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Julian Jungbluth
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Die Stadt Mülheim an der Ruhr hat rund 171.000 Einwohner.
Einer davon, der sich hier rundherum wohlfühlt ist
Julian Jungbluth. Das liegt für den am 17. Mai 1989
in Mülheim geborenen Schwimmer der SG Mülheim aber
nicht nur daran, dass er in einer aus 50 Prozent Grünfläche
bestehenden reizvollen Stadt wohnt, sondern in erster Linie
am Umfeld seines Vereins, von dem er in's schwärmen
gerät, sobald die Sprache darauf kommt.
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"Wir sind in der SG Mülheim eine Riesenfamilie. Der
Zusammenhalt der Mannschaft in der gegenseitige Unterstützung
groß geschrieben wird, ist einfach toll", zeigt sich
Julian begeistert, wenn er von seinem Klub erzählt. Bei diesem
ausgesprochenen Wohlfühlefekt ist es für den Schüler
des Luisen-Gymnasiums, wo er die zwölfte Klasse besucht,
auch nicht unbedingt ein Problem, dass die Trainingsbedingungen
im Mülheimer Nordbad nicht gerade für den Spitzensport
als ideal zu bezeichnen sind. "Wir trainieren hier mit 25
Leuten auf vier 25-Meterbahnen. Unser Kraftraum ist vielleicht
vier Quadratmeter groß, da stehen fünf Geräte
drin, woran wir mit zwölf Leuten trainieren. Trotzdem klappt
alles", sagt Julian zur Trainingssituation bei der SG Mülheim.
Ein Vereinswechsel ist ihm nie in den Sinn gekommen. "Ich
kenne alle Leute in der SG und habe hier total viele Freunde.
Das zählt natürlich. Wenn ich den Verein wechseln wollte,
müsste ich entweder nach Essen oder auch nach Wuppertal fahren.
In Mülheim habe ich mich ständig in meinen Leistungen
verbessert und ich bin davon überzeugt, dass ich hier auch
in Zukunft noch besser werden kann", hakt Julian Jungbluth
das Thema eines möglichen Vereinswechsels schnell ab.
Zum Schwimmen ist er durch seine Mutter gekommen, mit der er
als Kind sehr häufig im Mülheim-Heissener Schwimmbad
zu Gast war. Schnell erkannte er, wie viel Spaß ihm das
Schwimmen macht und so fand er sich dann auch bald in einem Verein
wieder. Andere Sportarten als Schwimmen hat er übrigens nie
betrieben. In seiner Familie ist er auch der einzige Leistungsschwimmer
geblieben. Sein älterer Bruder (21) hat Squash gespielt und
sein Vater jagte früher als Fußballer dem runden Leder
nach.
Mit dem Leistungssport fing er 1998 an. Seine bevorzugten Disziplinen
sind die 100 und 200 Meter Brust, sowie ab und an die Lagenstrecken.
Sportliche Vorbilder hat Julian Jungbluth keine. "Ich brauche
so etwas nicht, weil ich nicht weiß, wozu die dienen sollen.
Man ist selbst eine eigene Persönlichkeit, die man dann zu
seinem Vorbild aufbaut. Dafür brauche ich keinen anderen
Menschen", sagt Julian.
| Sein vorhandenes Talent fand sich ab 2002 in
den Siegerlisten von SV NRW-Meisterschaften wieder. Wie viele
NRW-Jahrgangstitel er bisher insgesamt gesammelt hat, weiß
er selbst nicht ganz genau. "Im Laufe der Jahre wurden
es immer mehr", gibt er zu Protokoll. An sein Abschneiden
bei deutschen Jahrgangsmeisterschaften kann er sich da schon
besser erinnern. Erstmals war er bei nationalen Titelkämpfen
2005 vertreten. Hier konnte er sich in seinen Rennen noch
nicht unter die ersten Zehn platzieren. |

Julian Jungbluth
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Das änderte sich ein Jahr später schlagartig. In der
Berliner Sprung- und Schwimmhalle an der Landsberger Allee wurde
er gleich viermal Vierter. "Über 200m Brust hatte ich
mir ausgerechnet unter die ersten drei zu kommen. Das es nicht
geklappt hat, war für mich seinerzeit sehr ärgerlich",
erinnert sich Julian. In diesem Jahr in Dortmund startete er einen
erneuten Anlauf auf einen Podestplatz. Wieder hatte er sich Medaillenchancen
über die 200m Brust ausgerechnet, aber wieder sprang nur
der vierte Rang heraus. Dafür sorgte er einen Tag später
über 100m Brust für eine Riesenüberraschung. In
1:05,53 Minuten gewann er die Goldmedaille und wurde zu seinem
eigenen Erstaunen Deutscher Meister.
Seine persönliche Bestleistung verbesserte er hier um rund
eineinhalb Sekunden. "Die 100m hatte ich gar nicht eingeplant",
erinnert sich Julian Jungbluth an diesen Titelgewinn, den er als
schönstes Erlebnis in seiner bisherigen Schwimmkarriere bezeichnet.
Gerne erinnert er sich auch an seine "Ausflüge"
in's Freiwasser 2006 und 2007, wo er bei den SV NRW-Freiwassermeisterschaften
im Rhein-Herne-Kanal jeweils über 5 Kilometer antrat. Hier
erlaubte er sich im vergangenen Jahr einen besonderen Spaß,
als er in 1.08,26:81 Stunden zeitgleich mit seinem Vereinskameraden
Niklas Klusmann gemeinsam als Dritter die Ziellinie überquerte.
In diesem Jahr belegte er in 1.08,25:74 Stunden Rang fünf.
Eine Zukunft im Freiwasser sieht Julian Jungbluth für sich
übrigens nicht. Die strebt er dann doch weiterhin im Becken
an. Gerne würde er sich einmal für einen Länderkampf
qualifizieren. Sein sportliches Hauptaugenmerk liegt in diesem
Jahr aber auf den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften (DMS).
Mit seinem SG Mülheim schwimmt Julian erstmalig in der zweiten
Bundesliga. Julian ist wie seine Mannschaftskameraden schon ganz
heiß auf diesen Wettbewerb und ist guter Dinge, die Klasse
halten zu können. Das der Endkampf der zweiten Bundesliga
in Mülheim ausgetragen wird, ist dabei zusätzliche Motivation.
Zuvor nimmt Julian am Höhentrainingslager des SV NRW in
der spanischen Sierra Nevada teil. Für ihn ist es bereits
die fünfte Höhenmaßnahme, von denen er nach eigenem
Bekunden immer profitiert hat. Viel Zeit für Hobbys hat der
Mülheimer nicht. Wenn es sein eng gefüllter Terminkalender
einmal zulässt, trifft er sich mit Freunden, wobei oft Kinobesuche
angesagt sind. Gerne sitzt er aber auch bei seiner Oma, deren
Pfannkuchen seine absolute Lieblingsspeise sind.
Kennenlernen möchte Julian Jungbluth übrigens gerne
einmal den früheren Arbeitsminister Norbert Blüm. "Ich
finde seine lockere und witzige Art Klasse. Er ist nicht so ernst
wie andere Politiker, sondern eigentlich genau das Gegenteil",
sagt Julian. Den Grundstein für seine berufliche Zukunft
will Julian Jungbluth zunächst im nächsten Jahr mit
dem Abitur legen. Als reizvoll würde er anschließend
eine Laufbahn bei der Bundeswehr empfinden aber auch ein Studium
ist für den bekennenden Mülheimer nicht ausgeschlossen.
Peter Kuhne