Schwimmverband NRW, 22.11.06,
A. Hillebrand
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Teilnehmer/innen der Fachtagung "Bäder in Vereinsregie"
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Trotz kurzfristiger Ankündigung hatten sich mehr als
70 Teilnehmer zur Fachtagung "Bäder in Vereinsregie"
des Schwimmverbandes NRW angemeldet, die Mitte November in
Essen stattfand. Allein das ist ein Signal dafür, dass
dieses Thema die Schwimmvereine im Land beschäftigt bzw.
sie damit beschäftigt werden.
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Die Frage stellt sich durchaus: Ist die Mehrzahl der öffentlichen
Bäder in Zukunft nur dann zu halten, wenn sie nicht mehr von
der Kommune, sondern von Vereinen oder anderen Bürgervereinigungen
betrieben werden.
SV NRW-Präsident Manfred Peppekus machte in seinem Grußwort
sehr deutlich, dass öffentliche Bäder ein Stück Lebensqualität
darstellen. Nur dort könne man schwimmen lernen und keine andere
sportliche Betätigung vereine so viele positive Aspekte der
Gesundheitspflege wie der "Bewegungsraum Wasser".
Schwimmverband NRW berät Vereine
- "Runder Tisch" gefordert
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Dr. Salmen ist Vorsitzender der "Arbeitsgruppe Bäder" des
SV NRW und kompenter Ansprechpartner für Vereine, die Bäder
betreiben oder betreiben wollen.
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Bereits vor einigen Jahren hat der Schwimmverband NRW die
Entwicklung erkannt und eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen,
die Vereine berät, die ein Bad betreiben oder das in
Zukunft tun möchten bzw. müssen. Vorsitzender dieser
Gruppe ist Dr. Rudolf Salmen, Vizepräsident des Verbandes,
der in seinem einleitenden Referat die Vereine einlud, von
dem Beratungsangebot Gebrauch zu machen.
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Das beschränke sich nicht nur auf die Mitgliedsvereine, sondern
auch auf DLRG-Ortsgruppen und Bürgervereinigungen, die sich
im Lande immer wieder - meistens aufgrund einer drohenden Badschließung
- bildeten. Dabei sei es wichtig, dass alle Beteiligten, d.h. Kommune,
Vereine und ggfls. der Schwimmverband NRW, frühzeitig Gespräche
aufnähmen, Rudolf Brügge, Vorsitzender des Mönchengladbacher
Schwimmvereins und Mitglied der SV NRW-AG Bäder forderte die
Vereinsvertreter auf, politisch aktiv zu werden, und zwar unabhängig
davon, ob es derzeit akute Bäderprobleme gebe. Er empfahl,
in jeder Kommune einen "Runden Tisch Sport und Bäder"
ins Leben zu rufen.
Das "Essener Modell" - Bad
mit reduzierten Kosten erhalten!
Willi Löbbert vom Werdener Turnerbund und Michael Ruhl, Chef
der Sport- und Bäderbetriebe Essen, machten im folgenden Referat
deutlich, was mit dem "Runden Tisch" gemeint war. Bereits
vor ca. zehn Jahren habe die Stadt Essen und der Werdener Turnerbund
gemeinsam ein Modell entwickelt, bei dem die Betriebsführung
für das Stadtbad Werden auf den Verein übertragen wurde.
Der Kooperation - sie ist inzwischen als "Essener Modell"
bekannt - liegt ein Betriebsführungsvertrag zu Grunde, der
juristisch und steuerrechtlich durchleuchtet wurde und die Lasten
nach Meinung der Vertragspartner angemessen verteilt. Dabei gehe
es - so Ruhl - nicht darum, die Betriebskosten für das Bad
völlig einzusparen. Der Vorteil für die Stadt liege vielmehr
darin, dass das Bad dem Bürger bei reduzierten Kosten erhalten
bleibe. Der Erfolg des Modells beruhe aber auch hier auf gemeinsamen
und kreativen Anstrengungen von Kommune und Verein.
Förderverein Leitmecke: Badübernahme
mit Widerständen
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Bäderarchitekt Gustav Keinemann erläuterte den möglichen Investitionsbedarf
im Freibad Leitmecke-Menden
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Viel Stehvermögen brauchte der Förderverein Leitmecke
mit seinem Vorsitzenden Christian Scholz, um von der Stadt
Menden die Betriebsführung für das Freibad Leitmecke
übertragen zu bekommen. Das Bad sollte 2004 geschlossen
bzw. zu einem Naturfreibad umgebaut werden; dem Bestreben
des Fördervereins nach Erhaltung des Freibades wurden
seitens der Stadt zum Teil erhebliche Widerstände entgegengesetzt,
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die bis zur Einforderung einer Bürgschaft gingen, die - man
liest richtig - der Verein der Stadt für den Betrieb des Bades
für mindestens 10 Jahre geben sollte. Dennoch ist der Verein
fest entschlossen, das Bad zu führen; die letzte Entscheidung
fällt der Rat der Stadt im Dezember. Vertragsentwürfe
liegen vor; auch hier konnte der SV NRW Beratungsdienste leisten.
Steuerbar und steuerpflichtig? - Die Fallstricke
des Steuerrechts beim Betrieb von Bädern
"Prüfen Sie Ihre Satzung!" Das war ein wichtiger
Rat des Steuerberaters Ludger van Holt an die Vereine, die Bäder
besitzen oder betreiben. Zumindest wenn das Bad von der Öffentlichkeit
genutzt wird, sollte die "Öffentliche Gesundheitspflege"
als Satzungszweck des Vereins ausdrücklich genannt sein. Das
bewirke nämlich, dass das "Jedermannschwimmen", wie
es die Finanzverwaltung genannt habe, ein grundsätzlich steuerbegünstigter
Zweckbetrieb sei und dem verminderten Umsatzsteuersatz unterliege.
Die Bewertung des Schwimmbades oder Teile des Betriebs als "wirtschaftlicher
Geschäftsbetrieb" verbiete nämlich ausdrücklich
einen möglichen Verlustausgleich aus dem gemeinnützigen
Bereich. Der Schwimmverband NRW habe in diesem Zusammenhang zwei
Erlasse erwirkt, die für den Betrieb von Bädern durch
Vereine sehr hilfreich seien (siehe: Schreiben des Finanzministeriums
NRW vom 20.10.2004 zur Ertragssteuer (S 0171 - 76 V B 4) und vom
21.4.2005 zur Umsatzsteuer (S 742 b - SW 22 - V 2). Zuschüsse
der Kommune an den Badbetreiber seien darauf hin zu prüfen,
welchen Zweck sie erfüllten; daraus ergebe sich die steuerliche
Beurteilung. Im Übrigen komme es auch hier auf die vertragliche
Gestaltung im Einzelnen an.
Finanzierung von Modernisierungsmaßnahmen:
Hilfen durch die Banken und Contractingverfahren
Möglichkeiten der Modernisierung von Bädern mit zinsgünstigen
Krediten der KfW-Förderbank zeigte Steffen Seiffert aus Berlin
auf. Gerade für den Bereich der kommunalen Infrastruktur habe
man ein Programm "Sozial investieren" aufgelegt, die auch
von gemeinnützigen Organisationen genutzt werden könnten.
Es könne ein interessantes Instrument der Finanzierung von
notwendiger Badsanierung oder -modernisierung gerade zu Beginn einer
Partnerschaft Kommune / Verein als Badbetreiber sein.
Zu diesem Thema passt auch das Angebot der Firma Siemens, vorgestellt
von Peter Neumann, des Energiespar-Contracting. Grundgedanke des
Contracting ist, die Modernisierung der Gebäudetechnik (Wasseraufbereitung,
Lüftung, Heizung etc.) durch die nach der Modernisierung eingesparten
Energiekosten zu finanzieren. Notwendige Finanzmittel werden vom
Contractor bereitgestellt und durch Einsparungen refinanziert.
Beratungsbedarf wird deutlich - Weitere
Fachtagungen sind geplant
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Bäder müssen erhalten bleiben, damit Kinder schwimmen lernen!
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Bereits im Verlauf der Diskussionen wurde deutlich, dass
längst nicht alle Themen behandelt werden konnten, die
für mögliche Betreiber oder Betriebsführer
von Bädern von großer Bedeutung sind, behandelt
werden konnten. So kündigte Dr. Salmen denn auch weitere
Fachtagungen an, wobei die nächste bereits für das
Frühjahr 2007 geplant ist.
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Dort sollen dann Fragen der Verkehrssicherungspflicht, der Badaufsicht
sowie des Haftungs- und Versicherungsrechts behandelt werden. Die
Essener Tagung zeigte sehr genau, wo den Vereinen "der Schuh
drückt", der Schwimmverband NRW hat darauf reagiert und
stellt ein umfangreiches Beratungs- und Serviceangebot bereit. Interessierte
Vereine können Anfragen direkt an die Geschäftsstelle
des SV NRW richten:
Adolf Hillebrand
Fast alle Vorlagen der Referate sowie die Broschüre "Bestandssicherung
kommunaler Hallen- und Freibäder" stehen
Ihnen hier zur Verfügung.
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