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Berlin (schwimm-press) Ohne Ausnahme hat die DSV-Elite für die
116. Deutschen Schwimm-Meisterschaften vom 4. bis 8. Juni in Berlin
gemeldet. Die nationalen Titelkämpfe stehen ganz im Zeichen der
(alleinigen) Olympia-Qualifikation für Athen (13. bis 29. August).
Das Meldeergebnis weist insgesamt 614 Teilnehmer mit 1754 Einzel-
und 86 Staffel-Nennungen aus 173 Vereinen aus. Die Vorjahres-Meister
sind vollzählig am Start, verzichten allerdings freiwillig in drei
Fällen auf eine Titelverteidigung: die dreifache Weltmeisterin Hannah
Stockbauer (Erlangen) über 1500 m Freistil, Weltmeister Thomas Rupprath
(Wuppertal) über 50 m Rücken und Weltrekordlerin Sandra Völker (Leipzig)
ebenfalls über 50 m Rücken. Alle drei Wettbewerbe gehören in Athen
nicht zum olympischen Programm.
DSV-Sportdirektor Ralf Beckmann (Kassel) und Bundestrainer Manfred
Thiesmann (Warendorf) sind davon überzeugt, „dass wir erstklassige
Meisterschaften in Berlin erleben werden“. Beckmann: „Es könnte
sogar sein, dass Berlin das höchste Niveau bringen wird, das wir
je hatten – gemessen an der Leistungsdichte und –breite in den Finalläufen.“
Seit Jahren hat es im DSV im Vorfeld einer Deutschen Meisterschaft
nicht mehr derart ansprechende Leistungen gegeben wie in dieser
Saison. Dabei hat der DSV die Europameisterschaften Mitte Mai in
Madrid mit Rücksicht auf eine konzentrierte Olympia-Vorbereitung
seiner Top-Athleten völlig in den Hintergrund gerückt und freiwillig
auf die Wahrung seiner Spitzen-Position auf dem Kontinent verzichtet.
Das kleine DSV-Team mit neun Athleten gewann in Madrid einmal Gold
durch Stev Theloke (Chemnitz) über 50 m Rücken und zweimal Bronze
durch Sandra Völker (Leipzig) über 50 m Freistil und Theloke über
100 m Rücken. Aber selbst für die Medaillengewinner war es nicht
mehr als ein Testlauf im Vorfeld der Olympischen Spiele.
Für voreilige Euphorie sehen Beckmann und Thiesmann indes nicht
die geringste Veranlassung. Sie wissen nur zu genau, dass selbst
eine Leistungs-Explosion auf nationaler Ebene noch lange nicht ausreichen
muss für Medaillen in Athen. Das wiederum belegen die nackten Zahlen
der letztjährigen Saison mit den Weltmeister-schaften in Barcelona
als auch die dieses Frühjahrs. Die Welt des Schwimmsports rückt
weiter enger zusammen. Japaner, Briten (auf breiter Front!), Italiener
und Franzosen drängen hinter den führenden Amerikanern und Australiern
verstärkt nach vorne.
Die Qualifikations-Normen des DSV sind wie immer an Platz zwölf
der „bereinigten“ letztjährigen Weltrangliste (zwei Schwimmer pro
Nation/Wettbewerb) ausgerichtet. In einem Fall, den 200 m Brust
der Männer, liegt diese Richtzeit von 2:13,90 Minuten gar unterhalb
des aktuellen Deutschen Rekordes (2:14,56 Johannes Neumann/ Regensburg).
Zehn Schwimmer/innen haben die verbandsinterne Norm in insgesamt
14 Fällen bei der WM 2003 in Barcelona bereits erfüllt und nehmen
einen gewissen Bonus mit in die Deutschen Meisterschaften. Voraussetzung
bleibt dabei aber Platz eins oder zwei. Sportdirektor Ralf Beckmann
geht von einer „Mannschaftsstärke von 32 Athleten plus/minus drei“
für Athen aus.
Kampf um die Freistilstaffeln
In den Gedankenspielen um das Olympia-Team nehmen – eigentlich wie
immer im DSV – die sechs Staffeln der Männer und Frauen einen breiten
Raum ein. Die Leistungsdichte der potenziellen Kandidaten für die
4x100- und 4x200-m-Freistilstaffeln ist enorm – gemessen an der
eigenen Ausgangsposition endlich auch bei den Männern. Der Hannoveraner
Stephan Kunzelmann (25) hat zu diesem Aufschwung beigetragen mit
seinem neuen Deutschen Rekord von 49,07 Sekunden über 100 m Freistil
schon im November vergangenen Jahres. Oder eine Britta Steffen (20),
die nach ihren acht Goldmedaillen bei Junioren-Europameisterschaften
(1998/1999) mehr als drei Jahre auf den „großen Knall“ hatte warten
müssen, jetzt aber nach ihrem Wechsel vor eineinhalb Jahren von
Schwedt in die Trainings-gemeinschaft mit Franziska van Almsick
bei der SG Neukölln Berlin zu einer täglichen Herausforderung für
die Weltrekordlerin über 200 m Freistil geworden ist.
Van Almsicks letztes großes Ziel
Franziska van Almsick (26) hat sich ganz auf ihr letztes großes
sportliches Ziel konzentriert – Olympia-Gold in Athen über 200 m
Freistil. Dafür hat sie im vergangenen Jahr auch die WM in Barcelona
ausgelassen. Mit einer Ausgangsposition wie 2002 vor ihrem EM-Triumph
in Berlin mit der Weltrekordzeit von 1:56,64 Minuten dürfte sie
ihrem Gold-Traum bei der DM in ihrer Heimatstadt schon ein gutes
Stück näher kommen. Bei der DM 2002 in Warendorf schwamm sie 1:57,74
Minuten. Die britische Kurzbahn-Europameisterin Melanie Marshall
hat 1:57,51 Minuten als Weltjahres-Beste in dieser Saison vorgelegt.
Britta Steffen hatte im März mit 1:59,26 Minuten bereits persönliche
Bestzeit geschwommen. Der Uralt-Weltrekord der DDR über 4x200 m
Freistil der Frauen (7:55,47) aus dem Jahre 1987 erscheint für das
DSV-Quartett (in welcher Zusammensetzung auch immer ...) greifbar
nahe – allerdings in gleichem Maße auch für die Amerikanerinnen,
Australierinnen, Chinesinnen und Britinnen! Der Weltrekord von gestern
wird in Athen möglicherweise nicht einmal zu einer Medaille reichen...
Bei den Berliner Entscheidungen für die DSV-Kraulstaffeln lassen
sich gut bis zu zwölf Kandidaten auflisten. Das bedeutet, schon
die Vorläufe müssten bei vielen ein Höchstmaß ihres Leistungsniveaus
bringen. Wirkliche Ausnahme-Positionen in der Olympia-Qualifikation
stellen sich nur für wenige DSV-Athleten dar: für die amtierenden
Weltmeister Hannah Stockbauer (22) über 400 und 800 m Freistil (auf
ihre dritte WM-Strecke 1500 m Freistil verzichtet sie, da nicht
im Olympia-Programm), Antje Buschschulte (Magdeburg/25) über 100
m Rücken, Thomas Rupprath (Wuppertal/27) über 50, 100 und 200 m
Schmetterling sowie Annika Mehlhorn (Baunatal/20) über 200 m Schmetterling.
Beckmann: „Die müssen in Berlin noch nicht unbedingt mit hundert
Prozent an den Start gehen.“
Rupprath verzichtet auf seine Weltrekordstrecke 50 m Rücken, versucht
dafür aber, seine Kurzbahn-Leistungen über 100 m Rücken (bis zum
Frühjahr Kurzbahn-Weltrekord 50,58) jetzt auch in der Olympia-Qualifikation
auf die Langbahn umzusetzen. Die 200 m Schmetterling (ebenfalls
eine ehemalige Weltrekord-Strecke auf der Kurzbahn) hat er für Berlin
wieder in sein Programm aufgenommen. Sandra Völker (30) konzentriert
sich auf die 50 und 100 m Freistil, „schenkt“ die 50 (Weltrekord
28,25 vor vier Jahren in Berlin) und 100 m Rücken und sucht dafür
– wie auch Franziska van Almsick – eine Alternative in den 100 m
Schmetterling. In Madrid gewann sie mit Bronze über 50 m Freistil
im Übrigen ihre 63 internationale Medaille. In Berlin könnte jetzt
ihr 45. Deutscher Meistertitel hinzukommen. Rupprath steht gar vor
dem 50. Gold-Jubiläum bei einer nationalen Meisterschaft!
Warnecke strebt fünften Spiele an
Mark Warnecke (Cannstatt), mit 34 Jahren der „Oldie“ schlechthin
im DSV-Olympia-Kader, strebt in Berlin seine fünften Olympischen
Spiele an – auch ein „Weltrekord“ in der internationalen Schwimmer-Szene.
Warnecke muss noch einmal an seine besten Zeiten bei seinem Bronze-Gewinn
1996 in Atlanta über 100 m Brust (1:01,33) heranschwimmen, wenn
eine DSV-Lagenstaffel in Athen auf Medaillen-Kurs gehalten werden
soll. Für dieses Ziel hat sich Warnecke körperlich wieder in Höchstform
gebracht und gut zehn Kilogramm „abgespeckt“. Betreut wird der Arzt
inzwischen wieder von seinem alten Trainer Horst Melzer in Essen.
Wieder ins Blickfeld rücken dürften in Berlin die im vergangenen
Jahr pausierenden Janine Pietsch (Ingolstadt/21), Silvia Vida-Szalai
(Frankfurt/29) oder die dreimalige Junioren-Europameisterin von
1995 und 1996, Janina Kristin Götz (Leipzig/23) und Sara Harstick
(Hildesheim/22). Vida, Weltmeisterin 1998, Harstick, Vize-Weltmeisterin
2001, und Götz, Europameisterin 1997, hegen alle drei neuerliche
Hoffnungen auf einen Platz in der medaillenträchtigen deutschen
4x200-m-Freistilstaffel. Die vielseitige Janine Pietsch könnte die
von Sandra Völker geräumte Position hinter Antje Buschschulte über
100 m Rücken einnehmen und steht in der Kandidatinnen-Reihe für
die 4x100-m-Freistilstaffel.
Höhepunkte von internationalem Zuschnitt
Aus dem Olympia-Perspektiv-Kader dürfen sich Teresa Rohmann (16),
Trainings-partnerin von Hannah Stockbauer in Erlangen, Daniela Götz
(Katzwang/16 – nicht verwandt mit Janina Kristin Götz), Helge Meeuw
(Wiesbaden/19) und Marco di Carli (Sögel/19) größte Hoffnungen auf
den Sprung ins Athen-Team machen. Daniela Götz und Meeuw standen
bereits im vergangenen Jahr in der WM-Mannschaft in Barcelona, Rohmann
(200 und 400 m Lagen) und di Carli (100 m Lagen) erlebten ihre internationale
Feuertaufe im Dezember vergangenen Jahres bei der Kurzbahn-EM in
Dublin mit ersten Bronze-Medaillen.
Höhepunkte von internationalem Zuschnitt dürften in Berlin neben
den Ausscheidungen für die 4x100-und 4x200-m-Freistilstaffeln vor
allem die 100 m Rücken der Männer sowie die Entscheidungen über
100 und 200 m Brust bei den Frauen bringen. Durch seine Bronzemedaille
in Madrid bei der EM hat Stev Theloke (Chemnitz/26), der Olympia-Dritte
von Atlanta, wieder ausreichend Selbstvertrauen „getankt“, um die
Herausforderung an den WM-Vierten Steffen Driesen (Uerdingen/ 22)
und Thomas Rupprath nach seiner einjährigen selbstverschuldeten
„Abstinenz“ wieder wagen zu können. Seit 22. Mai ist „Theo“ Vater
eines Sohnes.
Bei den Brustschwimmerinnen schickt sich die 23-jährige US-Studentin
Birte Steven aus Hannover an, die nationale Szene „aufzumischen“.
Seit 1996 schwimmt sie in den Finals bei Deutschen Meisterschaften
mit, Trainer Larry Liebowitz hat sie jetzt an der Oregon State University
Ende vergangenen Jahres als Siegerin bei den „US Open“ in die internationale
Spitze über 200 m Brust geführt. In Palo Alto/Kalifornien ließ sie
vor vier Wochen ihren ersten Deutschen Rekord mit 2:25,95 Minuten
folgen. Urprünglich waren aus dem Finale „nur“ 2:26,15 Minuten als
Rekord gemeldet worden, aber im Vorlauf war Birte Steven bereits
zwei Zehntelsekunden schneller gewesen. Im Olympia-Jahr 2004 war
es der erste und bislang einzige Deutsche Rekord.
In der gebürtigen Südafrikanerin Sara Poewe (Wuppertal/21), WM-Vierte
über 100 m, und in Anne Poleska (Essen/24), WM-Vierte über 200 m,
besitzt der DSV auf jeden Fall zwei weitere Weltklasseschwimmerinen
über 200 m Brust. Alle drei studieren zur Zeit in den USA. In Simone
Weiler (Heidelberg/25) und Vipa Bernhardt (Frankfurt/21) besitzt
der DSV über 100 wie 200 m noch weitere Brustschwimmerinnen von
internationalem Zuschnitt.
Bei der DM in Berlin stehen einschließlich der Staffeln insgesamt
40 Entscheidungen an fünf Tagen an. Eingebunden ist dabei auch die
Qualifikation für die Junioren-Europameisterschaften (JEM) in Lissabon
(15. bis 18. Juli) für die weibliche Jugend (Jahrgänge 1988/89)
und männliche Jugend (Jahrgänge 1986/87).
Die Deutschen Junioren-Meisterschaften finden in diesem Jahr allerdings
getrennt von der „offenen Klasse“ vom 22. bis 24. Juli in Hannover
statt, die Jahrgangs-Meisterschaften für die weibl. (Jahrgänge 1990-1992)
und männl. Jugend (Jahrgänge 1989-1991) vom 1. bis 4. Juli in Leipzig.
In Hannover tritt auch die Olympia-Mannschaft des DSV noch einmal
zu einem Überprüfungs-Wettkampf an.
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mit allen Ergebnissen der Deutschen Meisterschaften
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