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Sportlerportrait 02/2015 – Marie Brockhaus: Von Paderborn über Berlin in’s JUNIOR-TOP-TEAM

Fotos/ Bericht: ©Peter Kuhne

 

 

Marie Brockhaus (1. Paderborner SV)

Mittwoch, 13. Mai 2015, ca. 16.50 Uhr: Die Schwimmerin Marie Brockhaus, die ich zum Interview für dieses Sportlerportrait in der rund 144.000 Einwohner zählenden Universitätsstadt Paderborn in der dortigen Schwimmoper traf, antwortet auf meine Frage, was ihr größtes sportliches Nahziel ist ohne Zögern: „Ich will in’s SV NRW JUNIOR-TOP-TEAM“.

Dienstag, 2. Juni 2015, ca. 10.00 Uhr: Marie Brockhaus startet in der Schwimm- und Sprunghalle an der Landsberger Allee in Berlin bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2015 im letzten von sieben Vorläufen auf Bahn fünf über 200m Schmetterling. Gemeldet ist sie mit einer Zeit von 02:15,67 Minuten. Als sie genau 02:14,65 Minuten nach dem Start als Erste anschlägt, hat sie ihr drei Wochen vor diesem Rennen genanntes Ziel erreicht. Die Qualifikationsnorm für das JUNIOR-TOP-TEAM von 02:15,20 Minuten hat sie deutlich unterboten und sie gehört damit in dieser Saison zur Eliteauswahl unseres Landesverbandes.
Vergessen das Jahr 2014, als der Schwimmerin des 1. Paderborner SV über 100m Rücken die Winzigkeit von sechs Hunderstelsekunden an der Qualifikation für das JTT fehlten. Marie ließ sich davon nicht beirren und arbeitete weiter sehr hart. Auch  eine Fußverletzung Ende 2014 konnte sie nicht stoppen. Zähne zusammen beißen hieß nicht nur in dieser Phase Maries Devise. SV NRW-Landestrainer Jürgen Verhölsdonk erinnert sich: „Als bei einem Lehrgang Seilchenspringen anstand, sagte sie nicht, dass sie das wegen ihrer Verletzung nicht könne. Sie schnappte sich stattdessen das Seil und sprang eben nur auf einem Bein“, so Jürgen Verhölsdonk. Aus so einem Holz sind Athleten geschnitzt, auf die der Landestrainer bauen kann.

Marie Brockhaus wurde am 2. April 1998 in Rheda-Wiedenbrück, ca. 40 Kilometer nordwestlich von Paderborn gelegen, geboren. Dort leben auch noch ihre Eltern und Geschwister. Sie selbst ist meist nur noch an den Wochenenden zu Hause. Unter der Woche wohnt sie seit dem Sommer 2014  bei einer Gastfamilie in Paderborn. So spart sich Marie die umständliche Reise von  Rheda-Wiedenbrück zur ihrer Trainingsstätte Paderborn. „Die Fahrt jeden Tag dauert jeweils 45 Minuten hin und zurück. Das ist sehr aufwendig und geht auch nur mit dem Auto, da es keine direkte Zugverbindung gibt“, erzählt Marie.  Sie geht auch in Paderborn zur Schule und zwar besucht sie die elfte Klasse des Helene Weber Berufskollegs, direkt neben der Paderborner Schwimmoper gelegen.
Kennengelernt hat sie die Stadt Paderborn noch nicht so richtig. „Ich finde das Freibad sehr schön. Ansonsten sehe ich hier meistens nur das Schwimmbad und die Schule“, erklärt Marie.

In zwei Jahren will sie Abitur machen. „Über einen Beruf nach der Schule habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wahrscheinlich werde ich erst einmal studieren, was weiß ich aber noch nicht“, sagt Marie.
Zum Schwimmen kam sie im Alter von drei Jahren, als sie ihr Seepferdchen machte. Ab 2003 ging es dann in einem Verein, dem Wiedenbücker TV los, wo auch ihre Mutter und älteren Geschwister aktiv waren. Ihre jüngeren Brüder Robin (14) und Lukas (10) schwimmen inzwischen genau wie Marie beim 1. Paderborner SV. Wenn sie nicht Schwimmerin geworden wäre, hätte es sie zu einer anderen Ausdauersportart, wie zum Beispiel Leichtathletik hingezogen. „Was ich nicht machen würde, wären Ballsportarten und was mich überhaupt  nicht interessiert, ist so etwas wie Judo“, sagt Marie.
Seit 2010 schwimmt  Marie Brockhaus beim 1. Paderborner SV. „Mein damaliger Trainer in Wiedenbrück war der Meinung, dass ich in einen größeren Verein gehen soll, wenn ich etwas erreichen will. Ich habe dann in Paderborn ein Probetraining gemacht, was mir gut gefallen hat. Danach habe ich dort erst zweimal die Woche trainiert, etwas später war ich dann komplett dabei“, erzählt Marie. In Paderborn hat sie sich von Anfang an wohl gefühlt. Inzwischen gehört sie dort, wo sie von  Ute Lenz trainiert wird, zu den Leistungsträgern. „Mir gefällt in Paderborn meine Mannschaft, das Training und das wir  viel Spaß haben. Ich unternehme mit den anderen aus dem Team auch einiges außerhalb des Schwimmbades“, sagt Marie.
Direkte Vorbilder im Schwimmsport hat sie keine, findet aber die neunmalige Weltmeisterin und vierfache Olympiasiegerin Missy Franklin aus den USA gut. In Deutschland fällt ihr niemand ein, der für sie ein Vorbild sein könnte.

Marie Brockhaus und der Delphin der Paderborner Schwimmoper

Marie Brockhaus schwimmt in der Hauptsache Schmetterling und Rücken, wobei sie als ihre Hauptlage Schmetterling nennt. Auf Wettkämpfen feierte sie aber auch über Rücken bemerkenswerte Erfolge. Ihre Lieblingsstrecke sind jedoch die 200m Schmetterling. „Ich finde die entspannter als die anderen Delphinstrecken, vor allem die 100m die man durchgehend maximal schnell schwimmen muss, was ich nicht so gut hinkriege. Die 200m kann ich locker schwimmen, weil die Renneinteilung eine andere ist. Anstrengen muss man sich natürlich trotzdem und wenn ich anschlage bin ich auch platt“, gibt Marie zu verstehen. Im Übrigen schwimmt sie lieber Lang- als Kurzbahn. Grund sind die Wenden, die sie nach eigenem Bekunden noch nicht so gut beherrscht, jedoch daran arbeitet, damit das besser wird.
Ab und an schwimmt sie auch Freistil und wenn am liebsten die mittleren und langen Strecken. Was ihr gar nicht liegt ist Brust. „Das kann ich überhaupt nicht. Wenn bei einem Lagen-Wettkampf Brust vorbei ist, bin ich meistens hinten“, lacht Marie. Lagen und Freistil sind für sie auf Dauer daher keine Schwerpunkte.

Auf NRW-Ebene hat Marie Brockhaus in den letzten Jahren, was Titel und Medaillen bei Meisterschaften angeht, mächtig abgeräumt. Seit 2012 gewann sie insgesamt 19 Jahrgangstitel (11 auf der Langbahn, 8 auf der Kurzbahn). An den ersten, den sie 2012 auf der Langbahn über 50m Rücken holte, erinnert sich Marie besonders gern, weil der wie sie sagt völlig unerwartet kam. 2014 und 2015 wurde sie über diese Strecke auch NRW-Meisterin in der offenen Klasse.  Dazu kamen noch drei Silber- und zwei Bronzemedaillen. Ihre erste Medaille bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewann Marie mit Bronze 2013 über 50m Rücken. 2014 folgten zwei weitere Bronzemedaillen über 100m Rücken und 200m Schmetterling. In diesem Jahr wurde sie  über 200 Schmetterling Dritte im Jahrgang und Zweite im Hauptfinale der Jahrgänge 1997 bis 2000. „Meine erste Medaille bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften war mein bisher tollstes Erlebnis im Schwimmsport“, erzählt Marie.
Auch in der offenen Klasse konnte Marie bei Deutschen Meisterschaften bereits glänzen. Über ihre Lieblingsstrecke, den 200m Schmetterling stand sie schon zweimal in einem A-Finale. Sowohl 2014 auf der Kurzbahn, als auch 2015 auf der Langbahn belegte sie hierbei jeweils Rang acht.
Im Schwimmbezirk Ostwestfalen-Lippe geht kein Weg an der 17-jährigen vorbei. 14 OWL-Rekorde (9 auf der Langbahn, 5 auf der Kurzbahn) kann Marie Brockhaus in der offenen Klasse ihr eigen nennen. In der Wertung Jugendschwimmerin des Jahres 2014 im SV NRW belegte sie Platz drei. „Auf Dauer will ich in Deutschland noch weiter nach vorne kommen und vielleicht auch einmal bei internationalen Wettkämpfen starten“, sagt Marie zu ihren ferneren Zielen.

Hobbys hat Marie neben dem Schwimmen keine. „Dafür bleibt einfach keine Zeit“, so Marie. „ Wenn ich mal zu Hause bin, treffe ich mich gern mit Freunden. Ich unternehme aber auch gerne etwas mit meiner Familie. Außerdem fahre ich auch gerne Fahrrad“, fügt sie hinzu und betont, dass sie mit allem was sie zur Zeit macht rundum zufrieden ist. Wenn zum Essen dann noch etwas mit Nudeln auf den Tisch kommt, ist für Marie die Welt noch ein wenig mehr in Ordnung.
In der Zukunft möchte sie jedoch auch mal andere Länder kennenlernen. Ein bestimmtes Ziel hat sie aber noch nicht ins Auge gefasst. Sonnen kann sich Marie jetzt zunächst einmal in dem Erfolg den Sprung in’s SV NRW JUNIOR-TOP-TEAM geschafft zu haben.
Feiern könnte sie das in Paderborn vom 25. Juli bis  2. August beim Libori-Fest, das zu den ältesten und größten Volksfesten Deutschlands zählt und zu dem mehr als eine Million Besucher erwartet werden. Ein Tipp übrigens nicht nur für Marie Brockhaus, sondern auch für alle Schwimmsportfreunde im SV NRW.

Bei NRW-Meisterschaften inzwischen ein gewohntes Bild. Marie Brockhaus (Mitte) ganz oben auf dem Siegertreppchen

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