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Das Aquajogging wird schon seit mehreren Jahren erfolgreich im
Breiten- und Leistungssport, in der Prävention und Rehabilitation
eingesetzt, wobei das Laufen im Wasser auch zunehmend wissenschaftlich
untersucht wird. Die Untersuchungen im deutschsprachigen Raum beziehen
sich hierbei größtenteils auf Patienten der 2. Lebenshälfte
mit dem Schwerpunkt in der Prävention und Rehabilitation.

Deshalb erschien es als sehr interessant sich mit dem Aquajogging
als Nutzen für ein sportliches Ausdauertraining, welches im
Breiten- und Leistungssport anwendbar ist, in einer Untersuchung
näher zu beschäftigen. Hierzu wurde die Belastung zwischen
einem Aquajogging-Stufentest und einem Laufbandstufentest verglichen.
Die Stufen beim Aquajogging wurden durch die Schrittfrequenz vorgegeben,
die durch ein Metronom gesteuert wurden. Die ausgewählten Probanden
waren Sportstudenten/-innen zwischen 20 und 30 Jahren alt, die jeweils
einmal im Flachwasser und auf dem Laufband liefen. Das Laufen im
Flachwasser, also im hüft- bis brusttiefen Wasser, im Unterschied
zum Laufen im Tiefwasser ohne Bodenkontakt, erschien zum Ersten
als Untersuchungsschwerpunkt besonders interessant, weil die Laufbewegung
durch den Bodenkontakt der Bewegung an Land ähnlicher und damit
leichter zu erlernen ist, d.h. es werden im Gegensatz zum Tiefwasser
keine Hilfsmittel benötigt. Zweitens ist das Flachwasserlaufen
auch für Nichtschwimmer geeignet, womit eventuell auftretende
Ängste vermieden werden und drittens wurde dieser Bereich des
Aquajoggings bisher nur sehr wenig untersucht. Der entwickelte Stufentest
im Wasser sollte dann eine Vergleichsmöglichkeit bieten, mit
der differenziertere Aussagen zur Anwendbarkeit des Flachwasserlaufens
als Ausdauertraining getroffen werden können. Die ausgesuchten
Parameter zur Einschätzung der Herz- und Kreislaufbelastung
waren die Herzfrequenz und das Laktat. Zusätzlich gab die RPE-Skala
nach Borg (Skala mit Werten von 6-20) als Parameter Auskunft über
das subjektive Belastungsempfinden im Wasser und an Land.

Der Schwerpunkt dieser Untersuchung lag also in der Fragestellung,
inwieweit sich die ausgesuchten Parameter im Wasser und auf dem
Land unterscheiden und welche Konsequenzen daraus für ein Aquajogging-Training
entstehen.
Es zeigte sich, dass im Flachwasser eine mindestens gleichwertige
Belastung des Herz-Kreislauf-Systems zu erreichen ist. Hierbei wurde
die subjektive Belastung im Wasser sogar mit 1-3 Punkten (auf der
RPE-Skala nach BORG) höher eingeschätzt als an Land. Dies
liegt beim Aquajogging an dem Wasserwiderstand, der als höhere
Belastung empfunden wird, trotz gleicher Herzfrequenz.

Der entwickelte Stufentest zeigte sich dabei zur Belastungseinschätzung
als sehr gut verwertbar. Dies veranschaulicht zunächst die
Abb. 2 mit einem überwiegend linearen Zusammenhang
zwischen der durchschnittlichen Herzfrequenz zu den Schrittfrequenzen
(durch Metronom vorgegeben), bei dem auch ein für einen Stufentest
typischer S-förmiger Verlauf der Herzfrequenzkurve zu erkennen
ist. Abb. 3 zeigt einen typischen exponentiellen
Anstieg der Laktatwerte im Bezug zu den Schrittfrequenzen beim Aquajogging-Flachwasser-Stufentest.

Damit ist auch die Schrittfrequenz
ein geeigneter Parameter zur Belastungssteuerung beim Aquajogging.
Im Folgenden sollen nun die sich aus der Untersuchung ergebenden
Möglichkeiten zur Belastungsdosierung im Flachwasser-Aquajogging
aufgezeigt werden.

Belastungskontrolle mit der Herzfrequenz
Die Herzfrequenz ist generell ein geeignetes und gängiges
Mittel zur Belastungsdosierung. Pulsuhren sind mittlerweile sehr
günstig im Handel erhältlich und relativ einfach in der
Handhabung. Beim Aquajogging-Training muss bei vergleichbarer Belastung
generell eine niedrigere Herzfrequenz als an Land beachtet werden.
Allerdings sind die Unterschiede sehr individuell, so dass durch
Einflussfaktoren, wie Motivation, Körpergröße, Trainingszustand
oder Wassertemperatur die Herzfrequenzwerte für unterschiedliche
Personen sehr unterschiedlich ausfallen können. Diese Werte
dürfen somit wirklich nur als Anhaltswerte verstanden werden,
die eine Hilfe bieten ein Training mit Aquajogging durchzuführen,
nicht aber ohne weiteres übernommen werden können. Für
ein Kollektiv mit einem Trainingszustand vergleichbar mit dem der
Sportstudenten, in einer Wassertiefe von 1,10 m und einer Wassertemperatur
von 28°C, ergeben sich aus dieser Studie im Bezug auf die Herzfrequenz
die in Tab. 1 dargestellten Mittelwerte des Laktats,
der subjektiven Belastung und der Schrittfrequenz. Diese Zahlen
können als Anhaltswerte zur Steuerung der Belastung beim Flachwasser
Aquajogging genutzt werden.
Belastungskontrolle mit dem Laktat
Um genaue Angaben zum Laktatverhalten zu machen, ist es sinnvoll
einen Stufentest durchzuführen. Dieser sollte nach Möglichkeit
im Wasser stattfinden, um die speziellen Bedingungen beim Aquajogging
zu berücksichtigen. Der Stufentest, der für diese Untersuchung
entwickelt wurde, würde sich für das Flachwasser anbieten.
Hat man nicht die Möglichkeit einen solchen Test durchzuführen,
können die Untersuchungsdaten aus Tab. 2 Anhaltspunkte
geben, in welchem Bereich trainiert werden soll. Hierzu sind die
Laktatwerte von 2-4 mmol/l in Beziehung zur Herzfrequenz, zum subjektiven
Belastungsempfinden und zur Schrittfrequenz dargestellt.

Diese Tabelle ließe sich dann z. B. so nutzen, dass zum
Erreichen von 2 mmol/l Laktat, also bei der aeroben Schwelle, eine
Herzfrequenz von 150 Schlägen pro Minute, ein subjektives Belastungsempfinden
von 13-14 Punkten auf der BORG-Skala und eine Schrittfrequenz von
ca. 76 Zyklen pro Minute anzustreben wäre. Bei der fixen aeroben-anaeroben
Schwelle von 4 mmol/l Laktat müssten dann eine Herzfrequenz
von 170 Schlägen pro Minute, RPE-Punkte von 15-16 und eine
Schrittfrequenz von ca. 90 Zyklen pro Minute erreicht werden. Diese
Daten müssten bei verändertem Trainingszustand, bei unterschiedlichen
Wassertiefen und -temperaturen entsprechend modifiziert werden.
Belastungskontrolle mit der subjektiven Belastungsempfindung
Zur subjektiven Einschätzung der Belastung ist zunächst
ein relatives hohes Maß an Körperwahrnehmung erforderlich.
Die Gefahr besteht darin, die psychische Befindlichkeit auf die
körperliche Fitness zu übertragen, die aber stark voneinander
abweichen können. Prinzipiell ist, nach den Ergebnissen der
vorliegenden Arbeit, bei einem Training mit Aquajogging zu beachten,
dass bei vergleichbarer Herz-Kreislauf- oder metabolischen Belastung
die RPE-Werte beim Wasserlaufen um 1-3 Punkte höher ausfallen
als bei einem Landlauf. Diese Tendenz kann sich aber bei geübten
Aquajoggern wieder aufheben. Bei körperlich unterschiedlicher
Leistungsfähigkeit müssen auch die RPE-Werte individuell
angepasst werden, da die BORG-Skala nicht mehr vergleichbar genutzt
werden kann. Die Einteilungen der subjektiven Belastungsempfindung
sollten somit individuell erfolgen, wenn man die gleichen metabolischen
und Herz-Kreislauf-Belastungen bei unterschiedlich leistungsfähigen
Probanden erzielen möchte.

Eine gleichzeitige Kontrolle mit Hilfe eines zweiten oder dritten
Parameters wäre daher von Vorteil. Eine Orientierungshilfe
zur Belastungssteuerung im Aquajogging mittels der RPE-Werte können
auch hier die in dieser Untersuchung erhaltenen Werte aus Tab.
3 geben.

Belastungskontrolle mit der Schrittfrequenz
Die Schrittfrequenz ist ein adäquates Mittel zur Belastungsregulierung.
Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die gewählte
Lauftechnik über einen längeren Zeitraum durchgehalten
wird.
Es ist empfehlenswert, einen Stufentest im Wasser durchzuführen,
um über einen zweiten oder dritten Parameter, wie Herzfrequenz,
Laktat oder subjektives Belastungsempfinden, moderate Schrittfrequenzen
zu einer angemessenen Belastung zu finden. In dieser Untersuchung
wurde mit relativ gut trainierten Personen im Flachwasser eine Lauftechnik
durchgeführt, die dem Kniehebelauf entspricht. Anhand der erhobenen
Daten können für diese Voraussetzungen in Tab.
4 folgende Richtwerte zur Belastungsdosierung mittels der Schrittfrequenz
benannt werden.

Insgesamt bietet sich immer eine Kombination mehrerer Parameter
zur Belastungskontrolle an. Welche Parameter gewählt werden,
hängt stark von der Zielgruppe, den Trainingszielen und den
technischen Möglichkeiten ab. Wichtig ist, dass die Werte zur
Belastungsregulierung individuell im Aquajogging ermittelt werden
und nicht bedenkenlos von einer Landlaufbelastung übernommen
werden.
Insgesamt zeigte sich damit beim Flachwasser-Aquajogging eine hohe
Belastbarkeit, die mit der auf dem Laufband vergleichbar ist. Damit
eignet sich diese Bewegungsform, neben einem Kraft- oder Koordinationstraining,
besonders zu einem Training der Ausdauer. Besonderen Stellenwert
bekommen dabei die positiven Eigenschaften des Wasser, die das Aquajoggen
zu einer interessanten Trainingmaßnahme für Leistungssportler,
aber besonders auch für den Breitensport macht.

Aquajogging für den Breitensport:
Peter Freyer
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