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Sportlerportrait 04/2012 — Kathrin Demler: Im Schwimmen steil nach oben — im Beruf tief nach unten

Kathrin Demler

Die 16 !!! Im Zusammenhang mit Kathrin Demler steht diese Zahl momentan wie in Stein gemeißelt. Nicht weil die am 12. Juni 1996 in Schwerte geborene Schwimmerin der SG Essen 16 Jahre alt ist, sondern vielmehr, weil sie bisher bereits 16 Deutsche Meistertitel (14 im Jahrgang und 2 in der offenen Klasse) gesammelt hat. Damit zählt Kathy, wie sie von ihren Freunden genannt wird, zu den hoffnungsvollsten Talenten im Schwimmen - nicht nur im SV NRW, sondern auch im Deutschen Schwimm-Verband. Ihr Lebensmotto "Ohne Fleiß kein Preis" ist in Bezug auf Kathrin Demler bestimmt keine Floskel.

Das Energiebündel aus dem Ruhrgebiet, das in Bottrop wohnt, unter der Woche jedoch ihre Zelte im Sport- und Tanz-Internat Essen aufschlägt, ist ein Musterbeispiel dafür, was man mit Fleiß und Disziplin schon in jungen Jahren erreichen kann. Kathy hat im Alter von sechs Jahren mit dem Schwimmen begonnen. Davor hat sie sich in einigen anderen Sportarten versucht. "Ich habe Kampfsportarten, unter anderem Judo aber auch Turnen gemacht. Beim Kampfsport war ich aber nur einen Tag. Das hat mir gar nicht gefallen und ich war gleich wieder weg. Turnen hat mir anfangs auch nicht gefallen, jetzt ist es aber so, dass ich es im Sportunterricht eigentlich ganz gerne mache. Ich mache gerne Bodenturnen und auch das Reck mag ich. So schlecht bin ich darin auch nicht, bin aber kein Überflieger", erzählt Katrin. Wäre sie nicht Schwimmerin geworden, könnte sie sich inzwischen vorstellen Turnerin zu sein.

Kathrin Demlers erster Schwimmverein war der SVG Bottrop 1924. Zur SG Essen kam sie durch eine Freundin. Dort zählt sie neben vielen Nationalmannschaftsmitgliedern mittlerweile zu den Leistungsträgern und fühlt sich auch menschlich pudelwohl. "Ich komme bei der SG mit den Leuten gut klar. In erster Linie gilt das für die Sportler und Trainer. Wenn man mal ein Problem hat, kann man sich immer an sie wenden und es wird versucht alles wieder gerade zu rücken", lobt Kathrin das Umfeld der SG Essen. Das Leben im Sport- und Tanzinternat, direkt neben dem Rüttenscheider Schwimm-Leistungszentrum gelegen, gefällt ihr gut. "Vor allem in Bezug auf das Frühtraining ist es hilfreich, dass ich im Internat wohne. Ich komme nämlich ziemlich schwer aus dem Bett", schmunzelt Kathy.

Kathrin Demler besucht die elfte Stufe der Frida-Levy-Gesamtschule in Essen. 2015 will sie dort nach neun Jahren das Abitur machen. Anschließend möchte sie studieren. Sie denkt an etwas pädagogisches, am liebsten würde sie aber Meeresbiologin werden. Sie taucht nämlich sehr gerne. Deswegen würde sie auch gerne einmal nach Australien reisen, um das größte Korallenriff der Erde, das "Great Barrier Reef" tauchend zu erkunden.

Über und kurz unter der Wasseroberfläche ist Katrin Kathrin in erster Linie Lagenschwimmerin, kann aber auch auf den längeren Freistilstrecken auf einige Erfolge zurückblicken. "Ich schwimme seit kürzerem nicht mehr so viel die langen Kraulstrecken, weil ich mich mehr auf Lagen konzentriere. Hier mag ich besonders die 200 Meter. Die 400 Meter schwimme ich zwar auch ganz gerne, die sind aber schon ziemlich hart und gehen sehr in die Arme und Beine. 200 Meter sind dagegen etwas entspannter", berichtet Kathy. Was sie gar nicht mag ist Brustschwimmern, "das kann ich überhaupt nicht"! Genauso wenig sieht sich Kathrin Demler als Sprinterin. "So richtig los geht es für mich ab 200m", sagt sie.

Als ihr sportliches Vorbild nennt sie uns Michael Phelps. "Was der geschafft hat, hat noch kein anderer geschafft. Das ist für mich sehr beeindruckend", begründet Kathrin ihre Bewunderung für den US-Amerikaner. Beeindruckt haben sie auch die noch sehr jungen Olympiasiegerinnen von London, wie die 16-jährige Chinesin Shiwen Yu, die 15-jährige Litauerin Ruta Meilutyte und die ebenfalls erst 15-jährige Katie Ledecky aus den USA. "Was die in London gebracht haben, war schon ziemlich krass", staunt Kathy. Mit dem was sie selbst bisher im Schwimmen, erreicht hat, braucht sie sich aber bestimmt nicht zu verstecken.

Auf dem Siegertreppchen meistens ganz oben — Kathrin Demler (Mitte)

Auf SV NRW-Ebene gehört sie zu den erfolgreichsten Schwimmerinnen der letzten Jahre. Das gilt im Jahrgang, aber auch in der offenen Klasse spielt sie inzwischen eine hervorragende Rolle. Allein bei den SV NRW-Kurzbahnmeisterschaften, Anfang November in Wuppertal gewann sie sechs Medaillen in der offenen Klasse und holte sich sieben Jahrgangstitel.

Auf DSV-Ebene steht die ganz zu Beginn dieses Portraits bereits erwähnte 16. Ihren ersten Deutschen Jahrgangstitel gewann sie 2009 über 1500m Freistil. Ihre zwei Deutschen Titel in der offenen Klasse gewann Kathrin Demler mit den Frauen der SG Essen bei den DMS 2011 und 2012. "Auf die Goldmedaillen mit der Mannschaft bin ich besonders stolz. Ich mag nämlich Mannschaftswettbewerbe mehr als Einzelrennen. Bei der Mannschaft unterstützen sich alle gegenseitig. Das ist ein gutes Gefühl", sagt Kathy.

Für eine JEM war sie zweimal nominiert. 2011 in Belgrad lief es hier für sie nicht so gut. "Ich hatte Probleme mit dem Nacken, den ich nicht gut bewegen konnte. Aber eigentlich ging in Belgrad alles nach hinten los", erzählt Kathy. In diesem Jahr in Antwerpen lief es für die 16-jährige wesentlich besser. Sie erreichte dreimal das Finale, wo sie über 400m Lagen mit neuer persönlicher Bestzeit von 4:51,57 Minuten Fünfte wurde. Über 200m Lagen verpasste sie als Vierte in 2:17,27 Minuten nur um sieben Hundertstelsekunden die Bronzemedaille. Auch mit der 4x200m Freistilstaffel wurde Kathy Vierte. "Ein vierter Platz bei einer JEM ist schon schön. Es war nur ärgerlich dass es im Einzelrennen über 200m Lagen so knapp war, zumal ich mit meiner Zeit aus dem Semifinale Zweite geworden wäre", ärgert sich Kathy noch heute ein wenig über die verpasste Medaillenchance. Geholfen hat ihr in Antwerpen, dass ihre Heimtrainerin Nicole Endruschat zum deutschen Trainerstab bei der JEM gehörte. "Mit Nicole verstehe ich mich sehr gut. Bei ihr kann ich offen sein und ich kann immer zu ihr gehen, wenn ich irgend etwas habe, was ich loswerden möchte", singt Kathrin Demler ein Loblied auf ihre Trainerin.

War das Jahr 2012 für Kathrin bisher schon von vielen Erfolgen geprägt, steht ein absolutes Highlight noch aus. Vom DSV wurde sie für das 23-köpfige deutsche Team bei den Kurzbahn-Europameisterschaften in Chartres/Frankreich (22. bis 25. November) nominiert.

Da hat sie ihren ersten Auftritt im Konzert der ganz Großen Europas. "Dort möchte ich gerne nicht so schlecht abschneiden", übt sich Kathy in Bescheidenheit. Ihre Ziele für 2013 sind unter anderem die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaften. Im August in Casablanca.

Als fernere Ziele nennt Kathrin Demler die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro und wenn das noch nicht klappen sollte, die Olympiade 2020. Auf 2016 arbeitet Kathy bereits intensiv hin. Helfen soll ihr hierbei auch das "Junior-Top-Team" des SV NRW, dem sie neben zehn weiteren Athleten angehört. "Die Idee mit dem Junior-Top-Team finde ich toll und richtig", ist Kathrin davon überzeugt, dass ihr die Mitgliedschaft auf dem Weg nach Rio viel bringen wird. Genossen hat sie das zweiwöchige Trainingslager mit dem Junior-Top-Team in Shanghai, das sie neben der JEM 2012 und ihrem ersten deutschen Jahrgangstitel 2009 über 1500m Freistil zu ihren bisher schönsten Erlebnissen im Schwimmsport zählt.

Auf Ihre Lieblingsspeisen Lasagne und Pizza musste sie zwar in Shanghai verzichten, was für sie den Erfolg der China-Reise aber nicht schmälert. Diese leckeren Sachen kann sie neben ihren weiteren kulinarischen Vorlieben für Erdbeeren und Schokolade jetzt wieder "bei Muttern" genießen. In ihrer Freizeit ist Kathy gerne mit Freunden unterwegs. Lesen zählt sie zu ihren weiteren Vorlieben. Sich selbst bezeichnet sie als einen fröhlichen und glücklichen Menschen, den man schnell zum Lachen bringen kann. Was sie hasst, sind Lügen, Hinterhältigkeit, Gerüchte und Unsportlichkeit. Wichtig sind für Kathrin Demler ihre Familie und Freunde. "Ganz wichtig ist für mich auch der Spaß am Schwimmen. Wenn man den nicht hat, sollte man besser aufhören", meint Kathy. Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

Peter Kuhne

Sportler von A-Z

Context Column