeck 13. 2012 ging sie dann für ein Jahr zur SG Gelsenkirchen, bevor sie 2013 ihre jetzige sportliche Heimat bei der SG Essen fand. „Als Kadersportlerin hatte ich Anspruch auf ein Bundesstützpunkttraining. Ich habe schnell gemerkt welche Möglichkeiten ich in Essen habe. Das ganze Umfeld ist gut. Obwohl die Anforderungen der Trainer, die man erfüllen muss, sehr hoch sind, wird man hier nicht unter Druck gesetzt. Der Umgang mit den Trainern ist unheimlich gut und sehr locker“, singt Annalena ein Loblied auf die SG Essen. Ihr jetziger Trainer ist Klaas Fokken, vorher wurde sie von Mitja Zastrow und davor von Nicole Endruschat betreut.

Annalena Felker ist auf den Bruststrecken zu Hause. Ihre Hauptstrecken sind die 100 und 200 Meter, seit einem Jahr klappen aber auch die 50m ganz gut. Gern schwimmt sie auch die 100 und 200 Meter Schmetterling. Was sie gar nicht liebt, ist Rücken. Obwohl sie vom Gefühl her lieber auf der Kurzbahn schwimmt, läuft es sportlich auf der Langbahn besser, was daran liegt, dass sie ihre Stärken auf der eigentlichen Schwimmstrecke hat wogegen sie bei den Wenden noch Schwächen zeigt. Bei ihrer Vorliebe für das Brustschwimmen ist es kein Wunder, dass sie als ihr sportliches Vorbild Marco Koch nennt. Da Annalena, wie auch der Darmstädter Mitglied im Förderteam der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) ist, hat sie Deutschlands derzeit besten Brustschwimmer auch schon persönlich kennen gelernt. „Von Marco kann man viel lernen. Es fasziniert mich immer wieder, wenn er bei einem Kurzbahnrennen ins Becken springt, fünfzehn Meter taucht, dann drei, vier Züge macht und schon ist er an der Wand. Das finde ich cool. Ich tauche bei einem guten Rennen so an die zehn Meter, nach dem Start auch schon mal ein bisschen mehr. Wenn es am Ende hart wird, sind es dann nur noch sieben oder acht Meter. Wir arbeiten aber daran, dass das besser wird“, erzählt Annalena lachend.

Dem DVAG-Juniorteam gehört Annalena Felker seit ihren Gladbecker Zeiten an und zählt dort zu deren ersten Generation. Auf NRW-Ebene sammelte sie bis jetzt achtzehn Jahrgangstitel, die sich auf je neun auf der Lang- und Kurzbahn verteilen. Ihre ersten Medaillen in der offenen Klasse gewann sie mit jeweils Bronze über 50m und 100m Brust bei den NRW-Kurzbahnmeisterschaften 2013. 2014 folgten ebenfalls auf der Kurzbahn Bronze über 100m und 200m Brust. Über ihre bisherigen Erfolge bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (ihren ersten Titel gewann sie 2011 über 200m Brust und ihren bislang letzten 2014 über 50m Brust) sowie den Deutschen Meisterschaften in der offenen Klasse haben wir bereits eingangs berichtet.

Im vergangenen Jahr stand Annalena im DSV-Team für die Junioren-Europameisterschaften in Dordrecht/Niederlande. Hier startete sie im Finale über 100m Brust, wo sie in 01:11,03 Minuten Fünfte wurde. Über 50m und 200m Brust erreichte sie jeweils das Halbfinale, wo sie als jeweils Neunte nur knapp die Endläufe verpasste. „Die JEM war eine gute Gelegenheit um internationale Erfahrung zu sammeln. Ich hatte mir allerdings etwas mehr vorgenommen. Aber auch mit neuen Bestzeiten wäre wohl nicht mehr zu holen gewesen, da andere Schwimmerinnen wesentlich schneller als ihre Meldezeiten waren“, erinnert sich Annalena.

Die Qualifikation für die JEM bezeichnet sie neben ihren ersten Deutschen Jahrgangstitel als ihr bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport. Aber auch die beiden Titel mit der Mannschaft bei der DMS bedeuten ihr sehr viel, da es ihre ersten in der offenen Klasse waren. „Es macht immer besonders viel Spaß für die Mannschaft zu kämpfen. Das gilt auch für die DMSJ. Diese beiden Wettkämpfe sind für mich die schönsten im ganzen Jahr“, sagt Annalena. Bei der Wertung Jugendschwimmerin des Jahres wurde sie 2013 Dritte und 2014 Vierte, worauf sie sehr stolz ist. Für 2015 hat sich Annalena vorgenommen bei den Deutschen Meisterschaften in der offenen Klasse und den Jahrgängen gut abzuschneiden. Gern würde sie sich auch für die Junioren-Weltmeisterschaften im September in Singapur qualifizieren. Für die fernere Zukunft ist es ihr Traum einmal bei Olympischen Spielen zu starten.

Was ihre berufliche Zukunft angeht, will sie nach dem Abitur Medizin studieren und dann als Chirurgin arbeiten, wobei sie um Schönheitschirurgie aber einen großen Bogen machen wird. Sie hofft, dass sie, wenn es soweit ist, Beruf und Schwimmen unter einen Hut bekommen kann. Besondere Hobbys hat sie nicht. „Weil ich die ganze Woche über im Internat bin, verbringe am Wochenende gerne viel Zeit mit meinen Eltern und unternehme mit ihnen etwas. Wenn ich zu Hause bin, stehen aber auch sehr oft Hausaufgaben auf meinem Programm“, erzählt Annalena. Glücklich kann man sie mit einem guten Essen machen, wobei sie auch manchmal selbst den Kochlöffel schwingt. Ärgern tut sie sich über Leute, die ständig nur reden und andere nicht zu Wort kommen lassen. Gereizt reagiert sie auch wenn plötzlich Trainingspläne für den nächsten Tag umgeworfen werden. Ansonsten bezeichnet sich Annalena als jemanden, der mit den meisten Menschen gut auskommt. „Von den anderen distanziere ich mich einfach“, so Annalena. Ein hohes Ansehen besitzt sie im SV NRW-JUNIOR-TOP-TEAM. „Sie ist nicht nur ein sportliches Vorbild. Auch ihr soziales Verhalten ist hoch ausgeprägt. Im sozialen Ranking ist sie eine feste Größe. Im JUNIOR-TOP-TEAM nimmt sie hiermit eine heimliche Führungsposition ein“, hält SV NRW-Leistungssportreferent Peter Freyer große Stücke auf die sympathische Schwimmerin aus dem Revier.

 

 

Annalena Felker präsentiert stolz ihre Goldmedaille, die sie bei der DMS 2015 mit der SG Essen gewann

Sportler von A-Z

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