Content

Sportlerportrait 04/2015 – Moritz Brandt Mit 17 Jahren schon ein Weltreisender in Sachen Schwimmsport

Fotos/Bericht: ©Peter Kuhne

Moritz Brand (SG Essen)

Von den 46 seit 2006 erschienenen Sportlerportraits gibt es bei neun Schwimmerinnen und Schwimmern eine Gemeinsamkeit. Alle wohnten, bzw. wohnen im Sport- und Tanzinternat in Essen in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrer Trainingsstätte, dem Leistungszentrum Rüttenscheid.
Über einen der „Internatsinsassen“ und zwar Moritz Brandt berichten wir in diesem Portrait.

Seit 2012 lebt der für die SG Essen startende Schwimmer im Sport- und Tanzinternat. Zu Hause ist der am 13. August 1998 in Bad Honnef geborene Schüler des Essener Helmholtz-Gymnasiums, wo er die zwölfte Klasse besucht,  in Königswinter, der 42.000 Einwohner zählenden lebens- und liebenswerten Stadt am Rhein zu Füßen des Siebengebirges.
Um neue Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln, würde ich auch gerne einmal weiter weg  leben. Ich war schon einmal in den USA. Da möchte ich auf jeden Fall noch einmal hin. Anbieten würde sich das für mein späteres berufliches oder Studienleben. Auch sportlich gesehen wäre es bestimmt gut, dort zu leben“,  erzählt uns Moritz Brandt. Schwimmen hat er im Alter von vier oder fünf Jahren bei der DLRG gelernt. „Meine Mutter und meine Oma sind früher auch geschwommen. Die haben Wert darauf gelegt, dass ich schwimmen kann und dass ich eine gute Technik habe. Sie haben mich aber nie dazu gezwungen das Schwimmen als Leistungssport zu  betreiben“, sagt Moritz. Er durfte auch verschiedene andere Sportarten, wie beispielsweise  Fußball und Tennis ausüben, wobei ihm Tennis besonders gut gefiel. „Am Ende habe ich mich aber für das Schwimmen entschieden, weil mir  das am meisten gelegen und am meisten Spaß gemacht hat“, so Moritz.
2005 ging er zu SSF Bonn, wo er bis 2012 geschwommen ist und sein Trainingspensum ständig steigerte. „Ich habe dann am Ende gemerkt, dass es dort nicht so richtig leistungsfördernd lief. Da ich aber weiterkommen wollte und auch gespürt habe, dass ich vielleicht irgendwann einmal im Jahrgang und später in der offenen Klasse mitmischen kann, habe ich mich entschieden zur SG Essen zu gehen“, begründet Moritz seinen Schritt von den Rhein an die Ruhr zu wechseln. Am besten gefällt ihm an der SG Essen, wo er bei Mitja Zastrow trainiert, der Zusammenhalt im Team, der sich besonders bei großen Meisterschaften zeigt, wo jeder jeden nach Kräften unterstützt. Sein sportliches Vorbild ist der US-Amerikaner Ryan Lochte. „Ryan ist wie ich finde ein cooler Typ. Er kommt zwar  nicht immer ehrgeizig oder diszipliniert rüber. Wenn man ihn aber einmal genauer betrachtet, sieht man aber doch, dass er total ehrgeizig an seinen Zielen arbeitet. Auch vom Charakter her halte ich ihn für einen Supertypen“, urteilt Moritz Brandt über Lochte.
Ein weiteres, jedoch außersportliches Vorbild ist für Moritz der deutsche Rapper Shindy, der bei Bushidos Label „ersguterjunge“ unter Vertrag steht. „Was Shindy macht ist schon sehr ansprechend. Man könnte sagen, er ist eine coole Socke. Was er aus sich gemacht hat, ist schon sehr beindruckend“, meint Moritz.
Die Lieblingsdisziplinen von Moritz Brandt sind die 200m Schmetterling und die 400m Freistil. Er schwimmt aber auch gerne 200m Freistil. „Ein Sprinter bin ich nicht. Ich brauche immer eine gewisse Zeit um meinen Rhythmus zu finden und warm zu werden. Auch wenn ich mit den 200m Schmetterling und den 400m Kraul nicht gerade die einfachsten Strecken schwimme, bin ich doch sehr zufrieden damit. Mehr als 400m müssen es aber im Becken auch nicht sein. Freiwasser würde ich hingegen mal ausprobieren weil ich eigentlich immer für etwas Neues offen bin.“, sagt Moritz zu seinen Vorlieben. Er schwimmt er lieber Lang- als Kurzbahn, weil er dabei besser seinen Rhythmus findet.

Moritz Brandt (SG Essen)

 

Auf Ebene des SV NRW gehört Moritz Brand inzwischen zu den Leistungsträgern. Er gehört dem SV NRW-Perspektivteam und dem JUNIOR-TOP-TEAM an. Auf Lang- und Kurzbahn gewann er bei NRW-Meisterschaften bisher 15 Jahrgangstitel, die ersten im Jahr 2010 über 100m und 200m Schmetterling. In der offenen Klasse wurde er 2013 auf der Kurzbahn erstmalig NRW-Meister über 200m Schmetterling. Diesen Erfolg wiederholte er 2014 auf der Lang- und Kurzbahn. In diesem Jahr gewann er auf der Langbahn den Titel über 400m Lagen und auf der Kurzbahn den über 200m Schmetterling. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften war Moritz erstmals 2012 erfolgreich. Über 200m Schmetterling gewann er noch für die SSF Bonn schwimmend  die Silbermedaille. 2013 wurde er Deutscher Jahrgangsmeister über 200m Schmetterling und holte außerdem Bronze über 200m Freistil und 400m Lagen.
2014 war in Bezug auf Deutsche Jahrgangsmeisterschaften sein erfolgreichstes Jahr. Vier Titel (200m Freistil, 400m Freistil, 200m Schmetterling, 400m Lagen) brachte Moritz von Berlin mit nach Hause und gewann zudem noch die Silbermedaille über 100m Schmetterling. Sein tolles Wettkampfjahr 2014 krönte er zusätzlich mit zwei neuen Deutschen Altersklassenrekorden über 200m Schmetterling und 400m Freistil.  Seiner bis dato schon umfangreichen Medaillensammlung bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften fügte Moritz Brandt in diesem Jahr noch zwei Goldmedaillen über 200m Schmetterling und 400m Freistil hinzu. Einige Male stand er bei Deutschen Meisterschaften auch schon in einem Finale der offenen Klasse. Mittlerweile hat er es bis zur Berufung in den C-Kader des DSV geschafft. Außerdem gehört er dem DSV-Perspektivteam an. 2015 betrat Moritz das Parkett bei internationaler Meisterschaften. Zunächst stand er im DSV-Aufgebot für die Jugend-Europameisterschaften in Baku/Aserbaidschan, die im Rahmen der ersten Europaspiele stattfanden. Mit der 4x200m Freistilstaffel gewann Moritz bei diesen Titelkämpfen die Bronzemedaille. Nicht ganz so rund lief es für ihn bei seinen Einzelwettbewerben. Über 200m Schmetterling erreichte er das Halbfinale, verpasste dort aber als Neunter knapp den Finaleinzug. Über 400m Freistil schied er als Sechzehnter im Vorlauf aus. „Es war schade, dass ich da ein bisschen gefloppt habe. Ich hatte mir auf jeden Fall mehr vorgenommen. Ich sehe das aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil ich wichtige Erfahrungen sammeln konnte, weinend, weil ich meine Ziele nicht erreicht habe“, resümiert Moritz. Den Gewinn der Bronzemedaille mit der Staffel bezeichnet er als sein bisher schönstes Erlebnis im Schwimmsport. Die vier Staffeljungs wurden anschließend zusammen mit sieben weiteren Athleten, unter denen sich mit Lisa Höpink und Delaine Goll auch zwei Mannschaftskameradinnen von Moritz bei der SG Essen befanden, in das DSV-Team für Junioren-Weltmeisterschaften in Singapur berufen. Seine beste Platzierung erreichte Moritz Brandt hier mit der 4x200m Freistilstaffel, die in gleicher Besetzung wie bei der JEM in Baku schwamm, mit Platz acht. Bei seinen weiteren Wettkämpfen (200m Freistil, 200m Schmetterling, 4x100m Freistil) war für ihn bereits im Vorlauf Endstation. „In Singapur war es sehr schwierig wieder Top-Leistungen zu bringen, da der Termin weit hinten im Kalender lag. Es war aber auf jeden Fall eine sehr coole Erfahrung auf noch mehr internationale Konkurrenz, wie aus den USA, Südamerika und Asien zu treffen“, erklärt Moritz.

Bei SV NRW-Meisterschaften steht Moritz Brandt (Mitte) meist ganz oben auf dem Siegertreppchen. Hier bei der Siegerehrung über 200m Schmetterling bei den Kurzbahnmeisterschaften 2015”. Links der Zweite Philip Lücker (SG Neuss), rechts der Dritte Christian vom Lehn (SG Essen)

2016 strebt er seine zweite JEM-Teilnahme an und ist optimistisch, dass es dann besser laufen wird, als noch in diesem Jahr. Sein Ziel ist dort der Gewinn einer Einzelmedaille. Auf lange Sicht gesehen, hat sich Moritz die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 auf seine Fahnen geschrieben.
Über das, was er nach dem Abitur, das er aufgrund seiner praktizierten Schulstreckung nicht nach zwölf, sondern erst nach vierzehn Jahren macht, beruflich in Angriff nimmt, hat er noch keine Entscheidung getroffen. „Ich habe ja noch ein bisschen Zeit. Es gibt ein paar Berufe, die mich locken und interessieren. Ich danke da an Pilot, sowie an Außen- oder Innenarchitekt“, sagt Moritz. Seine Freizeit verbringt er gerne mit seinen Freunden. Außerdem hört er gerne Musik, schaut sich Filme an und genießt es auch schon einmal an einem See zu relaxen. Was seine kulinarischen Vorlieben angeht, ist er ein Fan der arabischen, libanesischen und türkischen Küche. Auf jeden Fall steht er dabei auf Fleisch und scharfe Gewürze.
Kennenlernen möchte er gerne einmal den schon weiter oben erwähnten Rapper Shindy aus Berlin. Ein Traum von Moritz ist es  die restlichen Länder zu besuchen, die er bisher noch nicht gesehen hat. Eine Weltreise wär da das richtige. Australien und die Antarktis sollten dabei auf jeden Fall im Programm sein. Wenn zu Beginn 2016 die Wertung für den Jugendschwimmer des Jahres 2015 im SV NRW veröffentlicht wird, kann man Moritz Brandt mit Sicherheit ganz weit vorne finden. Das bedeutet ihm sehr viel. „Jugendschwimmer des Jahres ist zwar  nur eine Momentaufnahme, würde mich aber sehr ehren. Man möchte schon gerne so viele Erfolge wie möglich nachweisen können und sich später gerne daran erinnern und beispielsweise auch seinen Kindern zeigen“, so Moritz Brandt. Wie viele Kinder es dann sein werden, hat er uns allerdings nicht verraten.

Sportler von A-Z

Context Column